Erwin und Boris Schneider präsentieren ihre Kunst in der Mühle

Lesedauer: 4 Min
In der Mühle Oberteuringen begegnen sich die Treibholzobjekte und geometrische Strukturen von Erwin und Boris Schneider.
In der Mühle Oberteuringen begegnen sich die Treibholzobjekte und geometrische Strukturen von Erwin und Boris Schneider. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

„Gemeinsam ist uns der Bezug zur Natur, die Liebe zu Details und der Spielraum für Interpretation“ sagen Vater Erwin Schneider und sein Sohn Boris, die ab heute gemeinsam in der Galerie in der Mühle Oberteuringen ausstellen. Viel Gemeinsamkeit und doch völlig unterschiedliche Werke, die sich harmonisch ergänzen.

Da sind zum einen die Treibholzobjekte von Erwin Schneider. „ART der Natur“ nennt er sie und tatsächlich hat er das Auge dafür, Kunstwerke zu entdecken, die allein schon Natur und Erosion geschaffen haben. Anders als Peter Gebhard, dessen Ausstellung im Naturschutzzentrum Eriskirch am 8. April zu Ende geht und den er seit langem kennt – „wir haben zusammen gelernt“, sagt der Modellbauer in Rente –, bearbeitet er nicht große Wurzelstöcke, sondern sucht eher nach kleinen Schwemmholzteilen, in denen er Formen und Figuren erkennt.

Stolz ist er auf ein hochaufgerecktes Vogelpaar, das zu schnäbeln scheint – alles aus einem einzigen Stück Holz – oder auf ausgeprägte Charakterköpfe, denen er humorvoll noch eine schicke Frisur oder ein Halsband hinzufügt, auch diese wieder aus Treibgut, das der See ans Ufer trägt. Auch sein geflügelter Schlittschuhläufer steht auf metallenem „Schlittschuh“. Mahnend zeigt eine „Regenbogenforelle“, wie viel verschiedenfarbige Plastikteile in diesem Müll zu finden sind.

Farben findet man auch bei den Objekten von Boris Schneider. Der selbständige Diplom-Produktgestalter und „3-D-Designer“ verbindet in seiner Kunst die Liebe zur Fotografie wie zu Mathematik und Geometrie. Der flüchtige Blick zeigt farbige Muster, die sich fortsetzen, wiederholen, auseinanderstreben. Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man die Komplexität der Strukturen. Da sind zunächst die Ausgangsfotografien: Blüten, Unkraut, wilder Fenchel auf einfarbigem Grund. Wiesenblumen, die er bei einer Bergwanderung sah, habe er spontan auf sein schwarzes T-Shirt gelegt und fotografiert. Dann kommt die faszinierende Bearbeitung am Computer, nicht mit einem Programm, sondern alles von Hand, wie er versichert. Er wählt einen Ausschnitt des Bildes – etwa Halme und Blüten – zerlegt ihn und spiegelt die Segmente an geometrisch ausgerichteten Spiegelachsen, und zwar in unterschiedlichen Winkeln. Immer neue Bildachsen schaffen immer neue Veränderungen. Aus 593 Teilen besteht das Bild „Fünfeck-Rechteck-Orange Favorit“, auf dem immer neue Tulpensegmente zu finden sind. Wer genau hinschaut, findet sogar den schiefen Turm von Pisa, denn beim Experimentieren macht er bei den Blüten nicht Halt. Stolz ist Boris Schneider, dass er sein Prinzip so noch nirgendwo anders entdeckt hat. Also darf sich in Oberteuringen auch der Betrachter in Neuland begeben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen