Seit einem Jahr Bürgermeister in Oberteuringen

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 Bürgermeister Ralf Meßmer bei der Amtseinführung.
Bürgermeister Ralf Meßmer bei der Amtseinführung. (Foto: Archiv at)

Ralf Meßmer steht seit einem Jahr an der Spitze der Oberteuringer Verwaltung. Alexander Tutschner unterhielt sich mit dem Bürgermeister über sein erstes Amtsjahr, die dringendsten Probleme der Gemeinde und seine Pläne für die Zukunft.

Herr Meßmer, wie haben Sie sich in Ihrem neuen Job zurechtgefunden?

Die Aufgabe macht mir sehr viel Freude. Es ist wie erwartet eine sehr verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe. Etwas ungewohnt war es am Anfang schon, im Gemeinderat vorne in der Mitte zu sitzen. Als Kämmerer von Horgenzell saß ich ja immer einen Platz daneben. Vor allem freue ich mich aber über die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und die tolle Teamarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus. Dies bildet sicher die Basis für eine erfolgreiche Arbeit in der Gemeinde.

Sie haben sich vor einem Jahr mit 65,1 Prozent der Stimmen gegen Reinhard Friedel (34,8 Prozent) durchgesetzt. Mussten Sie in der Folge erstmal Gräben zuschütten?

Überhaupt nicht. Ich habe mit Reinhard Friedel ein gutes Verhältnis. Durch seine rege Vereinstätigkeit treffe ich ihn hin und wieder, ich freue mich über jede Begegnung. Auch von den Bürgern wurde ich offen und unvoreingenommen empfangen.

Das dringendste Problem in Ihrer Gemeinde ist der Ausbau der Schule. Auch nach einem Jahr als Bürgermeister haben Sie noch keine Lösung gefunden ...

Für mich persönlich hatte zunächst das Gemeindeentwicklungskonzept 2035 erste Priorität, hier wollen wir mit den Bürgern die Weichen für die Zukunft stellen. Die Entwicklung der Schule wurde aber keinesfalls hinten angestellt.Bei der Entscheidungsfindung steht eine sorgfältige Grundlagenermittlung an erster Stelle, die Neubesetzung der Rektorenstelle hat hier sicher auch etwas Zeit gekostet. Im Fokus stand in meinem ersten Jahr aber auch das Haus am Teuringer, mit 14,2 Millionen Euro Baukosten das größte Projekt in der Geschichte der Gemeinde, das ich von meinem Vorgänger Karl-Heinz Beck geerbt habe. Hier gab es noch viele Aufgaben zu bewältigen, auch die Schlussabrechnung ist noch nicht ganz durch.

Wie geht es mit der Schule weiter?

Wie bereits erwähnt, war es uns wichtig, die neue Rektorin Julie Adam in die Planungen mit einzubeziehen. Die Aufgabe besteht darin, ein Raumprogamm zu erstellen, welches den konzeptionellen Vorstellungen der Schule entspricht. Neben dem Raumprogramm ist auch die Entwicklung der Schülerzahlen wichtig. Auch hier wurde auf Basis der heutigen Zahlen die Hochrechnung der Schülerzahlen neu ermittelt. Hinzu kommt noch die Aktualisierung der Kostenschätzung, die aufgrund des Raumprogramms derzeit neu berechnet wird. Beispielhaft soll auch überprüft werden, inwieweit ein neuer Schulstandort finanziell und städtebaulich möglich wäre. Dies sind alles Punkte, die im Gutachten der Firma Reschl betrachtet werden. Das Ergebnis des Gutachtens soll dann die Basis für die Diskussion im Gemeinderat und bei der Beteiligung der Bürgerschaft werden. Mein Ziel ist es, dass wir spätestens im Januar im Rat einen Knopf an die Sache bringen.

Wann könnte die neue Schule stehen?

Bei jeder Lösung braucht es eine gewisse Planungs- und Vorbereitungszeit. Bei der Bauzeit gehen die Architekten von mindestens 15 Monaten aus, vielleicht dauert es auch länger. Ich rechne damit, dass die Baumaßnahmen unabhängig vom Standort frühestens im Jahr 2022 abgeschlossen werden können.

Da die Teuringer-Tal-Schule aus allen Nähten platzt, brauchen Sie unabhängig vom Ausbau bald Container...

Wenn wir in unsere Kindergärten schauen und sehen, wie viele Kinder in den nächsten drei bis vier Jahren in die Schule kommen, müssen wir an der Schule dringend Platz schaffen. Diesen vorübergehenden Anstieg können wir nur über zusätzliche Schulräume in Form von Containern abdecken. Die Architekten wurden bereits beauftragt, nach Lösungen zu suchen und die rechtzeitige Umsetzung zu planen.

Wie kommen Sie mit dem Gemeindeentwicklungskonzept voran, es soll ja die Grundlage der Arbeit bis 2035 sein ...

Der Zeitplan für die Erstellung des Konzepts konnte bisher eingehalten werden. Die Grundlagen wie Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung, Auswertung der Fragebögen und die Zusammenfassung der planerischen Unterlagen hat das Büro Reschl erarbeitet. Die Themen wurden dann mit dem Gemeinderat in einer Klausurtagung abgearbeitet. In gleicher Form wurde dies im Rahmen eines Bürgerdialogs mit den interessierten Menschen in unserer Gemeinde durchgeführt. Die Bürger haben diese Möglichkeit zahlreich genutzt, wir haben viel positives Feedback bekommen. Alle Ergebnisse werden jetzt zusammengestellt, die finanziellen Auswirkungen betrachtet und dann abschließend im Gemeinderat behandelt. Spätestens im Frühjahr soll das Papier im Rat verabschiedet werden.

