Keltischer Frühling kommt in der Mühle super an

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Rockende Kelten fetzen im Oberteuringer Kulturhaus Mühle mit fröhlicher, stolze , dramatischer, gefühlvoller, hymnischer, pathet
Rockende Kelten fetzen im Oberteuringer Kulturhaus Mühle mit fröhlicher, stolze , dramatischer, gefühlvoller, hymnischer, pathetischer, temporeicher Musik
Gudrun Schäfer-Burmeister

„Cúl na Mara“ nennt sich die Band aus Aulendorf, die den irischen Frühling am Freitagabend nach Oberteuringen gebracht hat. Wobei das nur zum Teil stimmt, denn Celtic Folk-Rock ist mehr als irisch und mehr als Volksmusik und mehr als Rock.

Keltische Volksgruppen bevölkerten bis vor rund 2000 Jahren Mitteleuropa, heutzutage assoziieren die Menschen ihr Erbe hauptsächlich mit der Bretagne und den Britischen Inseln. Dass die Geschichte dieser Musik weit ins Festland hineinreicht, lassen „Cúl na Mara“ ihr Publikum in der „Mühle Oberteuringen“ gleich zu Beginn ihres Konzerts hören und wissen. Ein Song, der von der Türkei über Mazedonien und England nach Irland führt, erzählt von den Kelten als den ersten Europäern.

Die Band der vier südschwäbischen Kelten, bestehend aus Sylvia Häufle, Gesang und Schlagzeug, Sonja Bumiller, Gesang, Bass und Akkordeon, Eckard Lehmann, Gesang, Highland-Pipes, Uilleann Pipes, Whistles und Bass sowie Martin J. Waibel, Gesang, Gitarre, Bouzouki und Mandoline, bildete sich 2011 aus einer Punk-Formation. Das dürfte die Schlagkraft der Songs erklären, mit denen sie die traditionellen, fröhlichen, melancholischen Volksweisen aus Gitarren, Flöten und Dudelsäcken zu gewaltigen, mitreißenden, Rockmusikstücken anreichern. Die E-Gitarre weint, hallt, fetzt, die Drums leiten Rhythmus und Tempo in die Ohren und treiben gemeinsam mit dem Bass die Beats in den Bauch. Die meisten Folk-Rocker von „Cúl na Mara“ tragen Röcke, wobei der Blickfang eindeutig dem schwungvollen Beinkleid des Pipers gilt. Optisch und musikalisch verkörpert er den schottischen Highlander par excellence. Er wechselt zwischen Highland- und Uilleann-Pipes, also vom schottischen, mundgeblasenen zum irischen, mit dem Ellenbogen betätigten Dudelsack, der etwas weicher klingt, als die bekannteren schrillen Bagpipes. Außer diesen großen, auch optisch beeindruckenden Luftinstrumenten nutzt er eine Auswahl von Flöten, die vor ihm in einer Phalanx aufgereiht sind, sodass er im schnellen Wechsel eine neue Klangfarbe erklingen lassen kann.

Die Band spielt eigene Stücke und solche, in denen die Musiker traditionelle Weisen im eigenen Stil bearbeitet haben. Das zeigt sich auch in den Texten. Die meisten Songs beginnen folkig sanft, um dann umzuschlagen in rockigen Galopp. „Carrowkeel“, mit dem sie 2014 den ersten Platz als bester Folk-Rock-Song beim Deutschen Rock-Pop-Preis in Siegen belegten, besingt die heutige Wirkung vorzeitlicher Mystik. „Gold in Your Hands“ prangert die Kinderarbeit in den Minen an. Liebeslieder mit Abgründen, Balladen über Vertreibung, Flucht und Walfang – jeweils im Spiegel der Zeit – gehören ebenso dazu wie die Stories von Frauen und Getränken, „Whiskey or women? The answer comes here: I take the whiskey, I’m sorry my dear.“

Im Sinne des Brecht-Zitats „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ interpretieren sie die „Haughs o' Cromdale“ neu, die ursprünglich in vier Strophen das grausame Abschlachten der Schotten durch die Engländer und in 20 Strophen das heroische Abschlachten der Engländer durch die Schotten besingen.

Herausragend werden dem begeisterten Publikum der „Mühle“ vermutlich die Songs in Erinnerung bleiben, in denen der blonde Gitarrist und der Hüne im Kilt gemeinsam von der Bühne springen und als schwerstarbeitende Folk-Hard-Rocker ihr Können auf die Spitze treiben. „Highway To Hell“ und „T.N.T.“ von AC/DC haben schottische Wurzeln – nach diesem Arrangement vergisst das keiner mehr.

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