Der Bodenseekreis sagt den Wegwerf-Kaffeebechern aus Pappe den Kampf an. Ab sofort gibt es deshalb bei zwölf Partnern im Kreis einen Pfand-Becher, der sich bis zu 500 wiederverwenden lässt.

Barbara Baur

Der Bodenseekreis hat jetzt einen Pfand-Kaffeebecher. Ab sofort soll er die Wegwerfbecher aus Pappe ersetzen. Zwölf Partner im gesamtem Landkreis beteiligen sich am System „Recup“. Landrat Lothar Wölfle stellte das System bei einem Pressetermin am Mittwoch auf der Fähre Konstanz/Meersburg der Öffentlichkeit vor.

Zu den Partnern zählen in erster Linie Bäckereien mit mehreren Filialen, aber auch die Fähre Meersburg/Konstanz, das Seezeit Studierendenwerk Bodensee, das die Mensen und Cafeterien der Hochschulen in Konstanz, Weingarten, Ravensburg und Friedrichshafen betreibt, und die Elektronikschule Tettnang.

„Die Kaffeekultur hat sich in den vergangen 20 Jahren stark geändert“, sagte er. „Heute kaufen viele Kunden einen Kaffee zum Mitnehmen.“ Das habe zur Folge, dass die Müllberge wachsen: Allein in Deutschland werden pro Stunde 320 000 Einmalbecher weggeworfen. Heruntergerechnet auf den Bodenseekreis seien das immer noch 800 Becher in der Stunde. Wölfle nannte weitere Zahlen, um den Ressourcenverbrauch zu veranschaulichen. Für die 2,8 Milliarden Becher, die in Deutschland jährlich über die Theke gehen, müssten 43 000 Bäume gefällt, 320 Millionen Kilowattstunden Strom und 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht werden. Außerdem werden 110 000 Tonnen CO2-Emissionen verursacht. All diese Ressourcen landen in Form von 44 000 Tonnen Pappbechern nach nur einer Nutzung auf dem Abfall. „Das hat viele Menschen nicht losgelassen“, sagte Wölfle.

Im Bodensee-Design

Ein Arbeitskreis suchte nach Partnern, um die Idee eines Pfandsystems umzusetzen. Es konnte Bäcker und Bistros gewinnen, zu deren Angebot auch Kaffee zum Mitnehmen zählt. Das Münchner Unternehmen Recup steuert die wiederverwendbaren Becher bei, die für den Bodenseekreis ein eigenes Design erhalten. Die hellbraunen und helltürkisen Becher aus Kunststoff sind dezent mit einigen markanten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten verziert, unter anderem mit einem Zeppelin.

Für einen Euro Pfand können Kunden einen Becher mitnehmen und an einem anderen Ort wieder abgeben. Dort wird er gespült und ist dann bereit, bis zu 500 Mal wiederverwendet zu werden. Denkbar sei, das Pfandsystem auch in andere Landkreise weiterzutragen. Laut Landrat Lothar Wölfle werden bereits Gespräche mit dem Landkreis Konstanz geführt.

Pfandsystem an 600 Standorten

Ein Becher aus dem Bodenseekreis muss übrigens nicht zwangsläufig wieder dort abgegeben werden. Wer etwa nach München fährt, findet dort auch ein Pfandsystem von Recup vor – und kann dort dann seinen Becher abgeben. Vor eineinhalb Jahren entstand die Idee von Recup. Inzwischen ist das Pfandsystem an 600 Standorten vertreten. Dazu gehören Städte wie Berlin, Köln oder Oldenburg, aber auch Regionen wie das Allgäu oder jetzt der Bodenseekreis. „Ich freue mich, hier zu starten und die Welt ein bisschen verbessern zu können“, sagte Recup-Geschäftsführer Florian Pachaly. Seine Vision sei eine Welt ohne Wegwerfbecher. „Der Erfolg des Systems hängt von allen Beteiligten ab“, sagte er.

Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodensee, wies darauf hin, dass 50 Prozent der Coffee-To-Go-Becher (Englisch für Kaffee zum Mitnehmen) von Bäckereien verkauft werden. Einerseits könnten Bäckereien sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Andererseits seien sie mit Blick auf den Umweltschutz gefordert, Alternativen zum Wegwerfbecher zu finden. „Es sind noch nicht alle Bäcker aus dem Landkreis dabei, aber ich bin mir sicher, dass bald noch mehr mitmachen werden“, sagte Beetz.

Hier gibt es den Becher

Den Bodensee-Becher gibt es in Friedrichshafen bei den Bäckereien Kloos, Knor, und der Backstube Weber, in Frickingen und Salem bei der Landbäckerei Baader, in Hagnau beim Hotel-Café Löwen, in Markdorf bei der Bäckerei Kloos, in Meckenbeuren bei Stefans Beck, in Tettnang in der Elektronikschule und in Überlingen bei der Bäckerei Diener. Außerdem machen die Bistros auf der Fähre Konstanz/Meersburg und das Seezeit Studierendenwerk Bodensee mit.

Er kann für einen Pfand in Höhe von einem Euro mitgenommen und bei allen Partnern wieder abgegeben werden. Die Kunststoffbecher gibt es derzeit noch mit einem Einwegdeckel, doch Recup ist dabei, auch einen Mehrwegdeckel zu entwickeln. Über eine App können Kunden die Partner finden, die sich am Recup-Pfandsystem beteiligen.

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