Salonorchester lässt den Funken überspringen

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Das Salonorchester Cappuccino serviert einen unbeschwerten Abend im Mühlesaal in Oberteuringen.
Das Salonorchester Cappuccino serviert einen unbeschwerten Abend im Mühlesaal in Oberteuringen. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Hatte es am Mittwoch mit den Anmeldungen zum Salonorchester Cappuccino noch gar nicht gut ausgesehen, ist der Mühlesaal am Samstagabend so brechend voll geworden, dass man sich nur wundern konnte. Und das obwohl beispielsweise im nahen Friedrichshafen das Gershwin-Musical „Ein Amerikaner in Paris“ über die Bühne ging.

Mit „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ aus dem Musical „Cabaret“ gelang dem 2001 gegründeten Salonorchester mit Lehrkräften der Musikschule Meckenbeuren ein überzeugender Auftakt. Beschwingte Musik aus den 20er- bis 40er-Jahren war angesagt und ist angekommen, dazu einzelne Ausflüge in die 50er-Jahre. Viele Zuhörer kannten die beliebten Melodien. Musikschulleiter Jörg Scheide wusste nicht nur meisterhaft die Posaune zu spielen, sondern führte mit amüsanter Moderation durch den Abend. Viel Wissenswertes, verziert durch Anekdoten, beispielsweise über Fred Raymond, der seinen Lebensabend in der Kurstadt Überlingen verbrachte, brachte die Besucher zum Schmunzeln.

In jeweils passendem Outfit, mal mit weißem Schal, mal mit großer Sonnenblume im Knopfloch, sang Lüder Schubert mit rollendem R von Frollein Helen, das er durch glücklichen Zufall hat baden sehen. Ein Hauch von Verruchtheit der Goldenen 20er Jahre zog durch den Raum, immer wieder dezent ein bisschen Anzüglichkeit, einfach zum unbeschwerten Genießen. Man kennt Lieder wie Theo Mackebens „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ oder Christels Lied „Das gibt’s nur einmal“ aus dem seinerzeit so berühmten Musikfilm „Der Kongress tanzt“. Jörg Scheide lieferte die Einbettung, erzählte von der Handschuhmacherin Christel Weinzinger, die ein Blumenbukett mit ihrer Visitenkarte in die offene Kutsche des russischen Zaren wirft und ihn versehentlich am Kopf trifft, was eine amouröse Geschichte zur Folge hat.

Ein Tango mit dem Titel „Tempo, Tempo“ brachte Pepp in den Saal, Lehars Walzer „Gold und Silber“ ließ besonders die Damenwelt vom Tanzen träumen – wenn nur nicht die meisten Männer dafür so schwer zu gewinnen wären. Zündend kam der „orientalische Foxtrott“ aus dem Einakter „Salome“ von Robert Stolz herüber und noch ein zweites Mal als Zugabe. Vergnüglich zogen die Hits von anno dazumal vorüber, ob „Weißer Flieder“ oder „Bel Ami“ oder eine Nummer aus dem verruchten „Blauen Engel“. Max Raabes „Kein Schwein ruft mich an“ ließ von einer Zeit träumen, als die ständige Aufmerksamkeit erheischenden Handys noch nicht allgegenwärtig waren. Damals wie heute vonnöten ist „ein Freund, ein guter Freund“, von dem die „Comedian Harmonists“ sangen. Die Musiklehrer aus Meckenbeuren haben deutlich gezeigt, dass das eigene Musizieren eine Begeisterung schaffen kann, die überspringt und zündet.

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