Wann sollen in Oberteuringen wieder Bauplätze erschlossen werden?

Wir sind dabei, drei kleinere Baugebiete in den Ortschaften zu entwickeln. Es gibt dabei aber noch einige Dinge, die geklärt werden müssen. Es bleibt dabei, wir werden vorerst kein großes Baugebiet angehen, mittelfristig ist ein kompletter Stillstand jedoch nicht zielführend und widerspricht einer gesunden Gemeindeentwicklung. Auch für die gewerbliche Entwicklung wollen wir weitere Flächen schaffen.

Für ein neues Baugebiet müssten Sie erst einmal die Kläranlage erweitern...

Wir haben zwar gute Ablaufwerte, aber wir sind bezüglich der Größe der Anlage an der Grenze. Wenn wir uns also weiterentwickeln wollen, muss an der Kläranlage etwas passieren. Der Ball liegt aber nach wie vor beim Landratsamt, da die Frage der Einleitung von einem Großbetrieb nicht geklärt ist. Erst dann können wir die Anlage in der richtigen Dimension planen.

Wie läuft der Betrieb im neuen Vorzeige-Objekt, dem Haus am Teuringer?

Wir hatten eine sehr gelungene Eröffnung und einen tollen Start. Die Bürgerschaft steht hinter dem Projekt. Der dreigruppige Kindergarten ist voll belegt, der Familientreff ist eingezogen, die Förderstätte hat ihren Betrieb aufgenommen, das Café ist eröffnet und der Betrieb in der Mediathek ist angelaufen. Gerade die ehrenamtlichen Helfer in der Mediathek machen hier einen super Job und werden von interessierten Lesern fast überrannt. Auch mit dem Café sind wir sehr zufrieden, die Resonanz wird von Tag zu Tag besser. Ich habe das Gefühl, dass in das Haus immer mehr Leben reinkommt. In den Gemeinschaftsräumen werden wir voraussichtlich bald das Angebot erweitern und noch weitere Veranstaltungen anbieten.

Das gemeindeeigene Gasthaus Post liegt den Teuringern besonders am Herzen, wie läuft die Suche nach einem Pächter?

Die erste Bewerberrunde hat ja kein Ergebnis gebracht, das war natürlich enttäuschend. Umso überraschter war ich, dass sich nach der zweiten Ausschreibung nochmal sehr gute Bewerber gemeldet haben. Sie stellen sich jetzt im Gemeinderat vor und ich bin optimistisch, dass wir einen geeigneten Pächter finden.

Bei dem trockenen Wetter in diesem Jahr konnte sich Oberteuringen nicht mehr selbst mit Wasser versorgen. Sehen Sie da ein langfristiges Problem?

Das war auf jeden Fall ein Alarmzeichen, wir müssen uns im „Zweckverband Gehrenberg Wasserversorgung“ Gedanken machen, wie es weitergeht. Die Frage ist, was wir aus unseren Wasserrechten noch rausholen können. In normalen Jahren reicht unser Kontingent ja aus, aber wir sind jetzt klar an die Grenzen gekommen. Vielleicht können wir in Kooperation mit anderen Wasserversorgern Wasserrechte dazukaufen. Auch die Suche nach weiteren eigenen Quellen stellt hier eine Option dar. Für eine geologische Untersuchung und die Fassung einer Quelle müsste man jedoch viel Geld in die Hand nehmen und bei der Ausweisung von Schutzgebieten macht man sich nicht überall Freunde.

Wie sind Sie mit der Einnahmeseite der Gemeinde zufrieden?

Die finanzielle Ausstattung sieht gut aus, zumal sich auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer positiv entwickeln. Wir sind gut aufgestellt und können 2017 und auch 2018 mit Überschüssen rechnen. Allein für den anstehenden Schulbau werden diese Mittel dringend benötigt. Wir hoffen natürlich, dass die Konjunktur weiterhin gut läuft und die Einnahmen stabil bleiben.

Werden Sie im nächsten Jahr für den Kreistag kandidieren?

Ja, ich werde auf der Oberteuringer Liste für den Kreistag kandidieren. Das ist für mich ein wichtiges Thema, da aus meiner Sicht Oberteuringen im Kreistag dringend vertreten sein sollte. Für mich als gebürtiger Tettnanger sind aber auch die kreisweiten Themen reizvoll und ich würde mich dieser Herausforderung im Kreisrat gerne stellen.

Was nehmen Sie sich für Ihr zweites Amtsjahr vor?

Der Ausbau oder Neubau der Teuringer-Tal-Schule steht jetzt ganz klar im Fokus. Spätestens bis Januar wollen wir wie gesagt die Richtung festlegen. Und dann geht die Arbeit ja erst richtig los. Die Fertigstellung des Gemeindeentwicklungskonzepts 2035 ist fest eingeplant. Auch die Themen Breitbandausbau, Radwegebau und ÖPNV werden uns in den nächsten Jahren begleiten. Nicht vergessen dürfen wir die Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit unter Einbeziehung der vielen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger.

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