Jeder darf’s sehen: Fürstenhäusle erstrahlt wie neu

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 Zur offiziellen Eröffnung des frisch restaurierten Fürstenhäusle der Dichterin Hülshoff erschienen (von links vorn nach hinten
Zur offiziellen Eröffnung des frisch restaurierten Fürstenhäusle der Dichterin Hülshoff erschienen (von links vorn nach hinten) Finanzministerin Edith Sitzmann, Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten BW, MdL Klaus Hoher (FDP), Hermann Zettler, Leiter Amt Ravensburg „Vermögen und Bau“ in BW und Georg Wacker, Geschäftsführer der staatlichen Toto-Lotto GmbH BW. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Altes Haus, neues Konzept: Die Renovierungsarbeiten im Fürstenhäusle in Meersburg sind abgeschlossen. Das Haus wurde innen und außen komplett restauriert. Insgesamt haben die Arbeiten 930 000 Euro gekostet. Davon hat die staatliche Toto-Lotto GmbH des Landes Baden-Württemberg 418 000 Euro finanziert. Mit einem Festakt im neuen Schloss Meersburg haben die Finanzministerin des Landes, Edith Sitzmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten in Baden-Württemberg, Michael Hörrmann, Bürgermeister Robert Scherer sowie Georg Wacker, Geschäftsführer der Toto-Lotto GmbH des Landes, das Fürstenhäusle offiziell als Begegnungsstätte eröffnet.

Knapp zwei Jahre haben die Umbauarbeiten in Anspruch genommen, dabei wurde die bisherige Nutzung als Wohnung und Museum aufgegeben. 1843 hat die Dichterin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff das Fürstenhäusle mit seinem Blick auf die Altstadt und dem Bodensee ersteigert. Sie zahlte 700 Gulden, die sie mit dem Verkauf ihres ersten Gedichtbands verdiente, und erwarb das Haus am damaligen Stadtrand von Meersburg sowie den dazugehörigen Weinberg. „Man munkelt sogar, dass sie mit dem Verkauf von ihrem Wein mehr Geld verdiente, als mit ihren Gedichtbänden“, sagt Finanzministerin Edith Sitzmann.

In ihrer Rede hielt sie eine historische Rückschau über das Fürstenhäusle, das von Fürstbischof Jakob Fugger 1604 in Auftrag gegeben wurde. Ursprünglich sei das zweigeschossige Gebäude ein Gartenhaus mit 35 Quadratmetern gewesen, das dem Fürstbischof zur Erholung diente. Gut 200 Jahre war es in Besitz der Fürstbischöfe von Konstanz, bis die Dichterin es erworben habe. Doch die Dichterin konnte das sogenannte Fürstenhäusle nur fünf Jahre nutzen, da sie 1848, wenige Monate nach ihrem 51. Geburtstag, starb.

Nach ihrem Tod blieb das Haus in Besitz ihrer Familie, die es mit einem Anbau erweiterte. Schließlich erwarb das Land Baden-Württemberg 1960 das Haus und die Weinberge werden vom Staatsweingut Meersburg verwaltet. Nach den Umbau- und Sanierungsarbeiten ist das Haus jetzt der Schriftstellerin als literarischer Ort gewidmet. Familienporträts und Einrichtungsgegenstände im Erd- und oberen Geschoss des ursprünglichen Gebäudes zeugen davon. Im „Schwalbennest“, wie die Dichterin das Häuschen – und auch speziell ihr Schreibzimmer – bezeichnete, stehen historische, restaurierte Möbel, Handschriften, Bilder und Sammlungen als Zeitzeugen für ihr Schaffen als Schriftstellerin und im Erdgeschoss ein Klavier aus der Zeit der Droste-Hülshoff für ihr Lebenswerk als Komponistin.

Barrierefreier Zugang

Die Terrasse ist komplett erneuert und mit einem barrierefreien Zugang versehen, die im Anbau in einen vergrößerten Empfangsraum mündet. Im Obergeschoss wurden die ehemaligen Wohn- und Schlafräume zusammengefasst und zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsraum ausgebaut. „Hier können beispielsweise Lesungen oder auch kleinere Empfänge stattfinden“, sagte Michael Hörrmann. Zurzeit ist dort ein multimedialer Informationskubus aufgebaut, der Auskunft über das Leben und Wirken der Annette von Droste-Hülshoff gibt. Des Weiteren stehen dort sogenannte Hörfiguren in Form von zweidimensionalen, lebensgroßen Schattenrissen von Menschen, die der Schriftstellerin nahestanden. Wie beispielsweise ihre Schwester Jenny von Laßberg und deren Ehemann Joseph von Laßberg und auch ihrem Dichterfreund Levi Schücking. Die Figuren „erzählen“ Wissenswertes über sich.

Hermann Zettler, Leiter des Amtes in Ravensburg für Vermögen und Bau des Landes Baden-Württemberg, und der Meersburger Bürgermeister Robert Scherer sprachen von einem kulturellen Kleinod, das geschaffen worden sei. Sämtliche Redner lobten die Qualität der Restaurationsarbeiten. „Ich freue mich, dass das Fürstenhäusle wieder als lebendiger Ort für viele Menschen zugänglich ist“, sagte die Ministerin, die sich bei Georg Wacker für die finanzielle Unterstützung bedankte. Der Zuschuss in Höhe von 418 000 Euro stammt aus nicht abgeholten Gewinnen der Lotterie Glücksspirale „und somit sind die treuen Tipper die eigentlichen Mäzene des Fürstenhäusle“, sagte Wacker.

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