Farbräume und Strukturen begegnen sich

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Christel Voith

Vernissage ist am Samstag, 19. Mai um 19 Uhr. Bis 24. Juni ist die Ausstellung jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Titel macht neugierig: „Blende trifft Leinwand“ – gemeint sind Fotografie und Malerei, die ab Samstag, 19. Mai in der Galerie in der Mühle ausgestellt sind. Dahinter stehen zwei Frauen, die sich, wie Gisela Zahn schmunzelnd erzählt, „seit ihrer Geburt“ in Heilbronn kennen. Ihre Mütter haben zur gleichen Zeit entbunden und die Kinder sind Freundinnen geworden.

Gisela Zahn, Heilerziehungspflegerin und Fachlehrerin für Bildende Kunst und Technik, seit 2015 in Markdorf lebend, und die Versicherungskauffrau Birgitt Wildt, die noch in Heilbronn lebt. Als Erwachsene haben sie erfahren, dass beide künstlerisch tätig sind: Gisela Zahn ist Fotografin aus Leidenschaft, Birgitt Wildt hat in den 90er Jahren zur Malerei gefunden. Das reizte zur gemeinsamen Ausstellung, in der sich Motive, Farben und Strukturen wunderbar ergänzen.

Was ist Foto, was Malerei?

Das Verblüffende ist, dass man zunächst gar nicht gleich erkennt, was denn nun fotografiert und was gemalt ist. Gisela Zahn mache zwar auch Landschaftsfotografie und Tierbilder, doch hier zeigt sie ausschließlich abstrakte Naturfotografie – helle, optimistische, farbenfrohe Bilder, die von der ungewöhnlichen Fokussierung auf Details, auf bewegte Strukturen leben. Man erkennt Wellen, Spiegelungen, es kann auch ein Stück Holz oder ein kleines Stück Grün auf einem Stein sein. „Ich wandere mit dem Fotoauge durch die Welt und finde überall Motive“, sagt sie dazu und ergänzt: „Was ich sehe, möchte ich für andere sichtbar machen.“ Die Bildgestaltung ist ihr wichtig, aber die Aufnahme selbst wird nicht verfremdet, allenfalls wird die Sättigung, das Hell/Dunkel etwas nachbearbeitet. Impressionen wie „Tanzendes Grün“, „Schwimmendes Gold“ oder „Sinfonie in Rot“ bewahren oftmals das Geheimnis ihrer Herkunft.

Die Anordnung der Bilder rückt die Gemeinsamkeiten in den Blick. So sind „Bildpaare“ entstanden, die einander in Farbe und Struktur entsprechen und doch ihr je eigenes Gesicht bewahren. Individuelle „Reise-Tagebücher“ nennt Birgitt Wildt ihre abstrakten Acrylmischtechniken, die zwar ihre Inspiration aus der Natur, aus Landschafts- und Reiseeindrücken, aus Licht- und Schattenspielen holen, aber doch von der Struktur und dem Farbraum leben und den Arbeitsprozess in vielfachen Schichtungen sichtbar machen. Birgitt Wildt geht von Acryl aus, wobei sie die Farben größtenteils selbst herstellt.

Unter Verwendung von Materialien wie Sand, Kreiden, Marmormehl oder Gips wird gepinselt, gespachtelt, geschliffen und gekratzt. Eine weitere Dimension kommt durch den teilweise glänzenden Überzug mit dem Gießharz Resin hinzu. Man möchte bei beiden ganz genau hinschauen und sollte doch eher etwas Abstand bewahren.

Vernissage ist am Samstag, 19. Mai um 19 Uhr. Bis 24. Juni ist die Ausstellung jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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