„Eine spannende Herausforderung, die wir gerne annehmen“

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Thomas Schalski. zweiter Vorsitzender von Bürger für Bürger und Inklusionsbotschafter freut sich über den Zuwendungsbescheid des
Thomas Schalski. zweiter Vorsitzender von Bürger für Bürger und Inklusionsbotschafter freut sich über den Zuwendungsbescheid des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. (Foto: Michael Tschek)
Michael Tschek

Vergangene Woche ist dem Verein „Bürger für Bürger“ Markdorf/Oberteuringen ein erfreuliches Schreiben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Haus geflattert: Der Verein darf nämlich nach dem Gewinn der Ausschreibung zum Projekt „Inklusionsbotschafter von der Interessengemeinschaft selbstbestimmtes Leben und der Aktion Mensch“ nun eine von insgesamt 400 bundesweiten „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTB) im Auftrag des Ministeriums betreiben.

Die Beratungsstelle wird für den Bereich Bodensee und Oberschwaben mit einem Gesamtbudget von rund 340 000 Euro zuständig sein, wobei die Förderung zunächst einmal drei Jahre umfasst, jedoch auf fünf Jahre verlängert werden kann. Die Leitung dieser Stelle wird der Zweite Vorsitzende des Vereins Bürger für Bürger, Thomas Schalski, übernehmen.

„Wir waren sehr überrascht, aber natürlich auch sehr erfreut, doch noch zum Zuge gekommen zu sein“, meint der diplomierte Sozialwirt und Sozialökonom sowie Inklusionsbeauftragte, der in Oberteuringen wohnt. Und genau in der Rotachgemeinde wollen er und seine Vereinsmitglieder auch die Beratungsstelle einrichten, weshalb sie auf der Suche nach geeigneten Räumen sind. „Wir haben diesbezüglich heute ein Gespräch mit Bürgermeister Ralf Meßmer“, lässt er wissen.

Das gesamte Projekt steht dabei vor dem Hintergrund, dass zum 1. Januar das Bundesteilhabegesetz in Kraft getreten ist, das als Grundlage der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung dient. Soll heißen: Die EUTB soll unabhängig und auf Augenhöhe beraten, damit Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt Entscheidungen treffen können und zwar: Ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen, unabhängig von Trägern, die Leistungen bezahlen oder von Leistungserbringern und soll ergänzend zur Beratung anderer Stellen stehen.

Die Beratung in den EUTB soll durch Betroffene für Betroffene erfolgen – das sogenannte „Peer Counseling“. Peers nennt man Personen aus einer Gruppe mit gleichen oder ähnlichen Erfahrungen. In der EUTB arbeiten somit Peer-Berater, die selbst mit einer Behinderung leben. „Der Zugang zu einer betroffenen Person ist einfach leichter, wenn der Peer-Berater aus seinen eigenen Erfahrungen als Selbst-Betroffener beratend wirken kann“, meint Thomas Schalski, der seit bereits 14 Jahre Inklusionsbotschafter ist.

Natürlich ist ihm klar, dass die auf personell eineinhalb Stellen ausgewiesene Beratungsstelle mit dem Bereich Bodensee und Oberschwaben ein großes Gebiet abdecken muss. Seine Vorstellungen und die seiner Vereinsmitglieder gehen zunächst einmal in die Richtung, den Schwerpunkt der Beratungsstelle in Oberteuringen auf „psychische Erkrankungen“ wie Depressionen, Burn-Out oder Lernschwächen zu legen. Trotzdem erhalte jeder Betroffene nach dem Motto „Einer für alle“ in jeder EUTB Rat. „Wir sind mit allen Beratungsstellen sehr gut vernetzt und stehen deshalb im ständigen Kontakt“, fügt er an. „Es wird für uns eine spannende Herausforderung, die wir gerne annehmen“, meint er abschließend.

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