Danny Street greift G-Dur wie Joan Baez

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 Moonshadow! Ein bisschen lauter, so dass man es bis Meckenbeuren hört ermuntert Danny Street seinen Publikumschor.
Moonshadow! Ein bisschen lauter, so dass man es bis Meckenbeuren hört ermuntert Danny Street seinen Publikumschor. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

„The Balladeer Returns“ heißt das Soloprogamm des Münchner Musikers Danny Street. Auf der Bühne des Kulturhauses Mühle Oberteuringen steht er am Samstagabend zum ersten Mal und vermutlich wird es nicht das letzte Mal sein, denn das Publikum folgt ihm und seinen Folksong-Interpretationen wie verzaubert.

Im schlichten Jeanslook der sechziger Jahre, Westernboots an den Füßen und halblangen Haaren auf dem Kopf sowie einem Bartwuchs, der auch einen Halbwüchsigen zieren könnte, wirkt Danny Street wie der freundliche Typ von Nebenan, mit dem man Pferde stehlen kann, der aber niemals Pferde stehlen würde. Eher tritt er bei Sonnenuntergang ans Lagerfeuer, holt die Westerngitarre hervor und fängt an, Geschichten zu erzählen und Lieder zu singen, die von Wehmut und Aufbruch, Liebe und Abschied handeln. Letzteres macht er tatsächlich und seine Stimme, seine Musik und seine charmante Unterhaltung mit den Abendgästen entfalten ihre Wirkung gleich in den ersten Minuten. Seine Balladen touren quer durch die Rock-Pop- und Folk-Geschichte. Und zu jedem Song gibt es eine Hintergrundstory, eine Anekdote der Interpreten oder aus seinem eigenen Leben.

Danny Street hat verschiedenen Bands angehört und tritt derzeit in zwei weiteren Formationen auf. Sein Soloprogramm hat er entwickelt, um Gelegenheit zu haben, die ruhigen Songs zu spielen und zu singen. Jene Lieder, die nicht auf den Wunschlisten der Partygänger stehen, die aber zu seiner eigenen Lieblingsmusik gehören. Nahezu zweieinhalb Stunden, gefüllt mit Romantik und Melodien, die nostalgische Erinnerungen wecken. Die Begeisterung leuchtet aus den Gesichtern, Applaus und Publikums-Chor begleiten den Sänger, wenn er singt und erzählt: Die „Streets of London“ handelten ursprünglich von den Straßen von Paris, John Denver schrieb „Annie‘s Song“ als Liebeslied für seine Frau, Donovan’s „Colors“ erinnert den Sänger an eine Tonbandaufnahme seines Bruders und Joan Baez ließ ihren als Musiker zunächst wenig erfolgreichen Geliebten Bob Dylan auf ihren Konzerten auftreten, der wiederum sie, nachdem er berühmt geworden war, neben der Bühne auf einem Stuhl warten ließ.

Danny Street erzählt von seinen Gitarre-Schülern und von den unterschiedlichen Arten, G-Dur zu greifen. Er mache es wie Joan Baez, das sei bei seinen Schülern ein überzeugendes Argument. Die Geschichten erzeugen Bilder im Kopf, „Farewell Angelina“ entführt in Jahrzehnte, die die meisten Gäste mit ihrer Jugend verbinden. Der Folk-Barde verändert die berühmten Songs kaum, aber doch so, dass sie einen eigenen Sound haben, ohne wie Imitationen zu klingen. Gerne spaziert die rechte Hand mit dem Plektrum den Gitarrenhals entlang, oder vollführt einen Halbkreis über dem Instrument, als wolle sie einen Spannungsbogen schlagen. Am Ende eines Liedes hält er die Gitarre leicht vom Körper weg, um den Nachhall auszukosten. Gelegentlich singt Street Eigenkompositionen oder lässt Hannes Waders Lieder erklingen. Manchmal spielt er zusätzlich Mundharmonika oder Kazoo.

Die stärksten Momente erleben die Konzertbesucher, wenn sie zum Mitsingen aufgefordert werden. Eigentlich brauchen sie gar keine Aufforderung, denn die Lieder stecken in Fleisch und Blut, in der eigenen Biografie. Es ist nicht nötig, Cat Stevens alias Yusuf Islam zu sehen. Es genügt, die Musik zu spüren und selber zu singen: Ive been followed by a „Moonshadow - Moonshadow!“ Der Sänger genießt das Konzert genauso wie die Besucher und knickert nicht mit Zugaben. „Einen Schlusssong wünsch ich mir selber noch - Heute hier morgen dort -Sie können schon Schlafanzug anziehen und Zähne putzen, es ist schon sehr spät, ich weiß!“ Und dann singen alle mit: „dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“

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