Damit die Hochwasserkatastrophe ausbleibt, beginnen Planungen in Oberteuringen

 So schoss das Hochwasser 1968 von der Grubenäckerstraße in die Augustin-Bea-Straße.
So schoss das Hochwasser 1968 von der Grubenäckerstraße in die Augustin-Bea-Straße. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)

Die Gemeinde Oberteuringen plant, den Hochwasserschutz an der Rotach zu verbessern. Im Kulturhaus „Mühle“ hat die erste Veranstaltung im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung stattgefunden. Etwa vierzig Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Gemeindeverwaltung. Das Risiko eines Jahrhunderthochwassers zuzüglich Klimazuschlag, das heißt einer Überflutung, wie sie vergangenes Jahr im Ahrtal stattgefunden hat, steigt durch den fortschreitenden Klimawandel.

Hochwasserereignisse werden – vereinfacht gesagt – nach der statistischen Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens und nach der Abflusspegelhöhe klassifiziert. Als die Rotach voriges Jahr bei lokal begrenzten Starkregenereignissen über ihre Ufer trat und den parallel verlaufenden Spazierweg flutete, sprach man von einem 20-jährliche Hochwasser.

Beim Thema Hochwasserschutz wird die Oberteuringer Öffentlichkeit beteiligt. Die Veranstaltung unter der Leitung von Bürgermeist
Beim Thema Hochwasserschutz wird die Oberteuringer Öffentlichkeit beteiligt. Die Veranstaltung unter der Leitung von Bürgermeister Ralf Meßmer interessiert die Anwohner der betroffenen Gebiete. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)

Wenn größere Gebiete von Starkregen betroffen sind und die Wassermassen auf einer längeren Strecke massiv ansteigen, besteht die Gefahr, dass Wohnstraßen von den Überflutungen betroffen sind und das Wasser alles mit sich reißt, was am Rand lagert oder nicht ausreichend befestigt ist.

Ahrtal-Lage auch in Oberteuringen möglich

Die Bilder aus Katastrophengebieten könnten dann auch an unseren Flüssen zur Wirklichkeit werden. Ältere Oberteuringer erinnern sich an das Hochwasser von 1968, als auf Höhe an der heutigen Kreuzung Ecke Eugen-Bolz-, Adenauer- und Bachäckerstraße ein Pegel von 1,80 Meter gemessen wurde.

Bürgermeister Ralf Meßmer leitete die Veranstaltung, Dario Fröndhoff vom Landratsamt Bodenseekreis stellte den Verfahrensablauf des Planfeststellungsverfahrens vor, als dessen erster Punkt die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschrieben ist, deren Erkenntnisse dann in das Planungs- und Zulassungsverfahren der unteren Wasserbehörde einbezogen werden. Die öffentliche Auslegung sowie die Möglichkeit zu Einwendungen und deren Erörterung schließe sich an.

Verschiedene Maßnahmen nötig

Die Ingenieure Jürgen Rapp und Niels Ullrich vom Ummendorfer Unternehmen RSI Rapp + Schmid Infrastrukturplanung zeigten die Ergebnisse der vorangegangenen Grundlagenerhebung, die anhand der amtlichen Hochwassergefahrenkarte, die im Internet öffentlich abrufbar ist, vorgenommen worden ist. Die Rotach bedeckt von der Quelle bei Wilhelmsdorf bis zur Bodenseemündung in Friedrichshafen rund 100 Quadratkilometer Fläche.

Zahlreiche Varianten zum Schutz vor Hochwasser seien untersucht worden. Ein Abfluss von bis zu 55 Kubikzentimetern pro Sekunde könne die Rotach schadlos ableiten. Untersucht wurde, an welchen Standorten Hochwasserrückhaltebecken gebaut werden könnten, um Oberteuringen komplett zu verschonen.

Ein Rückhalteraum in Urnau für eine Million Kubikmeter mit einem Damm von 17 Metern Höhe würde dazu ausreichen. Ein Raunen ging bei diesen Dimensionen durchs Publikum, ein solches Bauwerk konnte sich offenbar niemand unter den Anwesenden vorstellen und es wird auch von den Planern und Behörden als nicht realistisch gesehen. Alternativ werden die einzelnen Risikoabschnitte hinsichtlich eines HQ100, Klima, das heißt 100-jährliches Hochwasser, plus 15 Prozent Klimazuschlag, genauer betrachtet.

Solche Gebiete sind in Ramsen, Neuhaus, im Kernort und in Unterteuringen. Es kommen Dämme und gezielt dafür vorgesehene landwirtschaftliche Flächen als Überflutungswiesen in Frage. Mit den Grundstückseigentümern sollen im einzelnen Gespräche geführt werden, Wertminderungen müssten finanziell ausgeglichen werden.

Fragen der Anwesenden

Zahlreiche Fragen der Anwesenden betrafen die Problematik von Erosion, die Gewichtung von Gewerbe- und Wohngebäuden, den Schutz von FFH-Gebieten, überforderte Brücken wie beispielsweise in der Eugen-Bolz-Straße oder in Neuhaus, die auf jeden Fall vergrößert werden müssen, da die Feuerwehr ansonsten nicht zu den Einsatzorten gelangen kann, sowie das Thema Dämme und Überflutung von Flächen.

Robert Bischof regte an, die Rotach nicht isoliert zu betrachten, sondern den Rotach-Zufluss Taldorfer Bach und damit das Landschaftsschutzgebiet Altweiherwiese in die Planung einzubeziehen, sonst sei das Konzept nicht schlüssig. Meßmer gab ihm recht, doch der Naturschutz erlaube dies bisher nicht, worauf Bischof anmerkte: „Es ist eigentlich die Heimat einer Wiese, dass sie überflutet wird.“

Betroffene werden angesprochen

Die Firma Rapp wird in nächster Zeit mit allen betroffenen Grundstückseigentümern Gespräche führen. Wie viele Millionen das Ganze koste, werde man erst am Ende des Planfeststellungsverfahrens sehen. Erst dann müsse die Gemeinde sich entscheiden. Derzeit gebe es bis zu 70 Prozent Förderung für das Schwerpunktthema Hochwasserschutz. Was in fünf Jahren sei, wisse niemand, sagte Rapp. 2023 werde die Planung vorangetrieben, und es soll eine erneute Bürgerinformation geben. Meßmer betonte, die Gemeinde wolle den Hochwasserschutz für alle Bürger verbessern.

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