Bei der Gesamtprobe fanden sich Tanzende und Unterstützerinnen des Projekts „trail & error“ für ein gemeinsames Foto zusammen.
Bei der Gesamtprobe fanden sich Tanzende und Unterstützerinnen des Projekts „trail & error“ für ein gemeinsames Foto zusammen. Ganz links Initiatorin und Tanzpädagogin Daniela Endres, neben ihr Inklusionsbeauftragte Annika Taube sowie Irmgard Dollansky vom Kulturverein Oberteuringen. Auf der rechten Seite, rechts hinten Julie Adam, Rektorin der Teuringer-Tal-Schule, links neben ihr Jonas Ohlsson, in Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher des gemeindeintegrierten Wohnens. Nicht auf dem Foto ist Suze Keeves, stellvertretende technische Leiterin und Bühnenmeisterin im Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen, die Technik und Knowhow in ihrer Freizeit beisteuert. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

Seit Anfang des Jahres nimmt ein – für alle Oberteuringer – offenes Tanzprojekt Form an. Fünfzig Kinder, Erwachsene, mit und ohne Behinderungen und mit und ohne Fluchthintergrund setzen eine Idee der Tanzpädagogin Daniela Endres um. Aktuell bereiten sie sich auf zwei öffentliche Aufführungen am 26. und 27. Oktober, jeweils um 18 Uhr im Saal des Restaurants „Die Post“ vor.

Seit einigen Jahren unternimmt die Gemeinde vieles, um inklusiv, also barrierefrei in vielerlei Hinsicht zu werden und die Eröffnung des Mammutprojekts „Haus am Teuringer“ vor einem Jahr ist ein Meilenstein darin. Daniela Endres ist erfahrene Tanzpädagogin und hat in verschiedenen Teams bereits große Projekte auf Bühnen gebracht. Seit vier Jahren lebt sie mit ihrer Familie in der Rotachgemeinde. Ihre Arbeit als Schulsozialarbeiterin am Karl-Maybach-Gymnasium Friedrichshafen und die Familienarbeit mit ihren fünf- und zweijährigen Kindern ließen ihr erst allmählich wieder Zeit, an die Umsetzung einer eigenen großen Idee zu denken.

„Ich wollte gerne wieder Vollgas in einem Tanzprojekt geben.“ Die Eröffnungsfeier des „Haus am Teuringer“ begeisterte sie: „Das ist so cool, so ein Zentrum, so ein Event!“ Im Herbst fragte sie dort an, ob es eventuell Räume für ein Tanzprojekt mit Erwachsenen gäbe. Gleichzeitig wurde Julie Adam Rektorin an der örtlichen Ganztagesgrundschule, die seitdem auch eine Inklusionsklasse, also eine Klasse für Kinder mit Behinderungen hat. Adam und Endres kennen sich von gemeinsamen Musicalprojekten und Adam fragte: „Hast Du Lust, was an der Grundschule zu machen?“

Kosten von 6500 Euro

Mit der Anfrage nach Räumen traf Endres auf Annika Taube, Inklusionsbeauftragte im Büro für Gemeinwesenarbeit im „Haus am Teuringer“ der Gemeinde. „Annika war sofort Feuer und Flamme für das Projekt und schlug vor, auch Menschen mit Beeinträchtigung einzubeziehen.“ So kam es, dass auch Behinderte, die im gemeindeintegrierten Wohnen der Stiftung Liebenau am Ort leben und im dortigen Bildungs-, Begegnungs- und Förderzentrum betreut werden, teilhaben. Durch Renate Hold vom Helferkreis Flucht und Asyl wurden geflüchtete Menschen mit ins Boot geholt.

Alle machen ehrenamtlich mit, und doch entstehen Kosten in geschätzter Höhe von 6500 Euro. Bedingung für eine Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ war die Trägerschaft durch einen Verein: kein Problem in Oberteuringen, denn der Kulturverein war sofort bereit dazu. 3000 Euro stellt der Bund für das Tanzprojekt zu Verfügung, zugesprochen vom Amt für Migration und Integration (AMI) des Landratsamts Bodensee. Jeweils 500 Euro sagten Sparkasse und Raiffeisenbank zu und für einen Teil des Restbetrags will die Bürgerstiftung aufkommen, aber es werden auf jeden Fall noch weitere Spender benötigt.

„trial & error“ heißt das Stück, das Endres geschrieben hat und zur bezaubernden Musik von Yann Tiersen aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ in 19 Tanzszenen choreografiert. Seit Jahresbeginn wird in den einzelnen Gruppen einmal wöchentlich geprobt, am vergangenen Samstag war ein Einblick in eine Gesamtprobe möglich. „Begegnungen ganz verschiedener Menschen, bei denen es auch Ablehnung gibt, bei denen Erwachsene ihren Fahrplan haben und gegen die Wand fahren, Kinder dies aufbrechen und es schließlich schaffen“, beschreibt Endres den Inhalt. Die Umsetzung ist schon in den wenigen beobachteten Minuten beindruckend, die Körperarbeit, Konzentration und das Miteinander der Tanzenden zeigen: Inklusion ist kein mühevoller, sperriger Begriff, sondern zwischenmenschliche Begegnung, die Freude schafft und Hemmungen abbaut.

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