Keine neue Ladestation am Rathaus

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Nach vier Jahren ist wohl Schluss mit E-Ladesäule am Rathaus. Eine neue Säule wird’s erst mal nicht geben. Und wenn, dann an ein
Nach vier Jahren ist wohl Schluss mit E-Ladesäule am Rathaus. Eine neue Säule wird’s erst mal nicht geben. Und wenn, dann an einem anderen Standort. (Foto: oej)
Olaf E. Jahnke

Seit 2015 ist die E-Ladesäule als eine der ersten im Emma-Verbund des Bodenseekreises am Neukircher Rathaus gestanden. Am Montag sollte der Gemeinderat über die Anschaffung einer neuen Ladesäule entscheiden. Das Gremium sprach sich gegen eine neue Ladesäule aus.

Kämmerer Robert Riedesser berichtete, dass am 22. Mai die IT-Plattform von den Stadtwerken am See abgeschaltet werden soll. Gast im Gemeinderat war Winfried Bremer, Vertriebsleiter beim Regionalwerk. Er warb damit, dass in Nachbargemeinden schon zahlreich das neue System genutzt werde. Die Vorteile stellte Bremer heraus: „Die neuen Säulen können von allen Ladesystemen bedient werden“. Auch sei man auf allen gängigen Internetplattformen sichtbar.

Eine Umprogrammierung zur reinen Ladefunktion sei für die alte Säule zwar möglich, würde aber zwischen 1000 und 2000 Euro kosten. Allerdings gebe es keine Abrechnungsmöglichkeit und Verbindung zu Plattformen im Internet. Außerdem müsse die Gemeinde für die Stromkosten nun selbst aufkommen.

Der Festpreis von 8550 Euro für die neue Säule müsste ebenfalls komplett von der Gemeinde getragen werden. Dazu kämen jährliche Wartungs- und Versicherungskosten in Höhe von 750 Euro. Bremer war sich sicher: „Das E-Auto wird Standard.“ Doch das Regionalwerk könne die Säulen nicht auf eigene Kosten bauen.

Im Laufe der Diskussion äußerten sich fast alle Räte. Auf die Frage von Manfred Amann (CDU) nach einem Umbau der Säule an einen anderen Standort, sagte Bremer, dass dies problemlos ginge. Walter Gauss (CDU) fragte, ob man aufs falsche Pferd gesetzt habe oder man sich als Kommune nun ohne Zuschüsse als „Kraftstoffverteiler“ betätigen müsse. Luzia Mühlebach (FW) betonte, dass sie für die neue Säule und das zukunftsfähige und flexible System sei. FW-Fraktionsführerin Beate Gauggel fragte nach einem möglichen Gewinn. Bremer erläuterte: „Geld kommt anteilsmäßig über das Regionalwerk zurück, das die Stromkosten von 30 Cent für die Kilowattstunde abrechnet“. Allerdings rechne man frühestens im sechsten Jahr mit Gewinnen.

Adrian Strauß (CDU) fragte, ob es sich um ein „Draufzahlmodell für die Gemeinde“ handele. Er sehe das äußerst skeptisch. Strauß argumentierte, dass weder der richtige Standort, noch die Nutzungsproblematik erfasst sei. Anders als in touristischeren Orten am See gebe keinen Mehrwert für die Gemeinde durch die Ladesäule. Wie seine Fraktionskollegen fände er die Idee einer Fahrradladestation sinnvoller. Hier zeigte sich der Regionalwerksvertreter eher hilflos, es gebe schlichtweg zu viele Systeme.

Roland Schmid fasste es schließlich zusammen: „Das macht keinen Sinn“. In Ordnung sei für die Gemeinde gewesen, das Pilotprojekt anzuschieben, ein erweitertes Projekt müsse sich jedoch künftig selbst tragen – und gehöre nicht zu den Aufgaben einer Kommune. Harsch fiel die Kritik von Udo Hunstiger (CDU) gegenüber dem Regionalwerk aus:

„Sie haben keinen Arsch in der Hose für Neuinvestitionen – und wir sollen das Risiko tragen?“ Sein Fraktionskollege Fluck betonte, die E-Mobiliät nicht verteufeln zu wollen, war aber dafür, mit Neuerungen abzuwarten.

Andreas König (FW) bilanzierte, dass „Preis und Ergebnis nicht stimmen – ich sage also in allen Punkten Nein.“

Vera Fischer (CDU) argumentierte, dass der Wertverlust nach vier Jahren zwar ärgerlich sei, aber: „Wir sollten als Kommune unterstützend tätig bleiben, nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Bei sechs gegen sechs Stimmen und einer Enthaltung hieß es schließlich: keine Zustimmung für die neue Säule, denn bei Gleichstand ist der Antrag abgelehnt.

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