„Einem Apfel sieht man nicht an, woher er kommt“

Lesedauer: 5 Min
Leckere Apfelschnitze – direkt aus der Region – haben Gabi Marschall, Sabine Müller, Ferdinand Herz, Birgit Locher und Severin B
Leckere Apfelschnitze – direkt aus der Region – haben Gabi Marschall, Sabine Müller, Ferdinand Herz, Birgit Locher und Severin Bosch (von links) am Samstag im Eingangsbereich des Edeka-Marktes in Oberteuringen angeboten. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Ein frischer Apfelschnitz – vielleicht „Jonagold“, „Gala“ oder „Braeburn“ oder eine andere leckere Sorte. Dazu lässt man sich doch gerne einladen. Zumal wenn man weiß, dass das Obst direkt aus der Umgebung stammt. Am vergangenen Samstag war im Eingangsbereich des Edeka-Marktes in Oberteuringen die Gelegenheit zum Verkosten – und zur Information aus erster Hand. Lokale Obstproduzenten hatten einen Stand aufgebaut, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen und sie natürlich auch ein wenig für den Kauf regionaler Produkte zu motivieren.

Der Hintergrund liegt auf der Hand. Nach dem „Katastrophenjahr“ 2017 fiel die Apfelernte im vergangenen Jahr aufgrund des warmen und trockenen Sommers in der Bodenseeregion überdurchschnittlich aus. Und die Lagerräume sind auch im Frühjahr 2019 meist noch gut gefüllt. Zu gut, wie Birgit Locher, Vorsitzende der Ortsbauernverbandes Oberteuringen, betont. „Wir haben leider ein Problem mit der Vermarktung. Sie verläuft etwas schleppend“, räumt sie unumwunden ein. Produzenten aus anderen Ländern hätten von der miserablen Ernte 2017 am Bodensee profitiert und deswegen bei vielen Supermärkten einen Fuß in die Tür bekommen und meist auch längerfristige Verträge ausgehandelt, nennt Birgit Locher als eines ihrer Hauptprobleme. Und deswegen fände man in den Obstregalen des Einzelhandels allzuoft Äpfel aus Chile oder Neuseeland – statt aus Oberteuringen oder anderen Bodenseegemeinden.

Um das „Kulturgut Apfel“ zu kämpfen, darum geht es auch Manuela Heinrich, Geschäftsführerin der „Obst vom Bodensee Marketing GmbH“. „Dem Apfel sieht man nicht an, woher er kommt“, sagt sie. „Ziel der heutigen Aktion ist es vor allem, die Leute zu sensibilisieren, und sie zu ermuntern, vor dem Kauf der Ware auch aufs Etikett zu achten“, erklärt sie.

Dass die Kundschaft diese Argumentation durchaus nachvollziehen kann, zeigt beim stichprogenhaften Nachfragen eindeutig. „Nie im Leben würde ich einen Apfel aus Italien oder Neuseeland kaufen“, sagt zum Beispiel Christoph Amann. „Mir geht es um Nachhaltigkeit. Deswegen kommen für mich nur Äpfel aus der Region infrage.“ Gleicher Meinung ist auch Elisabeth Hirt. „Am liebsten kaufe ich mein Obst direkt bei einem bäuerlichen Hofladen ein“, ist ihr Standpunkt. „Bewusst“ einzukaufen und damit auch Bauern in der Region zu stärken, ist auch die Devise von Dieter Hildebrand aus Horgenzell. Dass auch sein vierjähriger Sohn Ruben jeden Tag einen Apfel isst, das gehört ebenfalls zu seiner familiären Philosophie. „Obstkauf ohne Transportwege“, ist für Susanne Traub wichtig. „Ich kaufe nur Bananen im Supermarkt, alles andere direkt vor Ort“, sagt sie. „Die heutige Aktion ist klasse, auch um das Bewusstsein der Leute zu stärken.“

Gut ist die Stimmung rund um den Stand des Obstbauernverbandes Oberteuringen in jedem Fall. Birgit Locher, Gabi Marschall, Sabine Müller, Ferdinand Herz und Severin Bosch finden immer wieder neue Gesprächspartner. Dabei kommen zum Beispiel auch Fragen der Lagerung zur Sprache. Darf man Äpfel neben Bananen lagern? „Besser nicht. Äpfel verströmen das Reifegas Ethylen. Deshalb ist es nicht ratsam, Äpfel neben empfindlichen Obstsorten wie Birnen oder Bananen zu lagen.“ Prima – wieder was gelernt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen