Oh wie schön ist Panama! Puppenspieler Manfred Künster begleitet seine tierischen Figuren.
Oh wie schön ist Panama! Puppenspieler Manfred Künster begleitet seine tierischen Figuren. (Foto: gsb)
Gudrun Schäfer-Burmeister

Gute Geschichten wecken Träume, manche von ihnen über Generationen. „Oh wie schön ist Panama“ von Janosch ist so ein Gegenwartsklassiker der Kinderbuchliteratur. Die Vorstellung des offenen Figurentheaters Manfred Künster im Kulturhaus „Mühle“ in Oberteuringen am Sonntagnachmittag hat den Kreis um zahlreiche, ganz junge Fans erweitert.

Rund hundert Erwachsene und Kinder ab drei Jahren füllten die Publikumsreihen und nach ein paar Umbesetzungen waren die Blicke frei auf eine mehr als mannshohe, oben offene, vierseitige, tipiartige Konstruktion aus polierten Astgabeln, deren unterschiedlich große Verbindungsfelder mit weißer Seide bespannt waren. Dahinein schlüpfte der als Müllerbursche gekleidete Puppenspieler und ließ mit seinen Tisch-, Hand- und Flachfiguren die beiden Freunde Tiger und Bär von Musik begleitet auf ihre Reise gehen.

„Es waren einmal ein kleiner Bär und ein und kleiner Tiger, die lebten am Fluss. Dort, wo der Rauch aufsteigt, neben dem großen Baum. Und sie hatten auch ein Boot.“ Nach diesem Intro drehte sich das Tipi um den Figurenspieler, oder besser gesagt: er drehte die Bühne um die eigene Achse und öffnete nach dem Stillstand eines der Seidentuchfenster von innen. Der kleine Bär schaukelte dort den kleinen Tiger in einer Hängematte und beide stellten zufrieden fest: „Uns geht es gut, denn wir haben alles, was wir brauchen.“

Alle lieben Panama

„Ja!“ rief eine Kinderstimme aus dem Publikum und schon drehte sich das Segelzelt weiter. Die Kinder freuten sich und begleiteten aufmerksam die beiden Freunde, die aus einer Bananenkiste mit der Aufschrift „Panama“ einen Wegweiser bastelten, denn Panama war das Land ihrer Träume, weil es so nach Bananen duften sollte, wie die gefundene Kiste. Diese Sehnsucht konnten sicher viele Kinder nachvollziehen, wie die vierjährige Nora, die nach der fünfzigminütigen Vorstellung auf die Frage, was ihr denn am besten gefallen habe, schwärmerisch antwortete: „Panama, weil es nach Bananen schmeckt.“ Immer wieder drehte sich die Bühne und die Fenster wurden zu wechselnden Kulissen für die Freunde und ihre rollende Tigerente „Naak, naak“ bei ihren Begegnungen mit einer unbedarften Maus, einem Fuchs, der die Gans gestohlen hatte, einer milchspendenden Kuh, zum Hasen und seinem Igel-Kumpel, der immer schneller am Ziel war. Alle fragten sie nach dem Weg zu ihrem Sehnsuchtsziel Panama, von dem diese jedoch noch nie gehört hatten. Zuletzt fanden sie Hilfe bei der Krähe, die ihnen den Weg ins Traumland wies, wo sie tatsächlich ihren Wegweiser wiederfanden.

Dass es ihr eigenes Zuhause war, ist natürlich die Pointe der Geschichte. „Du meinst, dann hätten sie doch gleich zu Hause bleiben können? Du meinst, dann hätten sie sich den weiten Weg gespart? Oh nein, denn sie hätten den Fuchs nicht getroffen, und die Krähe nicht. Und sie hätten den Hasen und den Igel nicht getroffen, und sie hätten nie erfahren, wie gemütlich so ein schönes, weiches Sofa aus Plüsch ist.“

Das 1978 erstmals erschienene Kinderbuch des auf Teneriffa lebenden Illustrators und Schriftstellers Horst Eckert alias Janosch war die Geburtsstunde von Tiger und Bär und zog noch viele Geschichten nach sich. Auch die rollende Tigerente ging hier an den Start. Das Exemplar im Bücherregal der Verfasserin dieses Artikels stammt von 1990 und zeigt die kreativen Viellesespuren ihrer Kinder. Zur gleichen Generation gehörten die Väter und Mütter im Publikum. „Ich hab noch mein Buch aus meiner Kindheit. Damals war es mein liebstes Buch“, fügte die Mama der siebenjährigen Feline hinzu, der „alles“ am besten gefiel. Der vierjährige Sebastian wiederum hatte besonderen Spaß am Fuchs, der die Gans gestohlen hatte. Die gleichaltrige Viktoria zeigte sich als Fan der Tigerente und die ebenso junge Lara bewunderte den Regenbogen über der Sonne.

So begegneten alle ihren Träumen und auch der Puppenspieler war zufrieden nach seiner schweißtreibenden Einmannshow, nachdem er sowohl die Deckenlampe als auch den Querbalken mehrfach passiert hatte und unfallfrei im Panama-Applaus angekommen war.

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