Sie dürfen und sollen Unmögliches denken und testen

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Christel Voith

„Ein bisschen wIRR sind doch alle“ – so haben die Studenten des Vorstudiums Gestaltung augenzwinkernd ihre Abschlussausstellung in der Jugendkunstschule Bodenseekreis überschrieben. Am Samstag haben sie die Kunstwerke der Öffentlichkeit vorgestellt.

Am Treppenaufgang haben Kunstwerke die Besucher empfangen, erst recht oben in den eigens für die Ausstellung leergeräumten Atelierräumen. Eine Ausstellung für nur fünf Stunden, wie Christa (Kicki) Bartsch, die Leiterin der Jugendkunstschule, bedauernd feststellte. eEne Ausstellung, in der die in den Bewerbungsmappen eingereichten Kunstwerke fehlten, und doch ein vielfältiger, spannender Beweis der Kreativität und Experimentierfreudigkeit, die in diesem Haus ausgelebt wird.

Die Kunstwerke erzählen von den verschiedenen Projekten während des Studiums. Zeichnungen, Grafiken, Malerei, Fotografie, Videos oder Installationen – man wurde nicht müde, die individuellen Arbeiten zu betrachten.

Voller Stolz wies Landrat Lothar Wölfle in seiner Begrüßung darauf hin, dass viele der 17 Absolventen des Vorstudiums schon die Zusage einer Kunsthochschule in der Tasche haben, dass Sophia Carloni aus Daisendorf und Marina Ehrle aus Sipplingen mit dem Jugendkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurden. 587 Studenten in 23 Lehrgängen hätten bisher in der ältesten Kunstschule Baden-Württembergs das Vorstudium absolviert. Eine Einrichtung, die keineswegs nur ein „nice to have“, sondern notwendig sei: „Kunst trägt die Menschen, Kunst trägt die Gesellschaft.“ Wölfles Dank galt der Stadt Meersburg, der Eigentümerin der vom Bodenseekreis angemieteten Gebäude der Jugendkunstschule und der Kreisgalerie beim Neuen Schloss für das gute Miteinander.

Den Dank gab der stellvertretende Bürgermeister Peter Schmidt zurück: „Wir sind stolz darauf, in Meersburg diese Einrichtung zu haben und sind bereit, sie zu erhalten als Chance, dem Thema Kunst in Ruhe zu begegnen und sich auszutesten.“

„Sie machen einfach nur Freude“, sagte Jugendkunstschul-Leiterin Kicki Bartsch zu diesem Jahrgang, den sie nur ungern verabschiedet hat. Die engagierte harmonische Gruppe sei im vergangenen Jahr zur Vorstudiumsfamilie zusammengewachsen und habe zur „Akademiereife“ gefunden. Jeder habe seine künstlerischen Stärken und Vorlieben entdecken können, habe zur selbstbestimmten Arbeitsmotivation und zur nötigen Beharrlichkeit gefunden. Unmögliches zu denken und zu testen, Irritation zu wecken gehöre zur erwarteten Experimentierfreudigkeit, die sich in den ausgestellten Arbeiten zeigt. Mit einem Zertifikat und einem T-Shirt der Jugendkunstschule hat Kicki Bartsch ihre Schützlinge in eine neue, aufregende Zeit entlassen.

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