Joel Berger gibt Kostproben jüdischen Humors

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Mit viel Chuzpe erzählt der ehemalige Landesrabbiner Joel Berger jüdische Anekdoten und Witze.
Mit viel Chuzpe erzählt der ehemalige Landesrabbiner Joel Berger jüdische Anekdoten und Witze. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Mit Kostproben jüdischen Humors sind am Samstagnachmittag im Wohnstift Augustinum in Meersburg die Jüdischen Kulturwochen Bodensee eröffnet worden, die von der Synagogengemeinde Konstanz und dem Kulturverein Meersburg veranstaltet werden. Wie im vergangenen Jahr durften sich die Zuhörer zur Eröffnung wieder über den Vortrag des ehemaligen Landesrabbiners Joel Berger freuen, aus dem jüdische Anekdoten und Witze nur so hervorsprudelten.

Erste Lacher erntete er, als er die Gäste in „Merseburg“ begrüßte. Sein Dank galt zuerst dem Organisator Michael Dörr, dem Vorsitzenden des Kulturvereins Meersburg: „Der Einzige, der hier organisieren kann – Juden sind immer unorganisiert“, meinte er. Er freute sich über die Einladung ins badische „Ausland“, denn trotz 25 Jahren als Landesrabbiner in Stuttgart habe er dort nie die Jüdischen Kulturwochen eröffnen dürfen: „Zu Hause wird man nie so ernst genommen.“

„Was ist ein jüdischer Witz?“, fragte er. Die Antwort: „Was der andere nicht versteht.“ Der Bauer lache gleich drei Mal: einmal aus Höflichkeit, das zweite Mal, wenn man ihm den Witz erklärt, und das dritte Mal, wenn er ihn versteht. Der Höhergestellte nur zwei Mal: das Verstehen fällt hier weg. Der General aber nur einmal: Der lässt sich gleich gar nichts erklären.

Es ist unmöglich, nun auch nur ansatzweise Beispiele zu bringen, immer aber seien Anekdoten und Witze Zeichen ihrer Zeit. Joel Berger habe, nach dem er die Kindheit in Ungarn im wahrsten Sinne überlebt hatte, in vielen Diktaturen gelebt, die Sowjetdiktatur wie die kommunistische Diktatur habe jeweils ihren besonderen Touch hinzugefügt. Beispiel: „Wie unterhält sich ein gebildeter Pole mit einem dummen Polen? – Von New York aus per Telefon.“ Oder zu Israel: „Typisch jüdische Organisation“, sagt der Fallschirmspringer, als der Fallschirm sich nicht öffnet, „wahrscheinlich wartet unten auch das Jeep nicht.“

Zu alten Klassikern meinte Berger: „Es gibt keine alten Witze, nur alte Leute – die Jungen kennen sie noch nicht.“ Noch ein letzter: Wann wirst du mal Schweinefleisch essen mit mir?, fragt ein Priester den Rabbi. – Auf deiner Hochzeit, sagt dieser.

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