Ihse bekommt Raum fürs nächste Jahrzehnt

Lesedauer: 5 Min

Ihse-Technik wird von vielen Fernsehsendern verwendet, wie hier im Regieraum von BT-Sport.
Ihse-Technik wird von vielen Fernsehsendern verwendet, wie hier im Regieraum von BT-Sport. (Foto: BT-Sport)

Das nennt man einen „Hidden Champion“: Kaum jemand kennt Ihse in Oberteuringen, dennoch ist die Firma Technologieführer in der sogenannten KVM-Technologie, die es ermöglicht Daten schnell und sicher zu übertragen. Die Produkte kommen etwa in Kontrollzentren von Flughäfen oder in großen Fernsehstudios zum Einsatz. Mit dem neuen Firmengebäude, das gerade in Oberteuringen-Neuhaus gut sichtbar an der B 33 gebaut wird, tritt das Unternehmen etwas aus dem Schatten. Am Dienstag wurde Richtfest gefeiert.

Immer wenn Computer nicht direkt am Arbeitsplatz, sondern etwa in einem Rechenzentrum im Keller eines Gebäudes stehen, müssen die Daten zu den Bildschirmen der Mitarbeiter kommen und zurück, um per Tastatur oder Mausklick verarbeitet zu werden. Hier kommen die sogenannten „Extender“ der Firma Ihse zum Einsatz. Die Daten werden vor dem Transport kodiert und am Ende wieder dekodiert. Dadurch brauchen sie laut dem Unternehmen weniger Bandbreite und kommen quasi ohne Zeitverlust – sogar aus zehn Kilometern Entfernung – sicher vom Rechner zum Arbeitsplatz und zurück. KVM-Lösungen nennt sich die Technik, das steht für Keyboard, Video und Maus. „Wir sind weltweiter Technologieführer“, sagt Stefan Ruppert von Ihse. Über einen sogenannten „Switch“, der zwischengeschaltet wird, können mehrere Anwender auf einen Computer zugreifen. Oder ein Mitarbeiter auf verschiedene Rechner. Angewendet wird die Technologie zum Beispiel in großen Fernsehstudios, wenn etwa im Regieraum große Datenmengen auf verschiedenen Bildschirmen dargestellt werden müssen. Ebenso in Krankenhäusern, in der Flugsicherung oder in der Filmbranche.

„Made in Germany“ ist wichtig

Sowohl Entwicklung als auch Herstellung finden in Oberteuringen statt, das Label „Made in Germany“ sei vor allem in Asien sehr wichtig, meint Ruppert. Ihse vertreibt seine Produkte mittlerweile weltweit, hat 20 Mitarbeiter in den USA und knapp zehn in Asien. „Maßgeschneiderte Lösungen“ biete IHSE seinen Kunden an. Die Firma gilt zwar als Hardwareentwickler, aber gerade die installierte Kodierungs-Software („Firmware“) ist von zentraler Bedeutung. Sie muss ständig von Programmierern weiterentwickelt werden.

Da das Geschäft ständig wächst – die Firma wurde 1984 in einer Garage bei Möggenweiler gegründet – wurde es im jetzigen Firmengebäude in der Oberteuringer Maybachstraße 11 für die derzeit knapp 80 Mitarbeiter zu eng. Das neue Betriebsgebäude in direkter Nachbarschaft ist für 120 Mitarbeiter ausgelegt, es umfasst knapp 4000 Quadratmeter Nutzfläche mit Kantine, Aufenthaltsräumen, Besprechungszimmern und Rückzugsbereichen für konzentriertes Arbeiten. Man könnte es über einen Anbau noch erweitern. Auf einer großzügigen Dachterrasse mit freiem Blick auf die Alpen können Firmenevents stattfinden. Die Fertigstellung des Gebäudes mit rund 90 Parkplätzen auf dem fast 13 000 Quadratmeter großen Grundstück wird für Ende September anvisiert, umgezogen wird dann Ende Oktober in den Herbstferien. Der Neubau kostet laut Ihse sechs Millionen Euro.

„Hier seid ihr ohne Not und Sorgen bei Wind und Wetter wohl geborgen“, rief Polier Werner Hack von der Baufirma Hebel den Ihse-Mitarbeitern am Dienstag vom Dach beim traditionellen Richtspruch zu. „Scherben bringen Glück und Segen den Firmen IHSE und Josef Hebel auf allen Wegen“ – und warf das geleerte Sektglas nach altem Brauch zu Boden.

Verlässliche Basis

„Das wird aber wieder aufgeräumt, bei uns ist es ordentlich“, sagte Ihse-Geschäftsführer Enno Littmann gleich danach mit einem Augenzwinkern. Littmann bedankte sich bei allen am Bau Beteiligten für die geleistete Arbeit: „Sie alle haben uns eine verlässliche Basis geschaffen, damit die Firma Ihse einen nächsten Schritt in Richtung Zukunft gehen kann.“

Ausreichend Raum für Innovation, Produktion und Administration habe man auf den 4000 Quadratmetern Nutzfläche im nächsten Jahrzehnt. „Wir können es kaum abwarten, im Herbst einzuziehen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen