Eine Chagall-Ausstellung zum Geburtstag

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Die Bibelgalerie eröffnet zum 30. Geburtstag eine Chagall-Ausstellung: Thea Groß begrüßt die Besucher der Vernissage.
Die Bibelgalerie eröffnet zum 30. Geburtstag eine Chagall-Ausstellung: Thea Groß begrüßt die Besucher der Vernissage. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Mit einem Festwochenende hat die Bibelgalerie Meersburg ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Exakt zum Geburtstag hat sie am Samstag die neue Sonderausstellung „Flucht und Zuflucht“ mit grafischen Arbeiten von Marc Chagall eröffnet.

Drangvolle Enge herrschte am Samstagmorgen im Klosterkeller, wo ringsum mehr als 50 Arbeiten von Chagall an Stellwänden hängen: der komplette Lithografiezyklus „The Story of the Exodus“ von 1966, dazu Einzelmotive aus den Zyklen „La Bible“ und „Dessins de la Bible“ sowie drei signierte Originalgrafiken zum Thema Flucht und Zuflucht. Thea Groß, die Leiterin der Bibelgalerie, war geradezu überwältigt von den vielen Wegbegleitern, die zur Eröffnung gekommen waren. Eine besondere Freude war ihr, dass Inge Ehemann aus Niederbayern angereist war, deren verstorbener Mann, Pfarrer Gerd Ehemann, damals die Initialzündung gegeben und die junge Vikarin Thea Groß mit seiner Vision angesteckt hatte.

Stolz bezeichnete sie die Ausstellung als Höhepunkt des Jubiläumsjahres und dankte Bürgermeister Scherer, dass der Klosterkeller dafür als Galerie eingerichtet werden durfte. Die achtzigste Sonderausstellung sei es seit 1988 und hoffentlich noch lange nicht die letzte.

Als Gratulant war auch Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht gekommen. Er sprach vom Stolz der Landeskirche auf die Bibelgalerie, die damals das erste Erlebnismuseum zur Bibel in der Bundesrepublik war und inzwischen zur Keimzelle für rund zwanzig ähnliche Einrichtungen in ganz Europa geworden ist. Anerkennend erwähnte er vergangene Sonderausstellungen und Bibelerlebnistage für Kinder. Er begrüßte die jetzt zum 30. Geburtstag eröffnete Chagall-Ausstellung: „Seine Bibelillustrationen haben vielen die Welt der Bibel eröffnet.“ Das Thema „Flucht und Zuflucht“ passe genau in unsere Zeit. Mit diesen Arbeiten, die von einer intensiven Auseinandersetzung des Künstlers mit der Bibel zeugten, habe Chagall die Menschen mitten ins Herz getroffen. Schneider-Harpprecht gratulierte der Bibelgalerie dazu und freute sich über deren dreißig Jahre währende erfolgreiche Arbeit.

Zeit seines Lebens habe sich Chagall mit dem Schicksal seines Volkes beschäftigt, sagte Thea Groß und begrüßte mit Galeristin Iris Traudisch und ihrem Mann Hartmut Schröter aus Wiehl bei Gummersbach im Ruhrgebiet ihr „Ausstellungs-Dreamteam“, das die Werke zur Verfügung gestellt und bei der Hängung kräftig mitgeholfen hatte. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt von Axel Bernhardt am Saxofon und Stefanie Jürgens am Piano führte Iris Traudisch in Chagalls biblische Welt ein: „Möge der Exodus-Zyklus, die Geschichte der Flucht der Israeliten aus Ägypten, die Betrachter immer neu zum Nachdenken und zum Handeln bringen.“

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