Eine 21-tägige Rallye mit Wohltätigkeitshintergrund

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Glückwünsche in Form einer Unterschrift mit auf den Weg gibt Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer.
Glückwünsche in Form einer Unterschrift mit auf den Weg gibt Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer. (Foto: Michael Tschek)
Michael Tschek

Sechs Männer starten am Samstag von der Landesgartenschau in Heilbronn aus zu einem wohl unvergesslichen Abenteuer. Zusammen mit 22 weiteren Teams aus ganz Europa nehmen sie in 21 Tagen eine rund 8 000 Kilometer lange Fahrtstrecke in Angriff, die sie von Deutschland über den Balkan nach Istanbul, durch den asiatischen Teil der Türkei, durch Anatolien nach Georgien, Armenien und schließlich zum orientalischen Highlight 2019 in den Iran führen wird.

Von dort aus geht es wieder zurück in die Türkei zum Berg Ararat und zur türkischen Südküste. Die Abschlussfahrt findet dann nach der Überfahrt mit der Fährte auf Zypern statt.

Rallye-Autos sind alt und billig

Bei dieser Rally handelt es sich allerdings nicht um eine Wettfahrt im herkömmlichen Sinne, sondern es werden an Fahrer und Material ganz besondere Anforderungen gestellt. Und was dabei vor allem im Vordergrund steht, ist der Wohltätigkeitszweck. Die „längste Rally der Welt“- in Bezug auf Teilnehmerzahl und gefahrenen Kilometern - besteht nun seit 13 Jahren, hatte ursprünglich Jordanien (aufgrund der politischen Lage im Nahen und Mittleren Osten ist Israel und damit auch Jordanien 2019 nicht errechbar) zum Ziel und hat folgende Teilnahmebedingungen: Ein Team besteht aus sechs Personen und drei Autos. Die Fahrzeuge müssen mindestens 20 Jahre alt sein oder dürfen nicht mehr als 999,99 Euro pro Auto kosten. Übernachtungen dürfen nicht mehr als 11,11 Euro pro Person kosten Während der Wegstrecke werden Kindergärten, Schulen oder auch Pflegeheime unterstützt.

Dies erfolgt oft durch die Übergabe von Sachspenden wie beispielsweise Spielzeug, Bekleidung oder auch Musikinstrumente. Das Organisationsteam besteht aus zehn Frauen und Männer aus europäischen Ländern.

Wer sind nun die sechs jungen Männer aus dem Bodensee- und Ravensburger Kreis, die diese Rally, wie sie auch genannt wird „Rally für die tollkühnen Männer in ihren klapprigen Kisten“ in Angriff nehmen wollen? „ Wir sind schon seit Jahren eine Clique, die schon lange auf der Suche nach einem unvergesslichen Abenteuer ist, bei dem persönliche Erfahrungen und Entfaltung mit gemeinnützigem Hintergrund in Einklang gebracht werden können“ sagt dazu Stefan Amann. Der 24-jährige Industriemeister ist seit zwei Jahren der Vorsitzende der Narrenzunft Bitzenhofen. Zusammen mit Christoph Ullmann, 27 Jahre, Anlagenmechaniker, und Tobias Kiesle, 24 Jahre, KFZ-Mechatroniker-Meister, bilden sie die Oberteuringer Fraktion. Tobias Leuthold (24), Industriemechaniker und Joshua Ring (24), Handelsfachwirt kommen aus Ettenkirch und Dominik Schuler (25), Schreinergeselle, wohnt in Dürnast. „Wir sind alle in Vereinen wie Narrenzunft, Feuerwehr oder Fußball aktiv, bei denen wir schon verschiedene Herausforderungen gemeistert haben und meistern werden“, meint Joshua Ring.

Durch ihre Berufe decken sie einige Bereiche der Arbeitswelt ab, sodass sie, wie sie hoffen, auf dieser langen Tour auf alle Eventualitäten vorbereitet sind.

Dass war bereits in der Vorbereitung so, denn die drei alten Fahrzeuge hatten sie alle von Sponsoren, unterhalb der Grenze von 999,99 Euro erhalten, und mussten dementsprechend auf Vordermann gebracht werden. „Die Rücksitzbänke in den drei Fahrzeugen haben wir ausgebaut, denn dieser Raum soll für das jeweilige Zwei-Team als Schlafplatz dienen“, begründet Amann diese Maßnahme.

Es wurden seit August letzten insgesamt 28 Sponsoren aus Friedrichshafen, Markdorf und Oberteuringen gefunden, die diese Aktion unterstützen. Ebenso waren die Sechs erfolgreich bei der Suche nach Sachspenden, die dann auf der Fahrt in Kindergärten, Schulen oder Pflegeheimen verteilt werden sollen.

„Ein sehr wichtiges Utensil an Bord ist natürlich auch der Werkzeugkoffer, mit allen Gerätschaften, die für eine mögliche Panne gebraucht werden“, sagt Joshua Ring.

330 Euro erhält jeder Teilnehmer von Organisationsteam. Das würde allerdings nicht reichen, so dass jeder von ihnen 2 500 Euro aus eigener Tasche mit dabei habe für Verpflegung, Übernachtung und Tanken, weiß Stefan Amann.

DieSponsorengelder werden ausschließlich für die Rallye verwendet. Im Zielland werden die Fahrzeuge der Teilnehmer verkauft. Mit dem Erlös werden soziale Projekte unterstützt. Das Organisationsteam der Europa-Orient-Rallye hat ein Mitspracherecht, für welche Projekte das Geld verwendet wird. Der Veranstalter unterstützt mit den Startgeldern gemeinnützige Projekte, die über die multimediale Berichterstattung mehr Aufmerksamkeit erhalten. Kosten für Reise, Verpflegung und Übernachtung werden von jedem Team-Mitglied selbst getragen.

Abtecher bei Ralf Meßmer

Mit vollgepackten Autos hatten die Sechs am Donnerstag noch einen Abstecher zu Teuringens Bürgermeister Ralf Meßmer gemacht. „Schön, dass der Name Oberteuringen mit auf die Reise geht“, meinte er bei der Verabschiedung. „Wir haben bei der Abfahrt von ihm noch für jedes Auto einen Christophorus und eine kleine persönliche Geld Spende zum Tanken erhalten“, so Amann.

Am Freitag ging das Team „ORIENT-ierungslos“ zum Sammelpunkt nach Heilbronn, wo das Abenteuer beginnt. Zurück von Zypern kommen sie dann mit dem Flieger.

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