Ein letztes Mal „schwätzet d Seehase“

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Zum Halten des Scheitholzes holt sich Barny Bitterwolf (Mitte) zwei Helfer aus der ersten Reihe: links Landrat Lothar Wölfle, r
Zum Halten des Scheitholzes holt sich Barny Bitterwolf (Mitte) zwei Helfer aus der ersten Reihe: links Landrat Lothar Wölfle, r (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Nur wenige Plätze sind am Abend des Reformationstags im Gwandhaus in Hagnau freigeblieben. Wo im November vor sechs Jahren die erste Veranstaltung von „So schwätzet d Seehase“ über die Bühne ging, folgte jetzt mit der 15. das vorläufige Ende.

„Vorläufig“, weil man eine so erfolgreiche Reihe einfach noch nicht zu Grabe tragen kann. Von einer „schöpferischen Pause“ sprach Landrat Lothar Wölfle: „Lasset uns oifach Zeit, vielleicht goht’s dann weiter ...“ Passend dazu gab es das von Bernhard Bitterwolf angestimmte, lautstarke „Mir lond it luck!“ im gemeinsamen Schlusslied.

„Zum Schluss nomol e Feierwerk!“ So war’s versprochen. Ralph Kolars aus Kressbronn löste dieses Versprechen mit seinem Auftritt als „Dr Kuppelwieser“ voll ein. In schönstem Schwäbisch bruttelnd nahm der Lehrer, Sänger, Texter und zunehmend gefragte Kabarettist Missstände aus der Sicht eines Bauern aufs Korn. Mit unschuldiger Miene berichtete er, wie er den über Gülle oder Rauch schimpfenden Feriengästen das Maul stopft und wie man sie noch prächtiger melken kann als das Vieh. Kolars trockener Humor sitzt und trifft, da bleibt kein Auge trocken.

Vor der Pause, in der es kostenlose Würstle gab, erzählte Überlingens „Narrenmutter“ Wolfgang Lechler treuherzig: „I hon etz au en Flät-screen.“ Sein fiktives Ich berichtete, was einem so alles passiert, wenn man auf Rat des Juniors den „Monsterapparat“ nicht beim ortsansässigen Fachhändler, sondern bei einer bekannten Internetadresse bestellt. Mundartliche Brocken sorgten für die Verortung. Lechler ließ eine Erzählung zu den allgegenwärtigen „Navis“ folgen. Vorauszusehen war, dass sie für den Autofahrer nicht nur ein Segen seien.

Da beim Schlussfeuerwerk in Hagnau Pfarrer Heinrich Hansjakob nicht fehlen durfte, ließ ihn Alois Krafczyk aus Haslach höchstpersönlich auftreten. In einem Parforceritt ohne Punkt und Komma schilderte er in aller Breite vom „Kinderhimmel“ im Kinzigtal über Schul- und Studentenzeiten seinen „Weg an den See“. Des Öfteren ließ er durchblicken, dass er ebenso wie sein Vater,, der aber Bauer gewesen war, nicht für den Zölibat geschaffen war. Details dazu ersparte er den Zuhörern, auch die Bedeutung der Gründung des Hagnauer Winzervereins streifte er nur am Rande.

Das Gwandhaus soll beben

Als Moderator des Abends heizte Barny Bitterwolf aus Bad Waldsee dem Publikum ein, auf dass es nicht so lahm klatsche, wie er es aus Ravensburg gewohnt sei, sondern richtig, dass das Gwandhaus bebe. In gewohnter Frische führte er in der Region einst gespielte Instrumente wie den „Piffel“ vor und holte sich mit Hagnaus Bürgermeister Simon Blümcke und Landrat Wölfle zwei Promis auf die Bühne, um das Scheitholz zu halten, an dem er kräftig drehte, um sein Lied vom fahrenden Gesellen zu singen. Spielend brachte er es fertig, den Saal mehrmals zum Mitsingen zu animieren.

Zum Schluss gab es des Landrats herzlichen Dank für Heidi Wieland, Bezirksvorsitzende der Regionalgruppe „Seealemanne“ der „Muettersproch-Gsellschaft“, und Peter Faul vom Förderverein Schwäbischer Dialekt. Sie sind die Initiatoren und Macher der erfolgreichen Serie, die über sechs Jahre hinweg an verschiedenen Orten des Landkreises verschiedenste Aspekte der Mundart beleuchtet hat.

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