Regine Kinzinger-Brendle stellt Holzskulpturen in der Mühle aus

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Regine Kinzinger-Brendles „Herz vom alten Birnbaum“ in der Mühle Oberteuringen.
Regine Kinzinger-Brendles „Herz vom alten Birnbaum“ in der Mühle Oberteuringen. (Foto: Helmut Voith)
chv und Helmut Voith

Die Ausstellung in der Mühle Oberteuringen wird am Sonntag, 20. Oktober, um 14 Uhr eröffnet und ist bis 17. November jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr und zu Kulturveranstaltungen zu sehen.

Welche Kunst passt eigentlich besser in die Galerie Mühle in Oberteuringen als solche, die aus Holz gemacht ist? Die mächtigen, rissigen, alten Balken an der Decke treten in einen lebendigen Dialog mit den ganz unterschiedlichen Holzskulpturen, die Regine Kinzinger-Brendle jüngst in die Mühle gebracht hat. Unter dem schlichten Titel „Werkschau“ wird die Ausstellung am Sonntag, 20. Oktober, eröffnet.

Für Freunde hat die Holzbildhauerin aus Ostrach-Burghausen vor zwei Jahren zu Hause eine kleine Ausstellung gemacht und wurde ermutigt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Irmgard Dollansky vom Mühle-Team war dabei und hat sie gleich gebeten, in Oberteuringen auszustellen – es ist somit die erste offizielle Ausstellung der Künstlerin.

Seit Langem liebt Regine Kinzinger-Brendle Holz: „Es ist ein natürlicher, wunderbar sinnlicher Werkstoff, anregend mit seiner Lebendigkeit.“ Diesem Leben, das das Holz entwickelt, spürt sie nach. Ein Bildhauerkurs, den sie vor siebzehn Jahren begonnen hat, habe gleich etwas in ihr angerührt: „Ich finde in dieser Arbeit Erdung, Erfüllung.“ Holz sei ein Werkstoff von eigener Haptik, meint sie. Es gebe Objekte, die man mit vorsichtigem Darüberstreichen erfasse und bei denen man, wenn man mit den Augen darüber wandert, den Geruch des Materials wahrnehme: „Zirbelholz duftet herrlich beim Bearbeiten“, schildert die Künstlerin. Dominant, aber keineswegs die anderen Arbeiten erdrückend, ist ihr „Herz vom alten Birnbaum“ in der Raummitte, ein mächtiger Stamm, aus dem drei Stämme herausgewachsen sind. Ein schweres Stück, auch wenn der Kern fehlt, der bereits ganz mürbe war, weshalb der Baum gefällt werden musste.

Auf dem Weg zur Arbeit sei sie immer wieder daran vorbeigefahren und habe sich jedes Mal gefreut, wenn der mächtige Stock noch nicht zu Brennholz verarbeitet war. Als er ihr gehörte, hat sie sorgfältig die verfaulten Teile entfernt und die Oberfläche so bearbeitet, dass sie seidenweich ist. Kleine Unebenheiten, Reste von Wurzelwerk ließ sie bestehen: „Ich versuche dem Holz seine Natürlichkeit zu lassen, es nicht zu verfremden.“ In ständigem Dialog mit dem gewachsenen Holz entwickelte sich ihre Idee, das spürt auch der Betrachter. Bei manchen Objekten sucht Regine Kinzinger-Brendle nur das Besondere herauszuholen, bei anderen entdeckt sie etwa eine Kopfform und arbeitet aus dem restlichen Fundstück einen Engelskörper. Sie lässt sich nicht auf figürliche oder abstrakte Kunst festlegen.

Einige sehr schlanke Skulpturen wecken Assoziationen an den Schweizer Giacometti. Wenn ihr das Holz zu fleckig erscheint, die Flecken zu sehr von der Aussage ablenken, lasiert sie es mit Kalk, einem ebenfalls natürlichen Material. Die Künstlerin geht verschiedene Wege – wohin sie führen, ist offen. Fest steht, dass ihr die Arbeit mit Holz sehr viel Freude macht. Irmi Dollansky hat sie aufgespürt, jetzt sind andere daran, sie zu entdecken. Sie hatte davor zurückgescheut, das Persönliche, das in Objekten wie „Vertrauen“ oder „Empfangen“ steckt,, preiszugeben. Sie wünscht sich Menschen, die sich davon berühren lassen.

Die Ausstellung in der Mühle Oberteuringen wird am Sonntag, 20. Oktober, um 14 Uhr eröffnet und ist bis 17. November jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr und zu Kulturveranstaltungen zu sehen.

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