Konträre Künstlerinnen werden ausgzeichnet

Lesedauer: 4 Min
Lisa Marie Pfeffel wird bald auch in Überlingen ausstellen.
Lisa Marie Pfeffel wird bald auch in Überlingen ausstellen. (Foto: Fotos: Wolters)
Schwäbische Zeitung
Martina Wolters

Mit der doppelten Preisvergabe am Mittwochabend im Spiegelsaal des Neuen Schlosses ist die diesmal höchst internationale Ausstellung „Objekt_Tief! Jung + gegenständlich“ des Bodenseekreises zu Ende gegangen. Unter 28 ausstellenden Nachwuchskünstlern hat sich eine vierköpfige Jury für die riesigen Abbildungen von Kinderköpfen der 28-jährigen Gymnasiallehrerin Lisa-Marie Pfeffel aus Karlsruhe entschieden. Das Publikum hingegen sprach sich für das feinsinnige Porträt der aus der Ukraine stammenden Anna Rofka aus.

Sie sind riesig, bis zu anderthalb Meter groß, die Köpfe, die die studierte Malerin und Grafikerin, Pfeffel, mit zarten Aquarellfarben erstellt. Doch trotz der feinen Farbwahl handelt es sich offenkundig nicht um Kinderbilder, wie sie der Norm entsprechen. „Wir wünschen uns fröhliche, hübsche, spielende und zurückhaltende Kinder“, betont Kreisgalerieleiterin Heike Frommer in ihrer Laudatio, die bis heute manifestierte Grunderwartung eines idyllischen Kinderlebens.

Wer die Kinderdarstellungen der jungen Lehrerin für Kunst und Deutsch genau betrachtet, mit überdimensionierten Mündern oder verrutschtem Ohr, spürt das Bröckeln der heilen Welt. „Ihre Bilder spielen nicht mit unseren Erwartungen, sie erfüllen sie nur einfach nicht“, sagt die Galerieleiterin über Pfeffels Werke.

Das Preisgericht, in dem neben Heike Frommer der Kreiskulturamtsleiter Stefan Feucht, Galerist Michael Walz und Künstler Bernhard Huber entscheiden, ist der Meinung, der Künstlerin sei es gelungen, dem Kinderporträt eine neue Dimension zu verleihen.

Handwerkliches Geschick

Die Spannung von Pfeffels Riesenbildern sehen sie in der „Ambivalenz zwischen Kindlichkeit und Abgründigkeit“ begründet. Jury- Lob gibt es auch für die „handwerkliche Qualität der Arbeiten“ und für Bildaufbau und Komposition Pfeffel bekommt zusätzlich zum Preisgeld in Höhe von 4000 Euro eine Einzelausstellung in der Überlinger Galerie Fähnle in 2017. Beinahe konträr zur Jurywahl fällt hingegen die Wahl der Besucher aus. Sie haben sich für das kleinformatige Frauenporträt in Öl der 32-jährigen Ukrainerin Anna Rofka entschieden, die seit zwei Jahren unter anderem an der Städtischen Kunstschule und der Internationalen Kinder- und Jugendakademie in Singen unterrichtet.

Was die Ausstellungsgäste an Anna Rofkas Ölgemälden angezogen hat, kann die Laudatorin nur vermuten. Hervorzuheben ist für die Kunsthistorikerin, der „auffällige Hell-Dunkel-Kontrast“ wie er sich in der niederländischen Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts finde. Einige Gäste hatten sie auf das Leuchten in den Augen der Porträtierten hingewiesen, erzählt Frommer. Die Malerin selber sagt zu ihrem Frauenkopf, es habe nichts ablenken sollen vom Gesicht. „Weil Schönheit nicht schreit, sie strahlt“, so Rofka.

Landrat Lothar Wölfle unterstrich Vielfalt und Internationalität der diesjährigen Förderpreis-Ausstellung und versprach eine Fortsetzung auch über den Tod ihres langjährigen Förderers hinaus. Kerstin Bock nahm die Finissagebesucher per Beamer mit, einen letzten Blick Mal auf die ausgestellten Werke zu werfen.

Mehr Informationen zu den Preisträgerinnen gibt es im Internet unter

www.lisamariepfeffel.com

www.europeanatelier-michaelrofka.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen