Monika Taubitz ist jetzt offiziell Ehrenbürgerin

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Bürgermeisterstellvertreter Peter Schmidt (v.l.) überreicht Monika Taubitz den handgeschriebenen Ehrenbürgerbrief, von Bürgermei
Bürgermeisterstellvertreter Peter Schmidt (v.l.) überreicht Monika Taubitz den handgeschriebenen Ehrenbürgerbrief, von Bürgermeister Robert Scherer bekommt sie einen Blumenstrauß. (Foto: Barbara Baur)
Schwäbische Zeitung

Die Schriftstellerin Monika Taubitz ist am Donnerstagabend offiziell zur Ehrenbürgerin der Stadt Meersburg ernannt worden. Zum Festakt kamen zahlreiche Angehörige, Freunde und Wegbegleiter in die Sommertalhalle. Sowohl Bürgermeister Robert Scherer, als auch Landrat Lothar Wölfle und Laudator Siegmund Kopitzki würdigten ihr literarisches Werk, mit sie insbesondere die Themen Flucht und Vertreibung sowie die deutsch-polnische Aussöhnung in den Fokus rückt.

„Dass so viele Menschen gekommen sind, um mit Ihnen zu feiern, zeigt, wie beliebt Sie sind und wie Sie in der Stadt gewürdigt werden“, sagte Bürgermeister Robert Scherer bei seiner Begrüßung zu Monika Taubitz. Eigentlich war es geplant, im Spiegelsaal des Neuen Schlosses zu feiern. Doch die Stadtverwaltung musste umdisponieren, weil sich so viele Gäste angemeldet hatten. Sie habe nicht nur der Stadt Meersburg ein literarisches Denkmal gesetzt, sondern engagiere sich für Hilfesuchende und deren Integration. „Die Vertreibung aus Ihrer Heimat Breslau im Zweiten Weltkrieg ist ein zentrales Thema in Ihrem literarischen Werk“, sagte er.

Auch Landrat Lothar Wölfle gratulierte der Autorin. Sie habe „in herausragender Weise“ Brücken zwischen Menschen und Ländern gebaut. Die Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg sei besonders schwierig gewesen. Einerseits lag Polen hinter dem Eisernen Vorhang, andererseits habe sich die DDR als direkter Nachbar nicht als Nachfolgestaat von Nazi-Deutschland gesehen. Auch aktuell gebe es auf politischer Ebene zwischen beiden Staaten unterschiedliche Auffassungen, sagte er. Deshalb sei Annäherung nach wie vor ein wichtiges Thema.

Der Konstanzer Kulturjournalist Siegmund Kopitzki hielt die Laudatio auf Monika Taubitz. Er habe sie erst seit drei Jahren für sich entdeckt, sagte er. Davor habe er sie zwar wahrgenommen, doch als eine Autorin von vielen am See. Eine Lehrerin, die nebenher schreibt, „als literarisches Leichtgewicht, wenngleich ein sympathisches“, sagte er. In einem habe er Recht gehabt, sie sei sympathisch. Bei der näheren Beschäftigung mit ihrem Werk musste er sich aber eingestehen, dass sie ein literarisches Schwergewicht. „Sie ist die schlesische Stimme der zeitgenössischen deutschen Literatur“, zitierte er den Literaturkritiker Georg Ascht. „Aber nicht allein das. Sie wird meiner Meinung nach unterschätzt – vor allem hierzulande“, sagte Kopitzki.

Als Kind wird sie aus ihrer schlesischen Heimat vertrieben

Dass Monika Taubitz sich in ihrem Werk unter anderem intensiv mit den Themen Flucht und Vertreibung befasst, liegt an ihrer persönlichen Geschichte. Im Winter 1946 beginnt die Vertreibung der in Schlesien lebenden Deutschen. Als sie neun Jahre alt ist, wird sie mit ihrer Mutter und ihrer Tante vertrieben. Ihr Vater war zuvor an einer Lungenentzündung gestorben. Die drei Frauen werden mit anderen Vertriebenen in einen Viehwaggon verladen, frierend und hungernd kommen sie in Nordenham an der Weser an. „Willkommenskultur ist seinerzeit ein Fremdwort“, sagte Kopitzki. „Die Neuankömmlinge aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten werden als Plage empfunden.“ Die Themen Flucht, Vertreibung und Aussöhnung repräsentieren dennoch nur die Hälfte ihres Schaffens, sagte er.

Über Umwege landet die Familie zunächst in Wangen im Allgäu, nach dem Pädagogik-Studium zieht Monika Taubitz nach Meersburg, wo sie bis 1997 als Lehrerin arbeitet. Meersburg wird ihr zu einer zweiten Heimat, was sich ebenfalls in ihrem Werk widerspiegelt. Sie schreibt nicht nur Romane, sondern auch Gedichte und Essays, sie verfasste ein Hörbuch und ist als Herausgeberin aktiv. Ihre Gedichte handeln von der Natur, von der Einsamkeit des Menschen im täglichen Kampf gegen das Schicksal. Siegmund Kopitzki schloss seine Laudatio mit dem Wunsch: „Wie wär’s, wenn die Jury des Droste-Preises das nächste Mal Monika Taubitz bedenkt?“ Dafür bekam er viel Beifall.

Nachdem Bürgermeister Robert Scherer und sein Stellvertreter Peter Schmidt ihr mit einer Urkunde die Ehrenbürgerwürde übertragen hatten, bedankte sich Monika Taubitz. „So viel Applaus habe ich in meinem Leben noch nie bekommen“, sagte sie mit strahlenden Augen. Sie sie gerührt, dankbar und erfreut. Sie berichtete von dem Tag, als sie Meersburg das erste Mal sah. Als Lehrerin sei es immer ihr Bestreben gewesen, ihren Schülern „das Herz zu öffnen für ihre Heimatstadt“, sagte sie. Sie sei reich an Kultur, eine Stadt der Literatur, die Leute aus aller Welt anziehe. Dass sie seit nahezu 53 Jahren dort Lebe, sei ihr ganz persönlicher Glücksfall. Sie sei endlich beheimatet und froh, kein Fremdling zu sein.

Das Blechbläserensemble der Knabenmusik Meersburg umrahmte den Festakt unter Leitung von Christoph Maaß musikalisch.

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