Ein Adventskonzert mit Geist und Seele

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Ein Adventskonzert mit Geist und Seele hat Nikolaus Henseler mit seinem Vokalensemble „Camerata Serena" im Augustinum Meersburg
Ein Adventskonzert mit Geist und Seele (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Zum vierten Mal hat das Vokalensemble „Camerata Serena“ am Abend des dritten Adventssonntags die Zuhörer im gut gefüllten Festsaal des Augustinums Meersburg mit einem Adventskonzert mit Geist und Seele erfreut und berührt.

Während wenige Tage zuvor die Birnauer Kantorei mit ihrem Leiter Thomas Gropper ihr Konzert für einen Rückblick auf ihre Chorarbeit im laufenden Jahr und einen Ausblick auf 2018 genutzt und einen Einblick in die Gesangsausbildung einzelner Mitglieder gegeben hatte, hat Nikolaus Henseler für sein Ensemble ein rundum stimmiges Programm zusammengestellt. Dieses ging direkt auf den geistigen Gehalt des bevorstehenden Weihnachtsfestes ein. Immer wieder selbst zum Mikrofon greifend, zeigte Henseler die Zusammenhänge der Werke auf. Diese hatten nicht nur die Erwartung und die Geburt Jesu im Blick, sondern stellten diese beispielsweise mit Chorälen aus Bachs Passionen in den großen Zusammenhang der Heilsgeschichte.

In ausgewogenem A-cappella-Gesang, von Henseler behutsam am Flügel unterstützt, wobei er oft mit einer Hand noch Einsätze gab, sangen zehn Frauen und sechs Männer die mehrstimmigen Chorsätze mit der gewohnten Transparenz und Pianokultur, mit geschmeidigen, Akzente setzenden Crescendi.

Schlicht und innig führte das alte Adventslied „Macht hoch die Tür“ in der Fassung von Friedrich Silcher ins Thema ein. Vom Vertrauen auf den Herrn sprach darauf Paul Gerhards geistliches Lied „Befiehl du deine Wege“, das Bach in seine Matthäus-Passion aufgenommen hat, bevor die Sänger mit Michael Praetorius’ „Vom Himmel hoch“ die Geburt des Erlösers verkündeten. In Demut und Liebe betrachteten sie mit Bachs „Ich steh’ an deiner Krippen hier“ das Jesuskind. Mit der berühmten Hymne „If You Love Me“ des Renaissance-Komponisten Thomas Tallis ließ Henseler den erwachsenen Christus die Hilfe des Heiligen Geists zusagen. Voller Ehrfurcht ließ er das Volk mit „Ach großer König“ aus der Johannes Passion antworten, ließ erkennen, wie Bach immer die ganze Heilsgeschichte in großem Bogen zusammenschaut.

Engel verkünden Geburt

Wunderschön war die Melodie, mit der Michael Präetorius in seiner Weihnachtsmotette die Engel den Hirten die Geburt verkünden lässt. Dramatisch klang das „und sie fürchteten sich sehr“ und umso froher das jubelnde „Ehre sei Gott in der Höhe“.

Neben bekannten Chorälen zog Henseler auch eher unbekannte Werke wie das „Ave Maria“ von Giuseppe Verdi heran, ein gar nicht opernhaftes, sondern sehr schlichtes Alterswerk. Berührend auch Max Regers „Schlaf wohl, du Himmelsknabe“, ein Wiegenlied, das bereits auf den Tod am Kreuz vorausweist. Und wie reich waren die Ausschnitte aus Regers Choralkantate „Mein Jesus lass ich nicht“, die bereits den Himmel schauen lässt. Traditionell schloss das ergreifende Konzert mit Bachs Choral „Ich steh’ an deiner Krippe hier“ aus dem Weihnachtsoratorium.

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