Bruno Epple liest in der Mühle Oberteuringen aus alten Zeiten.
Bruno Epple liest in der Mühle Oberteuringen aus alten Zeiten. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Das Ambiente hat gestimmt, oben in der Mühle in Oberteuringen, als am späten Sonntagnachmittag der Dichter und Maler Bruno Epple zur Lesung eingeladen war.

Alle Tischchen sind besetzt, die Damen freuen sich, bei sanfter Musik von Martin Giebel am Flügel Kaffeehausatmosphäre zu genießen. Kürbisse stehen am Bühnenrand, dahinter ein Büchertisch und ein breiter Korbsessel am Lesetisch, an dem der 88-jährige Bruno Epple Platz nimmt. Sobald er zu sprechen beginnt, vergisst man sein Alter. Seine Stimme schwingt, ist voll innerer Spannung.

Er liest aus „Erntedankfest. Ein Lesebuch“. Zu seinem 80. Geburtstag hatte ihn der Verleger Hubert Klöpfer um eine Zusammenstellung von Prosatexten und Lyrik in der Art von „best of“ gebeten und er hat sie geliefert, Martin Walser schrieb das Vorwort dazu. Von der Schaukel aus Kindheitstagen erzählt der erste Text. Wie sie gebaut wurde, welche Freude es ihm bereitete, sie zu erkunden, die Grenzen auszuloten: „Wildes Wiegen und wagendes Bubenglück zwischen Himmel und Erde, Schwinggebraus im Halbrund, Bogenlust von Höhe zu Höhe in seliger Umkehr.“

Bruno Epple lenkt den Blick auf Dinge, die einem selbstverständlich scheinen, Dinge, die man braucht. Aber dass sie zum Gegenstand der Betrachtung werden, ist ungewöhnlich. Etwa die ausgeleierte, alte, schwingende Gartentüre, deren „immergleicher Singsang“ ihm in Erinnerung bleibt. Epples Liebe gehört Vögeln. Deutlich wird einem beim Zuhören, dass das von Menschen als herrlich empfundene Lied einer Amsel gar nicht für ihn gedacht ist, dass er nur zufällig Zeuge wird. Da steckt eine Lebensphilosophie von der Wertigkeit der Lebewesen dahinter. Bezaubernd ist der Rhythmus: Man spürt die Vertrautheit mit antiker Verslehre und spürt, dass die Form der Lyrik auch heute noch tragfähig bleibt.

Bruno Epple schwärmt von blühenden Rapsfeldern, von lichttrunkenen Tagen, oder er findet den Vergleich, „als blicke die Blume mir in die Augen“. Ein altes Frühlingsgedicht, das er 1956 als Student geschrieben habe, enthält deutliche Spuren von expressionistischer Lyrik und ist doch Eigenes.

Köstlich sind Erzählungen aus Epples Kindheit. Etwa von der Qual, Grießbrei zu essen, von den Tricks, die das unerbittliche Dienstmädchen anwendet. Von der Mutter, die den fiebernden Sohn mit Wickeln kuriert und ihm zur Belohnung Märchen vorliest. Epples Mutter war die Frau des Lehrers in Oberteuringen. Verwandtenbesuche wurden zu spannenden Erlebnissen, besonders der Blick vom Ufer auf den See: Da „war mir der See ein einziges Gedicht“ – eine der schönsten und zugleich ehrlichsten Liebeserklärungen an den Bodensee.

Obwohl Bruno Epple längst seine Zeit überzogen hat, gab es als Zugabe einige wunderbare alemannische Gedichte und Balladen. Es war ein Blick aus gelebter Gegenwart in eine in ihm weiterlebende Vergangenheit.

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