Abschluss mit nahezu glühenden Bögen

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Exzellent wirken im Bachschen Violinkonzert die Solistin Katharina Schmitz, der Dirigent Georg Mais und das Südwestdeutsche Kamm
Exzellent wirken im Bachschen Violinkonzert die Solistin Katharina Schmitz, der Dirigent Georg Mais und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim zusammen. (Foto: Helmut Voith)

Drei Abende lang haben die Besucher der „Hagnauer Klassik“ im Reinhard-Sebastian-Zimmermann-Saal wieder feinste Kammermusik mit den vier Residenzsolisten erleben dürfen, der krönende Abschluss war auch bei der 12. Auflage der herbstlichen Kammermusikreihe das Orchesterkonzert im angrenzenden Gwandhaus mit Konzerten aller drei Streichersolisten.

Zur guten Tradition ist es geworden, dass an diesem letzten Abend Georg Mais, der künstlerische Leiter der Reihe, das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim dirigiert, dessen transparenter Klang auch diesmal wieder begeisterte. Unter dem Motto „Leipziger Allerlei“ standen Johann Sebastian Bach und seine Söhne Carl Philipp Emanuel und Johann Christian Bach im Mittelpunkt, gefolgt von der jugendlich überschwänglichen Sinfonie Nr. 2 D-Dur für Streichorchester des 13-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy, einem Klangfeuerwerk, bei dem das Orchester mit glühenden Bögen erneut seine Klasse bewies.

In lebhafter Interaktion von Solist und Orchester eröffnete Clemens Müllner, Cellist beim Bayerischen Staatsorchester, den Abend mit Carl Philipp Emanuel Bachs Violoncellokonzert A-Dur. Behutsam steuerte Georg Mais das Kräftespiel in diesem Werk, das deutlich über die kompositorische Strenge des Vaters hinausweist. Tiefgründend und gesanglich setzte das Cello im Largo ein. Dynamisch, mit tänzerischem Elan gesteigert, ging das Werk zu Ende, das zu den ersten Cellokonzerten zählt. Mit höchster Präzision ließ die Geigerin Katharina Schmitz, Mitglied der Münchner Philharmoniker, Johann Sebastian Bachs Violinkonzert Nr. 2 E-Dur BWV 1042 folgen, glasklar war das Zusammenspiel mit dem Orchester. Zart und zerbrechlich klang das Solo im Adagio über dem Klangteppich der tiefen Streicher, ausdrucksvoll war der Gesang der Geige, in dem bittersüße Melancholie mitschwang. Zwitschernd tanzte die Geige im Schlusssatz den Streichern voran.

Bachs vermeintliches Violakonzert

Ein Höhepunkt, dem gleich der nächste folgte. Johann Christian Bachs Violakonzert c-Moll stand auf dem Programm, ein Konzert, das zu den bekanntesten und meistgespielten Violakonzerten des 18. Jahrhunderts zählt und fest im Konzertleben etabliert ist – auch wenn man heute weiß, dass es weder von Bach noch 1768 entstanden ist, sondern 1916 von Henri Casadesus, einem hervorragenden Bratschisten und Viola d’amore-Virtuosen, aus unbekannter Quelle „rekonstruiert“ sprich selbst komponiert wurde.

Der Beliebtheit des Werkes tut das keinen Abbruch, erst recht, wenn Charakter und Klangfarben der Viola so exzellent ausgekostet werden wie hier von Immo Schaar, Bratschist des Leipziger Gewandhausorchesters. Schmeichelnd war der Ton seiner Bratsche, sanft wiegend das Orchester, betörend schön das Andante, zum Atem-Anhalten die aufgebaute sakrale Stimmung, die sich mit dem heiteren Dahinhüpfen, dem Singen und Tanzen der Bratsche im Allegro wieder löste. Mit Mendelssohns Klanggewitter endete das Konzert, das schon jetzt Lust weckte auf die nächste Hagnauer Klassik.

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