Diagnose Leukämie: Ludwig Hirt hofft auf einen „genetischen Zwilling“

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 Der Oberteuringer Ludwig Hirt ist an Leukämie erkrankt und benötigt jetzt dringend eine Stammzellenspende.
Der Oberteuringer Ludwig Hirt ist an Leukämie erkrankt und benötigt jetzt dringend eine Stammzellenspende. (Foto: DKMS)
Brigitte Geiselhart

„Akute myeloische Leukämie.“ Die Diagnose brach im vergangenen Dezember wie aus heiterem Himmel auf Ludwig Hirt herein. Von einem Tag auf den anderen war das Leben des 58-jährigen Oberteuringers auf den Kopf gestellt worden. Bereits nach dem ersten Chemoblock im Uniklinikum Ulm war klar, dass der zweifache Vater nur überleben kann, wenn es – irgendwo auf der Welt – einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zu einer Stammzellspende bereit ist.

„Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als potenzielle Stammzellenspender registrieren lassen. Denn nur dann können sie als Lebensretter gefunden werden“, weiß Christine Gerhold, Dienstellenleiterin des Arbeiter-Samariter-Bunds Baden-Württemberg e. V. in Wolfegg. Christine Gerhold ist gleichzeitig auch Chefin von Altenpflegerin Karin Hirt, der Schwester von Ludwig Hirt. Im Gespräch erfuhr sie von der Erkrankung des Bruders und kam sofort auf die Idee, eine Registrierungsaktion für Ludwig Hirt ins Leben zu rufen, die jetzt gemeinsam mit der DKMS in Wolfegg organisiert wird.

Die DKMS ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen lebensbedrohliche Blutkrebserkrankungen verschrieben hat „Die Registrierung geht einfach und schnell. Eine Blutabnahme ist nicht erforderlich“, betont Christine Gerhold. „Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung wird beim Spender ein Wangenschleimhautabstrich mittels Wattestäbchen durchgeführt, damit seine Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können.“

Einen geeigneten Stammzellenspender für einen Patienten zu finden, kann laut DKMS unglaublich schwer sein. Entscheidend für die erfolgreiche Übertragung von Stammzellen ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) zwischen Spender und Patient. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Donnerstag, 2. Mai, in der ASB Seniorenresidenz in Wolfegg als potenzieller Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen. Auch Geldspenden werden benötigt, da der gemeinnützigen Gesellschaft allein für die Registrierung eines jeden neuen Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen.

Für Ludwig Hirt, natürlich auch für seine ganze Familie, ist die Registrierungsaktion ein großes Geschenk und auch ein Silberstreif am Horizont. Sie selbst habe bereits Stammzellen gespendet, ihre HLA-Merkmale stimmten aber nur zu 50 Prozent mit denen ihres Bruders überein. Deshalb sei ein nachhaltiger Erfolg eher unwahrscheinlich, erklärt Karin Hirt.

„Wir lieben Ludwig über alles“, sagt sie – auch im Namen ihrer drei Schwestern, der Mutter und der Kinder des Erkrankten. Sie habe erst am Morgen mit ihrem Bruder telefoniert. Er sei so dankbar, dass ein Artikel über ihn und seine Krankengeschichte in der Zeitung erscheine. Auch die Registrierungsaktion fände er großartig und hoffe, dass dadurch nicht nur er, sondern auch andere Krebspatienten eine Chance erhielten.

„Unsere ganze Familie durchlebt eine sehr schwere Zeit. Die schlimme Situation hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Wir versuchen, positiv zu denken und möchten alles Menschenmögliche unternehmen, um Ludwig zu helfen“, fasst Karin Hirt ihre Stimmungslage zusammen. Jetzt heißt es, zu warten und zu hoffen. „Mein Bruder ist derzeit sehr schwach“, sagt Karin Hirt. „Aber er ist ein Kämpfer und er will leben.“

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