Schmeichelnde Lyrik und entfesselte Stürme

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Ein aufregendes Kammerkonzert hat im Meersburger Spiegelsaal das polnische „Meccore String Quartet“ gespielt: Von links die Geig
Ein aufregendes Kammerkonzert hat im Meersburger Spiegelsaal das polnische „Meccore String Quartet“ gespielt: Von links die Geiger Wojciech Koprowski und Jaroslaw Nadrzycki, Cellist Karol Marianowski und Bratschist Michal Bryla. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Ein atemberaubendes Kammerkonzert haben die Zuhörer am Samstagabend beim Schlosskonzert in Meersburg mit dem polnischen „Meccore String Quartet“ erlebt. Da kann man Rita Keller vom Kulturamt Meersburg nur von Herzen gratulieren, dass es ihr gelungen ist, dieses hochkarätige Ensemble nach Meersburg zu holen,

2007 haben die Musiker Wojciech Koprowski und Jaroslaw Nadrzycki, die wechselweise die erste und zweite Violine spielen, der Bratschist Michal Bryla und der Cellist Karol Marianowski das Ensemble gegründet – das Quartett und seine Mitglieder sind Stipendiaten des polnischen Kultusministeriums.

Schon die ersten Takte von Beethovens Streichquartett c-Moll op. 18/4 machen deutlich, warum dieses Ensemble vielfach preisgekrönt ist. Von Anfang an bauen die Musiker in ständigem Blickkontakt einen Spannungsbogen auf, der bis zum letzten Takt trägt. Mit viriler Kraft arbeiten sie Kontraste heraus, in einer Dynamik, die nicht einfach jugendlich stürmisch ist, sondern ebenso viel Reife und Reflexion verrät. Spannend, wie die Stimmen ineinandergreifen und sich verzahnen, wie in erregendem Auf und Ab Leuchten und Schatten wechseln. Bezaubernd ist das spielerische, fein vibrierende, federnde Musizieren im Scherzo – wem möchte man verdenken, dass die Zuhörer schon hier applaudieren. Rasch folgt das Menuetto mit seinen feinen Nuancierungen und dynamischen Crescendi, während zuletzt das keck dahinstürmende Allegro nach munterem Geistertreiben in ein hinreißendes Prestissimo mündet.

Ein suggestiver Ton nimmt in Karol Szymanowskis Streichquartett Nr. 1 C-Dur op. 37 von Anfang an gefangen. Ein süffiges spätromantisches Musizieren von einem Klangreichtum, der die orientalischen Einflüsse ebenso verrät wie die polnisch-folkloristischen. Ätherische Klänge wehen vorüber, ebenso gewaltige Gewitterstürme. Unvorhersehbar und fesselnd ist, wie dicht jede Stimme ihre eigenen Gedanken, auch tiefe Melancholie einbringt, es irrlichtert und spukt. Fast erschrickt man, so stürmisch setzt darauf das Vivace ein. Die wilde Tanzorgie verstummt, einzelne Stimmen lösen sich heraus, verbinden sich, halten jäh inne, das irrwitzige Tempo verebbt wieder bis zum gänzlichen Verstummen.

Neue Spannung bringt Robert Schumanns Streichquartett Nr. 1 a-Moll op. 41/1. Leichte Schwermut und und heitere Lebensbejahung stehen sich gegenüber, träumerische Lyrik und kreischendes Aufbäumen. Mitreißende Vitalität mit lyrischen Inseln bringt das Scherzo, edle gesangliche Schönheit das Adagio, das still verglüht. Und erneut reißt das Quartett im horrend virtuosen Presto mit spielerischer, ausgelassener Leichtigkeit mit. In der Zugabe kehren die Musiker augenzwinkernd zu Szymanowskis irrwitzigem Vivace-Satz zurück.

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