Meersburger ist nach Badeunfall auf Bali wieder zuhause

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 Marcus Samsa ist nach dem Badeunfall auf Bali in einer Klinik in Tübingen in Behandlung.
Marcus Samsa ist nach dem Badeunfall auf Bali in einer Klinik in Tübingen in Behandlung. (Foto: samsa)

Fünf Wochen ist es nun her, dass der Meersburger Marcus Samsa in seinem Urlaub auf der indonesischen Insel Bali beim Baden verunglückt ist und sich mehrere Halswirbel gebrochen hat. Seine Freunde haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen, denn er hatte keine Auslandskrankenversicherung. Die Kosten für die Behandlung und vor allem auch den Krankentransport von Indonesien nach Deutschland werden sich voraussichtlich auf 150 000 Euro belaufen – eine Summe, die die wenigsten Menschen auf der hohen Kante haben dürften.

Über die Spendenaktion kamen bisher von knapp 1400 Menschen und Organisationen rund 123 000 Euro zusammen, ein großer Teil davon über das Internet. Doch auch in Marcus Samsas Heimat gab es zahlreiche Aktionen für den Meersburger. Freunde und Bekannte backen, basteln und arbeiten, um den Erlös ihm zur Verfügung zu stellen. „Es haben auch Leute Aktionen gestartet, die ihn überhaupt nicht kennen“, sagt seine Freundin Mandy Neumann.

Darunter das Tattoo-Studio XXXL, die Waxbar und das indische Restaurant Goa aus Markdorf. „Sie haben einen Tag lang umsonst gearbeitet und das Geld für Marcus gespendet“, sagt Mandy Neumann. Auch auf den Weihnachtsmärkten in Meersburg und Hagnau sei für ihn gesammelt worden und in der Tankstelle in Meersburg sei ein Kässchen aufgestellt worden. Und das sind nur einige Beispiele.

Marcus Samsa vor dem Unfall: Er ahnte nicht, was passieren würde. (Foto: https://www.gofundme.com/bitte-helft-uns-marcus-samsa-nach-hause-zu-holen)

Seine Arbeitskollegen von der Spitalkellerei Konstanz verzichteten auf eine große Weihnachtsfeier und kochten stattdessen selbst. „Wir bekommen so viel Anteilnahme – von überall her“, sagt Mandy Neumann. Das habe bereits in Indonesien im Krankenhaus begonnen, wo er von Ärzten und Pflegern sehr gut behandelt worden sei und auch andere Patienten sich von seinem Schicksal berühren ließen.

Es haben auch Leute Aktionen gestartet, die ihn überhaupt nicht kennen Freundin Mandy Neumann

„An der Stelle am Strand, an der der Unfall passiert ist, gab es vor seinem Rückflug eine Zeremonie, damit seine Seele mit ihm nach Deutschland kommt“, berichtet seine Freundin und erläutert: „Die Einheimischen glauben, dass die Seele dort bleibt, wo jemand einen Unfall hat oder stirbt.“

Anteilnahme auch in Afrika

Über die Spendenaktion im Internet haben weltweit Menschen vom Schicksal des 39-Jährigen erfahren und sich bei seinen Angehörigen gemeldet. Zum Beispiel mehrere Menschen aus einem Dorf in Afrika. „Sie haben uns geschrieben, dass sie gerne helfen würden, aber kein Geld übrig haben“, erzählt Mandy Neumann. „Sie haben uns geschrieben, dass sie jeden Tag für Marcus beten.“ Auch ehemalige Arbeitskollegen – Marcus Samsa hat mal als Barkeeper in einer Après-Ski-Bar auf dem Feldberg gearbeitet – mixen dieses Saison ein spezielles Getränk für ihn. Das Geld, das sie mit dem Verkauf des Shots mit dem Namen „Samsa“ erzielen, überlassen sie nach Abzug des Einkaufspreises dem Meersburger.

Wir dachten, wir seien versichert. Es war ein Fehler, dass wir das nicht überprüft haben

Während all das passiert, ist Marcus Samsa nach wie vor in einer Klinik in Tübingen. „Ihm geht es soweit gut. Sein Zustand ist stabil“, sagt Mandy Neumann. Doch sie sagt auch, dass es vor allem die Anteilnahme der vielen Menschen ist, die ihm Auftrieb gibt. „Es ist nicht nur unglaublich, dass viele gespendet haben. Es ist auch, dass sie ihm Kraft geben weiterzumachen“, sagt sie.

Schmerzhafter Lernprozess

Der Unfall auf Bali und die Folgen ein überaus schmerzhafter Lernprozess gewesen. „Wir würden nie wieder ohne Auslandskrankenversicherung in den Urlaub gehen“, sagt sie. Dass er nicht versichert gewesen sei, sei auch eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen. Früher hätten sie immer über das gleiche Internetportal gebucht und seien dann als Kunden versichert gewesen.

Doch diesmal buchten sie anders – und lasen nicht das Kleingedruckte. „Wir dachten, wir seien versichert. Es war ein Fehler, dass wir das nicht überprüft haben“, sagt sie. Wie sich der Gesundheitszustand von Marcus Samsa weiterentwickeln wird, ist noch nicht klar. Momentan bekommt er Anwendungen, damit seine Arme und Beine nicht steif werden. Ob er jemals wieder gehen können wird, ist ungewiss.

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