Pfaffenbergbähnle und kreatives Wohnen

Lesedauer: 6 Min
Intensiv und kreativ diskutierten die interessierten Menschen im Haus am Teuringer über Zukunftswünsche für sich und ihre Gemein
Intensiv und kreativ diskutierten die interessierten Menschen im Haus am Teuringer über Zukunftswünsche für sich und ihre Gemeinde anhand von ausgewählten Themen. (Foto: GSB)
Gudrun Schäfer-Burmeister

„Demokratie stärken in Oberteuringen“ heißt eine Initiative aus der Bürgerschaft, die den sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde stärken möchte. 13 Menschen sind in dieser Form aktiv, unter ihnen auch der evangelische Ortspfarrer Rainer Baumann. Am Samstag luden sie zur Auftaktveranstaltung ins Haus am Teuringer, wo sie rund 50 Interessierte willkommen hießen.

Viele der Gäste kandidieren aktuell für den neuen Gemeinderat, denn auch sie waren angesprochen, sich mit den Wünschen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen sowie sich und ihre Vorstellungen in Gesprächen auszutauschen. Fünf Themen-Tische standen zur Auswahl: Wohnen, gutes Leben im Alter, Mobilität und Familien in Oberteuringen sowie offene Themen waren die einzelnen Vorgaben, die an den Tischen die Gesprächsgrundlagen bildeten. Ein Mitglied der Veranstalterinitiative moderierte jeweils einen Tisch und zwei Gesprächsrunden. Einerseits ging es um Erfahrungen, andererseits um Lösungsvorschläge, die hier nach der „World-Café“-Methode gesammelt und notiert wurden. In dieser Form können sich große Gruppen in kleinen Kreisen unterhalten, indem nach einer vorgegebenen Zeit wieder an einem anderen Thementisch Platz genommen wird. Ungezwungen entwickelten sich interessante Unterhaltungen, Perspektivwechsel und gegenseitiges Kennenlernen. Kaffee, Kuchen, herzhafte Häppchen und Getränke sowie kompetente Kinderbetreuung trugen ihren Teil zur Wohlfühl-Atmosphäre bei.

Abschließend wurden die Ergebnisse der einzelnen Tische an Stellwänden präsentiert. Zum guten Leben im Alter in Oberteuringen zählt der Wunsch nach Mehrgenerationenwohnen, Bildungsangeboten wie einer Seniorenakademie und Verbesserung der Barrierefreiheit. Gelobt wurde die hohe Lebensqualität. Beispielsweise fiel der Satz: „Es gibt so viele Sitzgelegenheiten, wie sonst nirgends.“ Angeregt wurde auch der Tausch von Wohnungen und das Zusammenleben bei gegenseitiger Hilfe. Bei den offenen Themen stand der Wunsch nach transparenten Strukturen sowie die Erreichbarkeit von Jugendlichen, Alleinerziehenden und bislang desinteressierten Mitmenschen im Fokus. Vorgeschlagen wurden zielgruppenorientierte Rathaus-Führungen, ausführlichere Berichterstattungen über Standpunkte der Gemeinderäte, die Schaffung von Treffpunkten. Kritisiert wurden die Kosten für Breitbandanschlüsse. Gewünscht wurde, die künftige Nutzung des bisherigen Schulgeländes frühzeitig in den Blick zu nehmen. Hinsichtlich der Mobilität wurden hohe Randsteine, ein mangelhaftes Radwegenetz und fehlende öffentliche Verkehrsanbindungen beklagt. Sehr kreativ waren die Lösungsansätze: Neben Car-Sharing, Ruftaxis und Bürgerbussen wurde die Einrichtung einer Mitfahrbörse angeregt, die mittels einer App genutzt werden kann. Ein „Pfaffenbergbähnle“ könnte einmal wöchentlich für Einkaufsfahrten genutzt werden. Klar ist, dass alle Maßnahmen Geld kosten, die in Form von Vorleistungen von der Gemeinde erbracht werden sollen.

Beim Thema „Familien“ wurde die gute Versorgung genannt, solange die Kinder klein sind. Ab dem Übertritt in weiterführende Schulen rücken die Mobilitätsprobleme und die der Verkehrssicherheit in den Vordergrund. Die Spielplätze im Ort wurden gelobt, in den Ortsteilen seien sie Mangelware.

Auch die Möglichkeit, öffentliche Räume zu nutzen, wie beispielsweise die Turnhalle und eine zentrale Anlaufstelle für Fragen sowie eine Bürgerfragestunde wurden angeregt. Mehrgenerationenwohnen und das Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum in ausreichender Größe reichten in den Themenkreis „Wohnen“ hinein.

Denn auch in Oberteuringen sei der Boden mittlerweile „golden“, also im Preis stark gestiegen. In Oberteuringen zu wohnen, sei schön, aber eine neue Wohnung zu finden gleichermaßen schwierig, und viele Wohnungen würden gar nicht offen angeboten. Nachverdichtung und kreative Lösungen seien gefragt, wie beispielsweise Finanzierungshilfen beim Umbau oder das Zusammenwohnen bei gegenseitiger Hilfe, ältere Alleinstehende mit zu großen Wohnungen könnten Platz für Familien bieten. Auch hier könnte die Gemeinde eine Anlaufstelle „Wohnraum“ schaffen, mit konkreten Angeboten bei Wohnraumnot.

Moderatorin Renate Hold kündigte an, in einem halben Jahr eine weitere Veranstaltung anzubieten.

Bezüglich der Gesprächsergebnisse riet sie den anwesenden Alt-Gemeinderäten: „Wenn Sie das schon seit 20 Jahren hören, dann müssen Sie sich fragen, warum? Dann muss sich jetzt was ändern.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen