Die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet

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 Eine Fotoausstellung in der Galerie in der Mühle im Aufbau.
Eine Fotoausstellung in der Galerie in der Mühle im Aufbau. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

„Bild für Bild für Bild“ nennt sich die erste Ausstellung des Jahres in der Galerie in der Mühle in Oberteuringen, eine Fotoausstellung, die am Mittwochabend von den Künstlern gehängt wurde.

Peter Bischoff und Carola Weber-Schlak, die Vorsitzenden des Ravensburg-Weingartener Kunstvereins, und Bette Bayer, Fotokünstlerin aus Konstanz, könnten unterschiedlicher nicht sein und machen es dem Besucher nicht leicht. Aus dem Dialog mit den Bildern, geprägt von Ablehnung oder Gefallen, erwächst die Auseinandersetzung.

Architekturelemente bestimmen die digital bearbeiteten, aus zerschnittenen Originalfotografien neu zusammengesetzten farbkräftigen Kompositionen von Bette Bayer. Flächen stoßen hart aneinander, überlagern sich, bilden eine neue phantastische Architektur, erst im Kopf entstanden, dann auf dem Bildgrund. Keine einladenden Bilder, die von einem Bummel durch den malerischen Ort erzählen, sondern Ausschnitte, die aufeinandertreffen, wie Eindrücke von flüchtigen Blicken, die sich im Gehirn vermischen, zu etwas Neuem werden. Aneinandergereihte, aufeinanderprallende Assoziationen. Ein Gang durch eine fremde Welt oder ist sie doch vertraut? Manch einer setzt das Gesehene in Töne um.

Carola Weber-Schlak lenkt in ihren quadratischen Bildern den Blick auf Details, auf Ausschnitte aus einem Ereignis. In kleinste Scherben zerbrochenes Glas, Sicherheitsglas, in feine Brösel aufgebrochen, auf dem Sims, auf dem Boden liegend, auf Teppichresten. „Kleine Schätze“, sagt Weber-Schlak, die Diamanten sein könnten. Teile, die im weichen Licht ihre eigene Ästhetik entfalten, atmen. Die sanften Farben stehen gegen den Knall, der das Zerbersten begleitet haben mag. Auch hier ist man versucht, in Tönen zu denken, ist verleitet, eine Geschichte zu erzählen.

Auch Peter Bischoffs Bilder sind auf einer Fototour des Kunstvereins entstanden: „Fabriktouren sind schon Tradition.“ Bilder beim Abbruch, Zwischenstadien vor dem Umbau: „Ein Stück Zeitgeschichte und zugleich sehr persönliche Eindrücke – wir arrangieren nicht, wir suchen nur verschiedene Blickwinkel.“ Seine Bilder stammen aus dem Bezner-Areal, „lost places“ in der ehemaligen Ravensburger Maschinenfabrik. Mit einer alten Digitalkamera hat er sie erforscht: „Die Räume atmeten noch Vergangenheit.“ Man sieht grobes Korn, dunkle Stellen, die zulaufen, in der Dunkelheit verschwindende Erinnerungen, daneben ausgebleichte helle Partien, fast ohne Zeichnung, weil das Material die Kontraste nicht bewältigen kann. Auch damit erzählt er eine Geschichte, spürt dem vergangenen Leben nach und blickt in eine noch undeutliche Zukunft.

Die Künstler sind noch beim Aufbau, sie messen aus, hängen, besprechen sich. Keine Hektik, sondern freundschaftliches Aufeinander-Eingehen. Sie verstehen sich, man spürt es und dieses Gefühl kann auf den Betrachter übergehen. Es sind Versuche, sich die Welt so anzueignen, sie zu begreifen, zu erleben, in wie vielen Facetten sie erscheint.

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