Garten summt dank der richtigen Pflege

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 Simone Kern (Zweite von rechts) freut sich über den Insektenhotelpilz, den ihr Anne Seeger im Beisein von Alexander Mayer und N
Simone Kern (Zweite von rechts) freut sich über den Insektenhotelpilz, den ihr Anne Seeger im Beisein von Alexander Mayer und Niko Wachter (links) überreicht.
Olaf E. Jahnke

Alexander Mayer hat bei der Begrüßung am Donnerstag im Saal des mit 50 Interessierten gut besuchten Feuerwehrhauses in Neukirch klare Worte gewählt: „Artenschutz ist genauso existenziell wie Klimaschutz.“ Wasser auf die Mühlen der Referentin Simone Kern, die auf Einladung der Neukircher Initiative „Mach mit – Neukirch blüht“ in mehr als zwei Stunden viele Aspekte privater Artenschutz-Möglichkeiten im heimischen Garten oder Hof erläuterte.

Die Autorin von „Mein Garten summt“ (Titel der Veranstaltung) und „Der antiautoritäre Garten“ weist auf die Sünden hin, die letztlich zur extremen Reduzierung von Insekten (75 Prozent weniger Biomasse in 27 Jahren) und damit auch von Wildvögeln geführt haben. Neben viel Kies und Schotter, robotergepflegten Rasenanlagen und exotischen Zierpflanzen in der Gartengestaltung habe auch die intensivierte Landwirtschaft mit Überdüngung zu extremer Monokultur und Artenarmut geführt. Weitere Probleme würden sich durch fehlende Rückzugsstrukturen, Flächenversiegelung und Lichtverschmutzung ergeben. Das sehe man auch im idyllischen Oberschwaben oder Allgäu. „Wir haben eine grüne Wüste vor der Haustür“, erläutert die Naturgarten-Expertin und plädiert bei den Gemeinden für ein „Kiesgarten- und Tujaverbot“.

Sie fordert dazu auf, Aussaaten der Pflanzen selbst zuzulassen, oder den Garten samt Fugen und Wegen auch mal der Natur zu überlassen. Wenn dann viele verschiedene Düfte, Aromen, Formen und Farben im Garten wirkten – und man aus vielen Ecken Gebrummsel und Gesummsel höre, schwärmt Kern: „Dann geht einem das Herz auf.“

Dabei verhelfe eine Vielfalt an Pflanzen, Böden und Strukturen zu mehr Lebens- und Überlebensräumen. Einen anschaulichen Exkurs macht die Referentin zu den Pflanzen für Schmetterlinge, denn: „Ohne Raupen und spezielle Pflanzen gibt es keine Schmetterlinge mehr.“ So brauche es zum Beispiel Brennnesseln, wenn man Tagpfauenaugen sehen wolle oder Wilde Möhre für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Nach zahlreichen interessierten Fragen zu Saaten und Umgestaltungen haben Anne Seeger, die die Referentin eingeladen hat, Niko Wachter und Alexander Mayer einen Insektenhotelpilz überreicht, den Karl Seeger gebaut hat.

BLICK

Tipps von der Expertin:

-- Einfach mal nichts tun. Jedenfalls an bestimmten Stellen – und dann Teilbereiche einfach stehen lassen.

-- Auf verschiedene Pflanzenhöhen achten – das bringt Naturästhetik und gefällt den Tieren.

-- Blühlöcher vermeiden: Es sollte von Frühjahr bis Herbst blühen – mit Nektar- und Pollenpflanzen für unterschiedliche Insekten.

-- Vielfalt bringt Vielfalt.

-- Vorsicht bei der Saatenauswahl und beim Samenkauf.

-- Das Beste für den Garten ist ein Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen.

-- Wer auf Düngen, Unkrautvernichten und Gießen verzichten möchte, sollte auf die natürliche Besiedelung und Aussamung setzen.

-- Wiese statt Rasen. Sensen statt Roboter.

-- Natürliche Hotels für Insekten, Lurche, Amphibien schaffen mit Sandhaufen, Trockensteinmauern, Lesesteinhaufen und Totholz

Hätten Sie es gewusst?

-- Stadthonig ist viel weniger belastet als Landhonig.

-- Insektenfreundlichkeit wirkt, das zeigt eine Verdoppelung der Artenvielfalt von 56 auf 117 Arten auf dem Bodensee-Versuchsgelände nach sieben Jahren.

-- Wildbienen erledigen 70 Prozent der Bestäubungsleistung, sind aber auf besondere Pflanzen spezialisiert.

-- Viele Saatprodukte bringen zwar kurzfristig bunte Blumen – aber genetisch verändert, einmalig und ohne Wert für die Insekten und andere Organismen.

-- Exotische Zierpflanzen haben keinen Nutzen für Insekten und Vögel, heimische Arten durchaus.

-- Die Forsythie hat keine Freunde in der Insektenwelt, die ähnliche Kornelkirsche bei fast allen Arten dagegen schon.

-- Exotische Beerenpflanzenfrüchte wollen Vögel kaum ernten. Dagegen freuen sich 43 Vogelarten am Gemeinen Wacholder oder an der Eberesche (Vogelbeere).

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