Peter Schmidt: „Er hat uns Sehen gelehrt“

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Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Ausstellung im Kulturzentrum des Winzervereins Meersburg (Kronenstraße 19) und im Wohnstift Augustinum Meersburg (Kurallee 18) bis 3. Juni, geöffnet Freitag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Zum 50. Todesjahr des Meersburger Malerpoeten Hans Dieter (1881-1968) zeigt der Kulturverein Meersburg im Kulturzentrum des Winzervereins und im Flur des Wohnstifts Augustinum eine fulminante Doppelausstellung mit Dieters Werken.

Viele Kunstliebhaber sind am vergangenen Sonntagmorgen ins Obergeschoss des Winzervereins gekommen, um die Eröffnung der bislang größten Ausstellung für den im Dezember 1968 verstorbenen Maler mitzuerleben. Bild hängt an Bild, wie früher in den Kunstkabinetten des Adels. 115 Gemälde und Zeichnungen von 29 meist privaten Leihgebern hat Michael E. Dörr, der Vorsitzende des Kulturvereins, zusammengetragen, eine Fülle, wie sie bisher noch nie zu sehen war und so die vielen Facetten des Künstlers erleben lässt. Für den kleinen Ausstellungskatalog hat Diethard Nowak alle Bilder fotografiert und Texte zu Leben und Werk des Künstlers beigefügt.

Zwar gab es schon im alten Meersburger Stadtmuseum eine Reihe wichtiger Gemälde des Meersburger Ehrenbürgers, im Mai 1985 auch eine umfangreiche Ausstellung in der Kressbronner Galerie in der Lände, doch sonst war es still geworden um einen herausragenden Maler, der noch die perspektivische Malerei beherrschte und pflegte und keine Scheu zeigte, die Schönheiten der Bodenseeregion und ganz besonders des Meersburger Raumes zu porträtieren. Natürlich hat Hans Dieter auch Menschen porträtiert, einige Beispiele erfreuen auch den Besucher des kleineren Ausstellungsteils im Augustinum. So viele Bilder waren zusammengekommen, dass man die Gedächtnisausstellung aufteilen musste. Gut so, denn jedes weggelassene Bild hätte gefehlt. Nicht nur die zahlreichen atmosphärischen Landschaftsbilder, sondern auch der kleine Esel, der dem Besucher im Augustinum entgegenblickt – eigentlich ein unscheinbares Bild, doch wie viel Ausdruck steckt in der Miene des angebundenen Tieres.

Kostbarkeiten sind Dieters Interieurs, die im Winzerverein zu bewundern sind. Man spaziert mit den Augen durch den Raum, genießt die Gestaltung des Lichtes. Meisterhaft ist auch, wie zeitlos schön Hans Dieter wolkenverhangene Wintertage zum Leben bringt: Ruhig liegen die Häuser mit ihren schneebedeckten Dächern im milden Licht der Wintersonne, ein Ausruhen nach einem langen, anstrengenden Sommer – Motive, an denen viele achtlos vorübergingen, wären sie nicht so meisterlich ins richtige Licht gerückt. „Er hat uns das Sehen gelehrt“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Peter Schmidt in seiner Laudatio.

„Bilder atmen die Schönheit der Natur“, wurde einmal gesagt, hier hängen sie, zeigen das Land am See und das Hinterland. Heute, wo immer neue Wohn- und Industriegebiete entstanden sind, muss man suchen, bis man solche Blicke findet. Es ist nicht Nostalgie, sondern die Sehnsucht nach echter Natur, die uns wieder mehr anspricht als vor Jahren, als solches Malen verpönt war.

Ausstellung im Kulturzentrum des Winzervereins Meersburg (Kronenstraße 19) und im Wohnstift Augustinum Meersburg (Kurallee 18) bis 3. Juni, geöffnet Freitag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

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