Wie die junge Künstlergeneration die Welt sieht

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"jung + gegenständlich" in Meersburg: Ruhe vor dem Ansturm der Vernissagegäste – Porträts von Franz Braun.
"jung + gegenständlich" in Meersburg: Ruhe vor dem Ansturm der Vernissagegäste – Porträts von Franz Braun. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Die Ausstellung ist bis 16. September von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Lange vor der Eröffnung der Ausstellung „SACH MAL! jung + gegenständlich“ im Spiegelsaal des Neuen Schlosses haben zahlreiche Kunstfreunde die Gelegenheit genutzt, gegenüber in der Galerie des Bodenseekreises im Roten Haus noch einen freien Blick auf die Bilder werfen zu können.

Zum fünften Mal hat der Bodenseekreis den Förderpreis für junge Künstler ausgeschrieben, die in Malerei und Zeichnung gegenständlich arbeiten. Heike Frommer, die Leiterin der kreiseigenen Galerie, strahlt: „So viele so qualitätvolle Werke haben wir bisher noch nicht hier gehabt.“ Viele der Bewerber um den deutschlandweit und in den Nachbarländern Österreich und Schweiz ausgeschriebenen Förderpreis sind Meisterschüler, das sieht man. Auch Landrat Lothar Wölfle, dem schon aus seiner Bürgermeisterzeit in Trossingen der Ruf des Kunstliebhabers vorauseilte, ließ es sich nicht nehmen, die Ausstellung noch halbwegs ungestört vorab zu besichtigen. Auch er zeigte sich hochzufrieden. Aus der Vielzahl der Bewerbungen hat eine sechsköpfige Jury von Kunst- und Kulturschaffenden der Region 31 junge Künstler ausgewählt. Sie kommen von deutschen Hochschulen und Akademien, aber auch aus Wien und Zürich. „Dadurch kann sich in der Schau ein Spektrum dessen entfalten, was aktuell an den Kunstakademien im gegenständlichen Bereich geschaffen wird“, sagt Heike Frommer und präzisiert: „Das Bild des Menschen ist ein zentrales Anliegen, es geht um Gesellschaft und Machtverhältnisse, aber auch um unsere Hochglanzwelt, um oberflächlichen Konsum.“ Auch Skurriles, Träumerisches und Humorvolles bleibt nicht außen vor.

Ein leichterer Zugang

Viele haben zu gegenständlicher Kunst einen leichteren Zugang als zu einer durch Abstraktion reduzierten Welt. Man kann leichter mitreden, die technische Qualität der zeichnerischen und malerischen Arbeiten beurteilen. Aber Vorsicht: Es muss längst nicht sein, dass das, was vordergründig zu sehen ist, die eigentliche Aussage ist. Bilder dienten schon früher dazu, seelische Befindlichkeiten verschlüsselt auszudrücken. Die Art, wie Menschen porträtiert werden, welche Perspektiven gewählt werden, was wie komponiert wird, lässt einen weiten Spielraum. Dem nachzuspüren reizt, macht neugierig auf die Sicht der jungen Generation.

Ausstellungen wie diese wollen in Ruhe betrachtet, wollen erfahren werden. Der Tag der Vernissage ist dazu weniger geeignet, man sollte in Ruhe vor den Bildern stehen können. Die Jury hat übrigens schon entschieden, wer den mit 4000 Euro dotierten Preis erhält – bekanntgegeben wird er erst am Ende der Ausstellung. Das Publikum ist eingeladen, einen Publikumsliebling zu küren, der 1000 Euro erwarten darf.

Die Ausstellung ist bis 16. September von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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