Förderpreis für gegenständliche Kunst geht an Stefanie Hubner

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Schwäbische Zeitung
Martina Wolters

Mit Finissage und Preisvergabe ist am Freitag die qualitativ hochwertige Nachwuchskünstlerausstellung „(un-)sachlich!“ der Galerie Bodenseekreis zu Ende gegangen. Den mit 4000 Euro dotierten Förderpreis für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises konnte die 29-jährige Stefanie Hubner entgegennehmen, eine frisch diplomierte Absolventin der Akademie der Bildenden Künste München. Der mit 1000 Euro festgesetzte Publikumspreis ging an ihre Ausstellungskollegin Marion Fink. Sie ist Studentin der Bildenden Kunst in Hamburg.

Einigkeit herrschte über die hohe Qualität der eingereichten Werke aller 29 ausgewählten Teilnehmer. Unisono lobten Galerieleiterin Heike Frommer und Landrat Lothar Wölfle deren Güte und Vielfalt. In einem virtuellen Rundgang mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Kreiskulturamts, Jeannette Brabenitz, konnte sich auch das Finissagepublikum davon überzeugen. Im Schnelldurchlauf sahen sie sich Abbildern minderjähriger Flüchtlinge, Stillleben oder kunstvoll sezierten Apfelskeletten gegenüber.

Wunderbar passte sich die den Festakt in der Burg umrahmende Musik ein. Die Konstanzer Querflötistin Theresa Steckeler und die Leiterin der Meersburger Stadtkapelle Marianne Halder überraschten mit der Premiere eines Arrangements, von Halder extra für die feierliche Verleihung komponiert. Beide Preisträgerinnen sowie acht andere Mitbewerber sind zum wiederholten Mal bei der Ausstellung dabei. Für Landrat und Galerieleitung ist das ein Zeichen, dass der Wettbewerb nach drei Jahren eine „tragende Idee und zur Institution geworden ist“, wie Wölfle unterstrich.

Den Entscheid der insgesamt fünfköpfigen Jury für die zum dritten Mal teilnehmende Hubner begründete Frommer mit der malerischen Qualität ihrer „Lichtbilder“, deren Ausstrahlung und der modernen Bildsprache der Künstlerin. Mit ihrer dreiteiligen Serie erleuchteter, unwirtlicher Gebäude habe die gebürtige Bonnerin ihr Thema, das Verhältnis des Menschen zu seiner Lebensumwelt, konsequent umgesetzt. Zwar seien anders als in Hubners früheren Gemälden keine Menschen mehr zu sehen, wohl sei deren Abwesenheit spürbar, so die Kunsthistorikerin.

„Mir geht es um das, was möglicherweise hinter der Fassade ist“, sagt die junge Malerin selbst zu ihren Arbeiten. Gefühle wie Einsamkeit oder Alleingelassensein in Anonymität will sie nach eigenen Angaben zum Ausdruck bringen. Das Licht in allen drei Bildern lasse Hoffnung aufblitzen inmitten aller Melancholie. Wie der Trägerin des Publikumspreises, Marion Fink, liegen Hubners Ölbildern Fotografien zu Grunde, die sie anschließend malerisch entfremdet.

Fink, deren Werkzeug laut Galerieleiterin Heike Frommer der menschliche Körper ist, hat für ihre drei abgebildeten, scheinbar schwebenden Nackten hunderte Fotos von sich und befreundeten Personen gemacht. Besonders interessieren die 26-Jährige die „Verzerrung der Perspektive, Licht und Schatten und die richtige Anatomie dazu“, wie sie im Gespräch verriet. Zum Beispiel hat sie für ihr Bild der Daumen lutschenden „Jil“, eine Kommilitonin ganz entspannt auf einem Stuhl sitzend am Daumen nuckelnd abgelichtet, um sie später dann mit Farbe und Pinsel schwerelos und bar von Kontext und der zugehörigen Perspektive auf die Leinwand zu transportieren.

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