Fehlanzeige: Eiswein-Jahrgang 2010 fällt aus

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Schwäbische Zeitung

(dre/li/dave) - Es sah schon fast so aus, als sei der Winter vorüber – jetzt sind neue Schneeflocken angesagt. Doch auch wenn es nochmal kalt wird, eines steht bereits fest: Aus diesem Winter wird es keinen Eiswein vom badischen Bodensee geben.

Das hat allerdings nichts mit den aktuellen Temperaturen zu tun, sondern damit, dass die Winzer erst gar keine Trauben an den Rebstöcken gelassen haben. „Nach den großen Ausfällen durch den Hagel im Vorjahr war es uns wichtiger, die Weinkeller voll zu bekommen. Wir waren wir froh um jedes Tröpfle“, sagt Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg. Ohnehin geht der Meersburger Verein das Risiko, bei zu hohen Temperaturen einen Teil der Ernte komplett zu verlieren, eher selten ein. In der Regel werden alle Trauben regulär gelesen. So ist die letzte Eisweinlese beim Meersburger Winzerverein bereits sieben Jahre her: „Im Supersommer 2003 hatten wir exorbitant hohe Mostgewichte, also eine Bombenqualität“, erinnert sich Frank.

Das Staatsweingut Meersburg verfolgt eine etwas andere Strategie. „Normalerweise lassen wir jedes Jahr einen viertel bis halben Hektar stehen“, berichtet Weingutsdirektor Dr. Jürgen Dietrich. Aufgrund der fehlenden Menge nach dem Hageljahr 2009 habe man diesmal allerdings darauf verzichtet und alle Reben verwertet. „Schon Ende November hatten wir dann ein, zwei Nächte mit minus zehn Grad. Da hab’ ich mir noch gedacht: Schade, das hätte für Eiswein gepasst“, so Dietrich. Die Enttäuschung halte sich aber in Grenzen. Aufgrund des insgesamt relativ geringen Ertrags wäre es aus Dietrichs Sicht nicht sinnvoll gewesen zu Pokern.

Mengen waren ohnehin knapp

Ebenfalls keinen Eiswein gibt es bei den Weingütern Markgraf von Baden. Aus demselben Grund. „Weil die Mengen ohnehin knapp waren, wollten wir keine Flächen für Eiswein opfern. Wenn es damit nicht geklappt hätte, hätten wir uns geärgert“, sagt Sebastian Beemelmans, betriebswirtschaftlicher Leiter des Salemer Weinguts. Bereits im August hätte man erste Fäulnisherde aussondern müssen, damit der Weinberg gesund bleibt. 40 Prozent des Ertrags seien damit unbrauchbar gewesen. „Die Situation bei uns ist nur einen Tick besser als nach den Hagelschäden“, sagt Beemelmans. Durch den langen Winter hatten sich die Pflanzen zwar gut regeneriert, man hatte gehofft, dass es gut laufen würde. Aber um eine hohe Qualität zu erzielen, schneide man radikal zurück – zulasten der Quantität.

„Wir benötigen dieses Jahr keinen Eiswein“, sagt Anita Schmidt, vom Winzerverein Hagnau. „Es ist noch genug Eiswein aus dem Jahr 2008 auf Lager.“ Aber auch der Hagelsturm, der 2009 in der Region wütete und einen Teil der Ernte zerstörte, ist dafür verantwortlich. „Wir haben die Kapazitäten für die Lese im Herbst gebraucht“, sagt Anita Schmidt. Denn immerhin müssen zehn Prozent der Reben stehen bleiben, diese seien im vergangenen Jahr nicht übrig geblieben. „Und die müssen ein bis zwei Monate stabil bleiben. Die Stiele und das Geäst müssen gut strukturiert sein“, erklärt sie. Ein gewisses Risiko ist natürlich immer dabei. Wegen der Verluste im Jahr 2009 wollte in Hagnau keiner dieses Risiko eingehen.

Die Entscheidung, ob Eiswein hergestellt wird, trifft der Geschäftsführer. „Das wird immer Diskutiert“, sagt Schmidt. Zwei Faktoren seien für die Entscheidung ausschlaggebend. Zum einen die Temperatur, zum anderen ist es von der Qualität und der Menge des Jahrgangs abhängig. „Kalt genug ist es gewesen“, sagt Anita Schmidt. Anfang Dezember, sank das Termometer mehre Tage hintereinander auf eine Temperatur von minus zehn Grad. „Wir brauchen keinen Eiswein, das ist ein Geschenk in guten Jahren.“

In Bermatingen sieht die Lage ähnlich aus. Auch auf dem Weingut Dilger besteht keine Möglichkeit, Eiswein herzustellen. „Es ist nichts stehen geblieben“, sagt Klara Dilger. Einerseits ist hier wie in Hagnau der Hagelsturm verantwortlich, aber auch der Platz für die Lagerung sei zu knapp. „Wir haben einfach nicht genug Kapazitäten“, erklärt sie. Auch werde der Wein nicht unbedingt benötigt. „Wir machen das nur, wenn etwas stehen bleibt.“ In den vergangenen Jahren war das nicht der Fall.

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