Tarnen in der Argen: Natur- und erlebnispädagogische Schülerbetreuung im Sommer

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Im kühlen Argenwasser haben die Wald- und Wildniskinder und Betreuer Miguel Spaß.
Im kühlen Argenwasser haben die Wald- und Wildniskinder und Betreuer Miguel Spaß. (Foto: Fotos: oej)
Olaf E. Jahnke

Die Corvus Natur- und Wildnisschule Bodensee mit Sitz in Friedrichshafen bietet verschiedene Fortbildungen und Kurse an, wie zum Beispiel die Vater-und-Sohn- Woche im September. Im Herbst startet auch wieder eine neue Ausbildung zum Natur- und Wildnispädagogen. Mehr unter

www.corvus-bodensee.de

Die natur- und erlebnispädagogische Einrichtung Corvus Friedrichshafen hat in Zusammenarbeit mit der Grundschule Neukirch wieder eine Schülerbetreuungswoche in den Sommerferien angeboten. Bis vergangenen Freitag waren 16 Schüler zwischen sieben und elf Jahren täglich von 7.30 bis 13 Uhr mit den Wildnispädagogen Frauke Pieper-Keller und Sohn Miguel Keller im Argental unterwegs.

„Eigentlich wollten wir Sie ja getarnt empfangen“, sagt die Betreuerin und lacht. Sie wird umringt von Kindern mit Ästen im Haar und Tarnschminke im Gesicht. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, wollten die Kinder nun gerne baden. Leider habe man wegen der Waldbrandgefahr aufs tägliche Lagerfeuer verzichten müssen, sagte Pieper-Keller. „Macht nix, besser als ein Waldbrand“, sagt Schülerin Eva. „So haben wir die Würstel halt kalt gegessen.“ Das Niederschlagswasser hat dem Wald und dem Fluss gut getan – vergnügt plantschen die Kinder zwischen den Steinen und am wieder erstandenen Wasserfall.

Nach wie vor stehen Selbsterfahrung, Beobachtung, Teambildung und Wahrnehmung ganz vorne an. Auch wurden zu Beginn der Woche Tiernamen an die Kinder verteilt. Marleen die Füchsin findet den Eulenblick mit gleichzeitiger Wahrnehmung bis in beide Augenwinkel toll. Und natürlich auch den Fuchsgang, bei dem man behutsam in einer Linie vorsichtig einen Fuß nach dem anderen aufsetzt. So hat jeder einen Namen und ein Lieblingsspiel. Emma die Wölfin mag Fledermaus und Motte am liebsten, wegen der Gegensätze: Die eine sieht nichts, hört aber gut, die andere hört nichts, hat aber einen umso besseren Sehsinn.

Dabei gibt es viele verschiedene Such- und Erkenn-Spiele, wie „Wer ist der Oberboss?“ oder „Der Otter sucht den Fisch“. Sonja der Dachs erklärt ihre Tarn-Schminktechnik und Eva der Biber beschreibt, warum Tarnen Spaß macht. Nathan der Rabe hat nicht nur einen besonderen Namen, sondern er darf auch den diesjährigen Gruppenruf krähen. „Krah – Krah“ und gleich antwortet es krächzend vom Wasser her „Krah – Krah“.

Sich neu definieren

Im Wald und auf den Steinen oder im Wasser gibt es schon mal einen blauen Fleck oder einen Kratzer. Aber das gehört wohl einfach dazu – und keinen stört es. Und was bleibt vom Tag? „Adrenalin – und das Gefühl etwas besonderes geschafft zu haben“, antwortet die Häfler Pädagogin lachend. „Die Kinder können sich anders definieren, alte Strukturen hinter sich lassen, sich etwas trauen und neue Horizonte bekommen.“

Unbeschwerte Kinder

Wichtig sind die täglichen Rituale. Im Gesprächskreis mit „Sprechstab“ darf jeder reden und sich ohne Unterbrechung ausdrücken. Auch das „Clan-Prinzip“ sei wichtig, denn in der Gemeinschaft übernehmen Kinder in der Nord-, Süd-, Ost- oder West-Gruppe Verantwortung und lernen Kooperation. Das Thema sind Pflanzen, Tiere und Naturphänomene. Dabei gibt es dazwischen immer wieder Spiel-, Bade- und Bastelzeiten. Alle machen mit, die Kinder wirken unbeschwert, nur die beiden Betreuer haben immer ein wachsames Auge. Frauke Pieper-Keller sagt: „Bei 16 Kindern sind wir natürlich ständig am Durchzählen – aber die tolle Natur hier im Argental entspannt irgendwie auch alle.“

Die Corvus Natur- und Wildnisschule Bodensee mit Sitz in Friedrichshafen bietet verschiedene Fortbildungen und Kurse an, wie zum Beispiel die Vater-und-Sohn- Woche im September. Im Herbst startet auch wieder eine neue Ausbildung zum Natur- und Wildnispädagogen. Mehr unter

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