Rock’n’Roll – gemacht im Süden

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„Long Tall Sally“ oder „Blue Suede Shoes“ lautet die Zugaben-Frage ans Publikum. Southmade zeigen sich großzügig. Sie geben alle
„Long Tall Sally“ oder „Blue Suede Shoes“ lautet die Zugaben-Frage ans Publikum. Southmade zeigen sich großzügig. Sie geben alles und spielen beides (von links): Gerry P., Jon Burrows, Kai C. P., Ralf Benzkirch und Klaus Raidt. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

Wenn Southmade auftreten, bebt die Bude. Die Mitglieder der fünfköpfigen Band aus dem Süden sind in Vorarlberg, Ravensburg, Baindt und Markdorf beheimatet, ihre Musik stammt aber aus den Weiten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Was die Alemannen daraus machen, ist laut, fetzig und mitreißend: Rock ’n’ Roll in bester Spielart, womit sie das Publikum im Oberteuringer Kulturhaus Mühle nicht zum ersten Mal in Schwung gebracht haben.

Jon Burrows nennt sich der Sänger, kein Schelmenstreich, aber eine Anspielung auf den King Elvis Presley, der dieses Pseudonym ebenfalls verwendet haben soll, und selbstverständlich nuschelt er zwischen den Songs allerhöchstens ein „‘nk you very much, cheers everybody“, denn seine Heimat ist Memphis, vielleicht auch Baindt. Gitarrist „Gerry P.“– Gerhard Pilz und Drummer „Kai. C. P.“– Kai Pilz sowie Keyboarder Klaus Raidt kommen aus dem österreichischen Hohenweiler bei Hörbranz, wo auch das Probenstudio von Southmade lokalisiert ist. Seit zehn Jahren gehören die vier zu Southmade, vor einem Jahr kam der Kontrabassist Ralf Benzkirch aus Markdorf dazu.

Der Schmerz trieft kehlig

Für alle ist die Band Ausgleich zum Alltag, Abwechslung vom Brotberuf. Ihr perfekter Sound und ihr präzises, konzentriertes Spiel klingen nach viel mehr als nach Hobbymusik, und ihre Liveauftritte führen sie in die Schweiz, den deutschen Süden, nach Liechtenstein und natürlich in den gesamten österreichischen Raum, bis nach Wien zur Aufzeichnung einer Quiz-Show mit Peter Rapp. Im Repertoire findet sich alles vom Hillbilly-Song „I Don't Care If The Sun Don't Shine“ über Rockabilly-Hits wie „Matchbox“ von Carl Perkins und Blues-Balladen zum Dahinschmelzen. Bei „Pledging My Love“ trieft der Schmerz kehlig aus der Stimme des Sängers, zum Stein-erweichen seine Liebeserklärung auf ewige Zeiten – wer wollte nicht dahinschmelzen – „I’ll Forever Love You For The Rest Of My Days.“

Jon Burrows interpretiert wie Elvis, aber er imitiert ihn nicht. Und doch hört er sich ganz so an. Unterstrichen wird dieser Eindruck von den Bandkollegen an ihren Instrumenten, die temporeich den Rhythmus und Stil vorgeben und sich genau an die berühmten Versionen ihrer großen Vorbilder zu halten scheinen. Noch stärker als an Elvis kommt der Sänger in Stimme und Feeling an Johnny Cash. „Folsom Prison“, der berühmte Knast-Song, führt in Tiefen, die unter die Haut gehen, die Country-Hymne „Ring Of Fire“ macht nicht nur dem Sänger Beine. Hinten im Publikum wird den ganzen Abend fröhlich mitgetanzt und vorne an der Bühne wagt sich ein Pärchen mit gekonnten Tanzeinlagen vor die Augen der Menge. Gelegentlich kommen ganze Rock’n’Roll-Clubs zu den Auftritten von Southmade, vor allem in der Schweiz gehört dies zu den gängigen Erfahrungen der Liveband.

„Man kann uns auch für Hochzeiten mieten“, erzählt der Keyboarder in der Pause, „aber am liebsten spielen wir auf Konzerten.“ Neben den Stars, deren Songs die Band im Laufe des Abends zum Besten gibt, zeigt sich Gerry P. als wahrer Virtuose seiner Rockgitarre. Rasend schnelle Läufe, harte Picks und Klangvarianten, teils in akrobatischer Hinter-dem-Kopf-Manier. Die tolle Stimme von Burrows und die hochklassigen Musiker zeigen ihr Können bei jedem Stück, darin liegt ihre Stärke und Intention. Potenzial nach oben hätten sie im Kontakt zum Publikum. Erst nach der Pause spricht der Drummer zwischen den Stücken mit den Leuten. Ansonsten nimmt lediglich der Sänger Augenkontakt auf, alle anderen widmen sich ausschließlich der Musik – aber das dafür umso mitreißender. Und je näher es an die Zugaben geht, umso beweglicher werden nicht nur die Beine von Burrows. Zum Schluss gibt er alles – wie einst Elvis the Pelvis.

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