Ausstellung widmet sich einem Publikumsliebling

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Für die Fans gab es von Joseph Schmidt Autogrammkarten.
Für die Fans gab es von Joseph Schmidt Autogrammkarten. (Foto: Privat)

Der Kulturverein Meersburg eröffnet heute, Dienstag, 19 Uhr, in Zusammenarbeit mit dem Augustium und der Synagogengemeinde Konstanz eine Ausstellung über den jüdischen Sänger Joseph Schmidt. Die Ausstellung ist bis zum 17. März im Augustinum in Meersburg zu sehen. Joseph Schmidt war in den 1930er-Jahren als Tenor vor allem über den Rundfunk bekannt geworden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchtete er über Frankreich in die Schweiz, wo er 1942 im Alter von 38 Jahren starb.

Die Ausstellung, die vom Haus der Heimat in Stuttgart konzipiert wurde, widmet sich dem Leben Joseph Schmidts. Sie zeigt persönliche Dokumente und Besitztümer des Sängers, die das Joseph-Schmidt-Archiv zur Verfügung stellt. Darunter sind beispielsweise sein Reisepass, Autogrammkarten, Briefe und ein Füller. Es sind Schallplatten – teilweise von Probeaufnahmen – zu sehen und es ist ein Grammophon aufgebaut. „Ob das Grammophon auch gespielt wird, ist noch nicht klar“, sagt Michael Dörr. Er ist nicht nur der Vorsitzende des Kulturvereins Meersburg, sondern hat als Geschäftsführer und Vorstandsreferent des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden auch einen persönlichen Bezug zum Judentum.

Joseph Schmidt wurde in Bukowina geboren, einer Region im Grenzbereich von Rumänien und der Ukraine, die damals zur österreich-ungarischen Monarchie gehörte. Er stammte aus einer deutschsprachigen Familie orthodoxer Juden. „Um 1930 war er einer der bekanntesten und beliebtesten Sänger in Deutschland“, sagt Michael Dörr. Als Kind war Joseph Schmidt schon religiöser Vorsänger. Später studierte er in Berlin Gesang. „Er war ziemlich klein, was ihn daran hinderte, auf Opernbühnen wirklich erfolgreich zu sein“, sagt Dörr. Doch für den Rundfunk habe er viele Opern gesungen und ein großes Publikum erreicht. „Über das Radio ist er ungemein populär geworden“, sagt er. „Und er hat zur Popularität des Radios beigetragen.“

Früher Tod in der Schweiz

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 konnte er seinen Beruf in Deutschland nicht länger ausüben. Er floh zunächst nach Österreich, dann nach Belgien und später nach Frankreich. Dort wurde er als Deutscher von der Vichy-Regierung gefangen genommen. Nach mehreren missglückten Versuchen gelang ihm 1942 die Flucht in die Schweiz. Von den Strapazen gezeichnet, brach er in Zürich auf offener Straße zusammen. Joseph Schmidt wurde erneut gefangen genommen und in ein Internierungslager gebracht. „Geflohene Juden galten in der Schweiz zu diesem Zeitpunkt nicht als politische Flüchtlinge“, sagt Dörr. Im Internierungslager wurde er krank. Wegen einer Halsentzündung wurde er zwar im Krankenhaus behandelt, doch seine Hinweise, er habe starke Schmerzen in der Herzgegend, wurden ignoriert. „Letztendlich ist er daran gestorben, dass man ihm eine richtige Behandlung verweigert hat“, sagt Dörr.

Eigentlich hätte die Ausstellung über Joseph Schmidt bereits im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen im vergangenen Jahr in Meersburg gastieren sollen. Dann hätte sie exakt 75 Jahre nach seinem Tod im November 1942 an ihn erinnert. Aus terminlichen Gründen hat das allerdings nicht geklappt. „Doch die Ausstellung ist es wert, auch ein Jahr später noch gezeigt zu werden“, sagt Dörr. „Joseph Schmidt hatte zwar keinen direkten Bezug zum Bodensee, doch es ist notwendig, dass solche Ausstellungen nicht nur in Berlin oder Hamburg zu sehen sind.“ Schließlich sei das jüdische Leben am Bodensee auch auf einen Schlag eliminiert worden. Als bekannter Sänger sei Joseph Schmidt auch hier interessant.

Vernissage mit Fotos und Filmausschnitten

Die Ausstellung „Ein Lied ging um die Welt“ über den jüdischen Startenor Joseph Schmidt wird heute, Dienstag, mit einer Vernissage um 19 Uhr im Theatersaal eröffnet. Alfred A. Fassbind, Verfasser der führenden Joseph-Schmidt-Biografie und Leiter des Joseph-Schmidt-Archivs, wird zusammen mit Carsten Eichenberger vom Haus der Heimat in Stuttgart einen Vortrag halten. Er wird dabei auch Bilder und Filmmaterial zeigen.

Alfred A. Fassbind, selbst Sänger, ist seit 1985 offizieller Verwalter des Nachlasses von Joseph Schmidt und Gründer wie Kurator des Joseph-Schmidt-Archivs in Dürnten bei Zürich. Die Ausstellung über Joseph Schmidt ist bis zum 17. März im Galerieflur des Augustinum zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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