Hörvergnügen im Doppelpack

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Schwäbische Zeitung
Martina Wolters

Das traditionelle Doppelkonzert im Advent erfreut sich über Meersburg hinaus großer Beliebtheit. Vor vollen Rängen haben sich Stadtkapelle und Knabenmusik am zweiten Adventssonntag wieder mächtig ins Zeug gelegt und ihr Publikum begeistert, Neuerungen inklusive.

Die Stadtkapelle unter bewährter Leitung von Marianne Halder gefiel mit ihrem Mix aus anspruchsvoller Instrumentalmusik, und stimmungsvollen Adventsliedern zum Mitsingen. Für die humorig-freche und bisweilen besinnliche Anmoderation zeichnete Klarinettist Christian Bruns verantwortlich. Musikdirektor Rainer Kropf , der zum Jahresanfang an die Böblinger Musik- und Kunstschule wechselt, präsentierte seine Musiker ebenfalls mit einem aufwändigen Programm. Erstmals waren mit Jule Hoffmann (Oboe) und Luisa Stecher (Querflöte) auch zwei Mädchen mit von der Partie. Den Ansagepart bei den Jungmusikern übernahm Luis Keck.

Gewaltiger Gongschlag

Mit einem gewaltigen Gongschlag gleich zu Beginn ihres Konzertteils riefen die Stadtkapellenmusiker auf originelle Art zur Aufmerksamkeit. Alle Köpfe reckten sich hernach zur Hallenempore. Denn von dort erklang überraschenderweise das Kirchnlied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, dargeboten vom Bläserensemble der Kapelle. Die musikalische Leitung funktionierte offensichtlich auch über die Entfernung zwischen Sommertalbühne und Empore hinweg. Noch einmal verblüffte diesmal das gesamte Orchester die Zuhörer mit einem aufregend-frischen Stück der australischen Musikpädagogin Jodie Blackshaw. Voller Vertrauen auf ihre Musiker ließ Dirigentin Marianne Halder die im Stück geforderten Freiheiten zu, selbst zu entscheiden, wie schnell oder laut zu spielen sei. Die Instrumentalisten waren sozusagen im freien Spiel gefordert, zusammenzufinden. Zunächst ungewohnter Vielklang schwoll an, abgelöst von angedeutetem Wellenrauschen, schließlich ist das dargebotene Stück nach der japanischen Insel Sado benannt. Ruhige Zischlaute und leises Brummen aus Musikermund vermischten sich mit dem breiten Klangspektrum zu einer harmonischen Einheit. Die Zuhörerschaft applaudierte kräftig. Auch die beiden musikalischen Highlights, der festliche Choral „O Magnum Mysterium und die inoffizielle schottische Nationalhymne „Highland Cathedral“, beide im Blasorchesterarrangement, kamen sehr gut an. Das Konzertpublikum forderte gleich mehrere Zugaben für den stimmungsvoll – niveauvollen Konzertpart.

Die Knabenmusiker stiegen ein mit der festlich-klangreichen Ouvertüre „Valhalla“ von James L. Hosay und einem Duett aus der Verdi- Oper „Don Carlos“. Besonderen Gefallen fand die Zuhörerschaft an den asiatisch anmutendem Klangerlebnis plus Glockenspiel bei dem Stück „Beautiful Evening of prairie“ aus der Feder von Wang Hesheng. Amüsiert zeigten sich die Konzertgäste auch ob der Geschichte der Instrumentenfamilien. Lobenden Sonderapplaus hatten sich die Posaunen-Solisten Jannik Hoffmann, Johannes Markhart und Simon Sträßle verdient. Christoph Maaß, der ab Januar kommissarisch die Leitung des Knabenorchesters übernehmen wird, erzählte die Liebensgeschichte zwischen Klarinette und Trompete bis zum Happy End, entsprechend instrumentalisiert von den Knabenmusikern. Viel Beifall war den Jungs um Rainer Kropf sicher. Der Musikdirektor nutzte die Gelegenheit, sich offiziell zu verabschieden und dankte sich bei seinem Ensemble für drei schöne Jahre in Meersburg. „Wir haben unglaublich viel erlebt“, betonte er und nannte als Beispiel die Konzertreise nach Asien in diesem Jahr.

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