Rokoko-Spiegel von Joseph Anton Feuchtmayer kehrt zurück ins Neue Schloss nach Meersburg

Mitarbeiter hängen den Spiegel im fürstbischöflichen Schlafzimmer in der Beletage auf.
Mitarbeiter hängen den Spiegel im fürstbischöflichen Schlafzimmer in der Beletage auf. (Foto: Werner Hiller)
Schwäbische Zeitung

Ein Spiegel aus der Werkstatt des berühmten Stuckateurs und Bildhauers Joseph Anton Feuchtmayer ist wieder an seinen früheren Standort zurückgekehrt: Seit Oktober vergangenen Jahres ziert er das fürstbischöfliche Schlafzimmer in der Beletage des Neuen Schlosses Meersburg. Den Auftrag für ursprünglich zwei Spiegelrahmen hatte Feuchtmayer von Anselm II. Schwab, Abt des Klosters Salem, erhalten. 1753 gelangte das fertige Spiegelpaar von dort nach Meersburg – als Geschenk an den Fürstbischof. Danach verliert sich die Spur der beiden Spiegel, bis 2018: Bei einer Auktion in Bern war es den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg gelungen, einen Feuchtmayer-Spiegel zurückzukaufen. Nach seiner umfassenden Restaurierung ist das kostbare Ausstattungsstück nun wieder im Neuen Schloss zu sehen, heißt es in der Pressemitteilung. Der zweite Spiegel gilt als verschollen.

Seit vielen Jahren erwerben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, wo es möglich ist, Ausstattungsstücke ihrer Monumente zurück – mit dem Ziel, die Schlossräume in einem möglichst authentischen Zustand einzurichten, heißt es weiter in der Mitteilung. „Der Spiegel, der für Meersburg und Salem nachgewiesen ist, ist eine herausragende Ergänzung und Bereicherung der Sammlung“, sagt der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Michael Hörrmann zu dem Ankauf. Der Rokoko-Spiegel des Bildhauers und Stuckateurs Joseph Anton Feuchtmayer, einer der berühmtesten Künstler seiner Zeit im Bodenseeraum, wie es in der Mitteilung heißt, konnte im Dezember 2018 auf einer Auktion in Bern ersteigert werden.

Für die Staatlichen Schlösser und Gärten sei der erworbene Spiegel aus mehreren Gründen äußerst wertvoll: Das Spiegelglas mit Randfacettenschliff besitzt noch die ursprüngliche Zinnbeschichtung aus der Zeit um 1753. Das sei deshalb bemerkenswert, weil gläserne Spiegel zu den Ausstattungsstücken gehörten, die als erstes zerbrachen. Zudem wurden Spiegel im Alter oft „blind“, der Spiegeleffekt ging mit der Zeit verloren. Mit ihren verspielten, schwungvollen Formen und Ornamenten kamen viele der Werke Feuchtmayers mit der Zeit „aus der Mode“, wurden verkauft oder gar zerstört. Das Werk des Barockkünstlers ist daher nur fragmentarisch erhalten.

Auch der Meersburger Spiegelrahmen war im Lauf der Zeit stilistisch verändert worden. Im Zuge der Konservierung und Restaurierung entfernten die Restauratorinnen und Restauratoren der Staatlichen Schlösser und Gärten einige später hinzugefügte Elemente und Metallauflagen, die an wenigen Stellen mit Retuschen ergänzt wurden.

Die ursprüngliche Fassung ist weitgehend erhalten: Der Rahmen ist aus Holz geschnitzt. Er wurde anschließend vergoldet, versilbert und mehrfarbig gefasst. Mit den geschwungenen Formen bei den Blättern und dem Muschelwerk repräsentiert der Rokoko-Spiegel den expressiven Stil Feuchtmayers aus den 1750er-Jahren, erklärten die Staatlichen Schlösser und Gärten.

Der Spiegel ist aus einem weiteren Grund eine Rarität: Bei dem einzigartigen Rokoko-Kunstwerk handelt es sich um einen der wenigen Kunstgegenstände, die mit dem Konstanzer Fürstbischof Kasimir Anton von Sickingen in Verbindung gebracht werden können – der Spiegel trägt sein Wappen. Auch das mache den Spiegel für die Staatlichen Schlösser und Gärten zu einem besonderen Sammlungsobjekt: Er entstand nach dem Tod von Sickingens im Jahr 1750. Aus seiner kurzen Amtszeit von 1744 bis 1750 sind kaum Kunstgegenstände aus seinem Besitz erhalten. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger, seinem Neffen Franz Konrad von Rodt, gelang es Fürstbischof von Sickingen kaum, bleibende Akzente bei der Ausstattung des Neuen Schlosses in Meersburg zu setzen.

Der Salemer Abt Anselm II. gab ursprünglich ein Spiegelpaar bei Feuchtmayer in Auftrag. Dabei handelte es sich vermutlich um ein Geschenk für Fürstbischof Franz Konrad von Rodt, mit dem der Abt gleichzeitig an dessen Vorgänger Kasimir Anton von Sickingen erinnern wollte.

Wo das Meersburger Spiegelpaar nach 1753 seinen Platz fand, lässt sich nicht rekonstruieren. „Es ist davon auszugehen, dass der Spiegel in den knapp 220 Jahren seit der Auflösung des Fürstbistums bis heute mehrfach weitergegeben oder weiterverkauft wurde und sich an unterschiedlichen Orten befand“, bestätigt Carla Mueller, Oberkonservatorin bei den Staatlichen Schlössern und Gärten. Gut 250 Jahre nach dem Tod Feuchtmayers – er starb am 2. Januar 1770 – kehrte einer der beiden Spiegel an seinen ursprünglichen Platz zurück, die fürstbischöfliche Wohnung im Neuen Schloss.

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