„Auch ich bin nicht unfehlbar“

Lesedauer: 7 Min

Martin Brütsch möchte an seine bisherige Arbeit anknüpfen.
Martin Brütsch möchte an seine bisherige Arbeit anknüpfen. (Foto: sapotnik)
Schwäbische Zeitung

Der Umbau der Jufa, des Neuen Schlosses oder der Neubau des Augustinums. In seinen acht Jahren als Bürgermeister blickt Martin Brütsch zufrieden auf Projekte, die er mit auf den Weg gebracht hat. Nadine Sapotnik hat mit ihm darüber gesprochen, wie er seine Chancen für die anstehende Bürgermeisterwahl einschätzt und was er in einer zweiten Amtszeit anders machen würde.

An was denken Sie besonders gerne in den vergangenen acht Jahren zurück?

Daran, dass ich die Stadt gemeinsam weiterbringen und gestalten konnte. Wir haben viele große Projekte für Meersburg auf den Weg gebracht: Dazu gehören der Umbau zur Jufa, der barrierefreie Umbau des Neuen Schlosses, der Abriss der Wiedemann-Parkklinik mit Neubau des Augustinums, der Neubau des Krippenhauses im Sommertal, die Sanierung der 38 Wohnungen in den Lichtenwiesen 4 und 6 sowie die Sanierung und der Umbau des Heilig-Geist-Spitals mit Eröffnung des Vineums Bodensee im Sommer. Hinzu kommen Themen wie der Ausbau für schnelleres Internet. Das sind alles spannende Projekte, bei denen unter anderem sichtbar wird, was man gemeinsam für die Stadt auf den Weg bringen kann. Und dann gibt es sicherlich Themen, die nicht so leicht umgesetzt werden können. Aber genau das ist die Herausforderung, der Ansporn und das Interessante an diesem Beruf.

Freitagabend war die offizielle Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten. Sie haben in Ihrer Rede davon gesprochen, dass auch ein Kapitän seine Lehrjahre braucht und meinten mit der Äußerung sich selbst. Hatten Sie dabei etwas Konkretes im Kopf?

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Auch ich bin nicht unfehlbar. Das ist auch mein Leitspruch innerhalb der Verwaltung. Mir ist dabei sehr wichtig, dass man immer wieder sein eigenes Verhalten hinterfragt und sich überlegt, was man noch besser machen kann. So komme ich weiter und nur so kommt man auch im Team weiter. Es gab sicherlich in der Vergangenheit Entscheidungen, bei denen ich aus heutiger Sicht sage, das würde ich anders machen. Über die Jahre hinweg habe ich viele Personen kennengelernt, darunter auch wichtige Entscheidungsträger. Auch in diesem Zusammenhang habe ich von Lehrjahren gesprochen – nicht nur im Zwischenmenschlichen. Es dauert immer einige Jahre, bis man dieses Netzwerk aufgebaut, sich eingearbeitet hat und die Strukturen innerhalb der Stadt besser kennt. Um gewisse Projekte auf den Weg bringen zu können, ist dies besonders bedeutsam. Wir können nun gemeinsam an die Arbeit der vergangenen acht Jahre sofort anknüpfen.

Meinen Sie damit auch die Arbeit mit dem Gemeinderat, die ja nicht immer ganz rund gelaufen ist?

Überall gilt es zunächst einmal, sich einzufinden und die Menschen näher kennenzulernen. Ich glaube schon, dass es mir gelungen ist, im Gemeinderat auch bei hitzigen Themen für eine konstruktive und sachorientierte Diskussion zu sorgen. Zu viel Emotionalität führt in der Sache nicht weiter. Es gibt sicherlich Themen, die einem viel bedeuten, und man dann enttäuscht ist, wenn die Mehrheit im Gemeinderat eine andere Entscheidung trifft. Mir ist dabei immer wichtig, dass wir auf die Sachebene zurückkommen. Letztendlich muss es immer um die Stadt und das Wohl ihrer Bürger gehen. Das ist meine Zielvorstellung.

Was sind Themen, die Sie vertiefen wollen, wenn Sie in Meersburg wiedergewählt werden?

Ich möchte als allererstes zeitnah nach der Fasnacht eine Informationsveranstaltung einberufen. Schwerpunkt soll die Parkraumbewirtschaftung sein. Mir ist es wichtig, die weiteren Schritte mit der Bürgerschaft ausführlich zu besprechen. Wir sollten das erste Halbjahr dazu nutzen, die weiteren Schritte bei diesem komplexen Thema umfassend vorzubereiten, um sie im kommenden Winterhalbjahr in aller Ruhe umsetzen zu können. Ein weiteres Thema, ist der Abschluss des Breitbandausbaus. Ich freue mich auch, dass wir mit dem Umbau des Ratskellers beginnen und der Alten Post sowie die Erweiterung der Bibelgalerie jetzt angehen können. Das sind die Themen, die ich unmittelbar weiterentwickeln möchte und zu deren zeitnahen Umsetzung ich bereits die Voraussetzungen geschaffen habe.

Robert Scherer hat sich bereits im November beworben, Alexander Schmidt ist recht plötzlich auf der Bildfläche erschienen. Wie waren die vergangenen Wochen für Sie?

Ich habe ein Wahlamt für acht Jahre angetreten und daher ist es ein demokratischer Vorgang, wenn es weitere Mitbewerber gibt. Natürlich schaut man gebannt auf das Ende der Bewerbungsfrist, ob noch weitere Kandidaten hinzukommen. Unabhängig davon, gehe ich meinen Weg und habe für mich eine konkrete Zielvorstellung, für die ich offensiv werbe.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, wieder gewählt zu werden?

Grundsätzlich bin ich zuversichtlich. Ich denke, ich bin gut aufgestellt. Natürlich weiß ich aber auch, dass es Kritiker gibt, die ich sehr ernst nehme. Aber genauso gibt es diejenigen, die sehen was ich geleistet habe und mit meiner Art und meiner Arbeitsweise zufrieden sind. Darüber hinaus habe ich signalisiert, dass ich mir für das gemeinsame Miteinander mehr Zeit nehmen werde. Es ist eben auch wahnsinnig viel in den vergangenen Jahren bewegt worden, und daher konnte ich mich nicht immer um jedes Anliegen persönlich kümmern.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen