So kommt Neukirch zu einem Lebensmittelmarkt

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An der L 333 in Neukirch soll ein Lebensmittelmarkt entstehen.
An der L 333 in Neukirch soll ein Lebensmittelmarkt entstehen. (Foto: tbb)
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Bis zum Weihnachtsgeschäft 2020, spätestens aber zum Ostergeschäft 2021, soll ein „Nahkauf“-Markt am Ortseingang von Neukirch entstehen. Geplanter Standort für den Laden der Rewe-Gruppe ist das Retentionsbecken unterhalb von Bauhof und Feuerwehr. Das Becken selbst muss dafür auf die andere Seite der Landesstraße L 333 verlegt werden. In seiner nächsten Sitzung am Montag, 11. Februar, stimmt der Neukircher Gemeinderat über das Vorhaben und die damit verbundenen Schritte ab.

Im Lauf der letzten zehn Jahre hatte die Gemeinde immer wieder versucht, einen Markt anzusiedeln. Bisher gab es immer Absagen, sagt Neukirchs Bürgermeister Reinhold Schnell. Anlass waren zuletzt die Gespräche zur neuen Ortsmitte. Alle Einzelhandelsunternehmen hatten den zentralen Standort damals abgelehnt. Das änderte sich mit dem Angebot, direkt an der L 333 zu bauen. Schnell freut es, dass Rewe hier dann zugesagt hat. Er bezeichnet das Vorhaben als wichtige Maßnahme für die Infrastruktur der Gemeinde.

750 Quadratmeter Verkaufsfläche, acht bis 13 Arbeitsplätze

Wenn der Gemeinderat das Vorhaben anstößt, wird ein Laden mit einer Nutzfläche von 900 Quadratmetern entstehen (750 für Verkaufsfläche, 100 für Lager- und 50 für Büro- und Sozialräume). Die Kaufleute Gerd Nieth und Wassili Hoffmann, die bereits in Wangen vertreten sind, haben ihr Interesse bekundet, den Laden zu betreiben.

Hoffmann wohnt in Wangen und kennt die Situation rund um Neukirch. „Die Infrastruktur passt gut zu so einem Markt“, sagt er. Zwischen 10 000 und 14 000 Artikel soll es später im Laden geben. Marktchef wird ein Mitarbeiter aus einem der bestehenden Märkte werden, die anderen Mitarbeiter sollen bevorzugt aus Neukirch und Umgebung kommen. Bei einem Markt dieser Größenordnung gehe es um acht bis 13 Arbeitsplätze, sagt Hoffmann. Geplant sei zudem ein Bäcker mit Café und eine Metzgerei mit Frischetheke. Diese Flächen würden untervermietet.

Mehrere „Glücksfälle“: Verkehr, Gelände, Akzeptanz

„Wir können natürlich nicht jede Gemeinde bedienen“, sagt Rainer Neugebauer zur grundsätzlichen Situation. Er ist im Südwesten Expansionsmanager bei der Rewe-Gruppe. In Neukirch gebe es da aber gleich mehrere „Glücksfälle“: ein prinzipiell verfügbares Grundstück an einer Landesstraße, einen aktiven Bürgermeister und die Akzeptanz im Gemeinderat – und ebenso, dass die Gemeinde mit der Erschließung des Geländes und dem Errichten des Gebäudes in Vorleistung gehen wolle.

Hinzu kommt eine Änderung der Strategie: Seit einigen Jahren gehen Unternehmen wie Rewe wieder verstärkt in den ländlichen Raum. In Bayern, wo bei einer Gemeindegröße wie der von Neukirch 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche zulässig sind, rechne sich das natürlich anders als in Baden-Württemberg mit einer Beschränkung auf 800 Quadratmeter, sagt Neugebauer. Standortfaktor in Neukirch sind da nicht zuletzt die 7000 Fahrzeuge, die täglich vorbeifahren. Laut Berechnung von Rewe sollen zwei Drittel des Umsatzes durch die Autofahrer und ein Drittel durch die Kunden aus Neukirch und dem Umland zustande kommen.

Für die Gemeinde bedeute das erst einmal eine Investition in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro für alle Maßnahmen, sagt Bürgermeister Schnell. Was aber auch bedeute: „Gelände und Gebäude bleiben damit im Gemeindebesitz.“ Der Nahkauf-Markt zieht dann als Mieter ein. Zwar muss das Vorhaben aus Krediten finanziert werden, so die Verwaltung, die Aufwendungen könnten aber über die Mieteinnahmen getragen werden.

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