Wo die Farben tanzen

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In harmonischer Zusammenarbeit von Künstler Emil Kiess und Kuratorin Heike Frommer ist die Ausstellung „Die Wirklichkeit des Sic
In harmonischer Zusammenarbeit von Künstler Emil Kiess und Kuratorin Heike Frommer ist die Ausstellung „Die Wirklichkeit des Sichtbaren“ im Roten Haus in Meersburg entstanden. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Die Ausstellung im Roten Haus ist bis 24. Juni jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Das Kulturamt hat einen reich bebilderten Katalog herausgegeben (Hg. Heike Frommer, 152 Seiten, 19 Euro). Am 22. April um 15 Uhr gibt es ein Künstlergespräch mit Emil Kiess. Weitere Termine unter

www.galerie-bodenseekreis.de

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Hellwach hat der 88-jährige Künstler Emil Kiess aus Donaueschingen die Ausstellung betrachtet, die der Bodenseekreis ihm in seiner Galerie im Roten Haus in Meersburg gewidmet hat. „Jede Ausstellung ist eine Überraschung“, meinte er beim ersten Rundgang vor der Eröffnung und schmunzelte: „Die Auswahl ist nicht von mir, sie (Galerieleiterin und Kuratorin Heike Frommer) hat alles gekriegt, was sie wollte, willig oder widerwillig.“ Und dazu zählt in der Ausstellung „Die Wirklichkeit des Sichtbaren“ auch eine Reihe von Bodenseelandschaften, die noch nie öffentlich gezeigt wurden.

Zahlreiche Kunstfreunde füllten zur Eröffnung den Spiegelsaal des Neuen Schlosses. Landrat Lothar Wölfle, der den Künstler aus seiner Zeit als Gemeinderat in Donaueschingen und Bürgermeister von Trossingen kennt und von dort Gäste begrüßen konnte, hieß ihn herzlich willkommen: „Danke, dass wir diese Ausstellung mit Ihnen machen dürfen.“ Die Kunstsammlung des Landkreises sei stolz auf ihre Bilder, „eines der renommiertesten Künstler im deutschen Südwesten“, sieben Kiess-Gemälde hängen im Landratsamt.

Heike Frommer führte in die Ausstellung ein. Die achtzig Exponate machten deutlich, dass für Emil Kiess die Trennung zwischen gegenständlicher und gegenstandsloser Kunst nie Sinn machte. Er brauche den Bezug zur Realität, seine Entwicklungslinie führe in den Farbraum, bewege sich zwischen den Polen Form und Farbe. Bei Willi Baumeister an der Kunstakademie Stuttgart habe er zur künstlerischen Freiheit einen Zugang zu den Wurzeln der Abstraktion gefunden, aber seinen eigenen Stil entwickelt, die Farbe vom Gegenstand befreit und doch nie das Gegenständliche aufgegeben.

Bilder, die von innen leuchten

In der Ausstellung findet man seine beiden „Seelen“: Da sind zum einen die typischen Farbfeldmalereien, die den Betrachter magisch hineinziehen. Farbsetzung und Farbrhythmus, bewegte Farbstrukturen und -modulationen bringen die Bilder von innen her zum Leuchten. Sie sind voller Leben und Atmosphäre und strahlen zugleich eine meditative Ruhe aus, dazu der Künstler: „Wir sehen nicht nur mit dem Auge, wir sehen auch mit dem Geist, mit den Sinnen.“

Die Auseinandersetzung mit der Farbe führte ihn zu Monet, zu den Pointillisten, zur Zerlegung des Bildes in Farbtupfer, zum „Tanz der Farben“, die sich im Auge des Betrachters wieder zu einem Bild zusammensetzen. Heike Frommer wies auf eine Reihe von Bodenseelandschaften hin, an der man den Weg vom Gegenstand in die Abstraktion zu erkennen meine, doch die angegebenen Jahreszahlen sprächen eine andere Sprache: Immer hat er mit leichter Hand vom einen zum anderen gewechselt, sich „mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen den Welten bewegt“, so Frommer. Eine Freude sind diese Bodenseebilder, die sich mit ihrem Übergang vom Wasser zum Himmel bestens für Kiess‘ Grenzgänge anbieten. Je mehr das Bildmotiv in den Hintergrund rückt, desto mehr ist die Phantasie gefragt.

Die Ausstellung im Roten Haus ist bis 24. Juni jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Das Kulturamt hat einen reich bebilderten Katalog herausgegeben (Hg. Heike Frommer, 152 Seiten, 19 Euro). Am 22. April um 15 Uhr gibt es ein Künstlergespräch mit Emil Kiess. Weitere Termine unter

www.galerie-bodenseekreis.de

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