4,2 Millionen Menschen schippern jährlich über den See

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 Auf der Fähre von Meersburg nach Konstanz gab und gibt es immer lohnswerte Motive für die Film-oder Fotokamera.
Auf der Fähre von Meersburg nach Konstanz gab und gibt es immer lohnswerte Motive für die Film-oder Fotokamera. (Foto: Stadtarchiv KN)
Schwäbische Zeitung

Die Fährverbindung Konstanz-Meersburg feiert ihren 90. Geburtstag: Die Stadtwerke laden die Bevölkerung deshalb am Samstag zum Tag der offenen Tür ein.

Am 30. September 1928 fuhr die erste Fähre zwischen Konstanz und Meersburg. Was als höchst umstrittenes Großprojekt begann, ist schon lange eine Erfolgsgeschichte: Heute nutzen jährlich rund 4,2 Millionen Personen und mehr als 1,5 Millionen Autos die schnelle Verbindung über den See.

Beim Tag der offenen Tür erwartet die Besucher von 10 Uhr bis 18 Uhr ein vielseitiges Programm: Um 10 Uhr eröffnet Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Norbert Reuter die Veranstaltung. Von 10.30 Uhr bis 13 Uhr spielt der Musikverein Allmannsdorf. Pfarrer Wendelin Matt aus Allmannsdorf segnet um 13 Uhr die neuen Schiffsglocken. Gegen 14 Uhr erhält der Fährebetrieb erneut den „Blauen Anker“. Der „Blaue Anker“ ist ein Zertifikat, das nach erfolgreicher Überprüfung an umweltbewusst geführte Hafenanlagen am Bodensee verliehen wird.

Interessierte können bei Führungen einen Blick „hinter die Kulissen“ werfen und eine Ausstellung zum Thema „Rund um Technik, Zukunft, Berufe“ sehen. Für Kinder gibt es Spiele und Attraktionen und natürlich ist für Essen und Trinken gesorgt. Die Besucher erhalten kostenlos die Broschüre „Brückenschlag 90 Jahre Fähre Konstanz-Meersburg“ mit viel Wissenswertem rund um die Fährverbindung und ihre Geschichte. Gäste, die aus Meersburg kommen, fahren zum speziellen Geburtstagspreis: Fußgänger bezahlen 90 Cent für die Hin- und Rückfahrt.

Sechs Fährschiffe, zwei Häfen, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr: Die Fähre Konstanz-Meersburg sorgt für den Brückenschlag in der Region. Unzählige Berufspendler, Touristen und Ausflügler aus der Region fahren mit der Fähre und ersparen sich damit rund 60 Kilometer auf der Straße um den westlichen Bodensee. Hochgerechnet kommt man so auf 80 Millionen Fahrzeug-Kilometer im Jahr – und damit eine beachtliche Menge an Kraftstoff – die durch die Fährverbindung eingespart werden.

Die Stadtwerke Konstanz setzen sich für den Umweltschutz ein: Mit Rußpartikelfiltern und modernen, emissionsarmen Motoren sind die Fähren umweltfreundlich unterwegs, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Derzeit planen die Stadtwerke den Schritt in die Zukunft: Das neue Fährschiff, das ab 2020 auf dem See pendeln soll, wird mit verflüssigtem Erdgas angetrieben werden. Den Motor entwickelt Rolls-Royce-Power Systems unter der Marke MTU aus Friedrichshafen eigens für die Fähre. Im Vergleich zu einem Dieselmotor ohne Abgasnachbehandlung stößt der Gasmotor keinen Ruß und keine Schwefeloxide, 90 Prozent weniger Stickoxide und zehn Prozent weniger Treibhausgase aus.

Am 30. September 1928 fuhr die erste Fähre zwischen Konstanz und Meersburg. An diesem Tag nutzten bereits 57 Personenwagen, 22 Motorräder und 548 Personen die neue Verbindung übers Wasser. Große Feierlichkeiten gab es nicht: Das Großprojekt, das vom damaligen Zweiten Konstanzer Bürgermeister Fritz Arnold geplant wurde, war höchst umstritten und wurde in der Stadt kontrovers diskutiert. Der Erfolg gab ihm jedoch bald recht.

Der 2. Weltkrieg lähmte den Fährbetrieb. Im April 1945 stand der Verkehr für wenige Monate komplett still. Ab Juli 1945 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Da es an Treibstoff mangelte, wurden nur vier Fahrten pro Tag angeboten.

Nachtbetrieb seit 1967

Das Wirtschaftswunder wirkte sich positiv auf den Fährebetrieb aus: Tourismus und Autoverkehr nahmen zu. Seit März 1967 pendeln die Schiffe auch die gesamte Nacht. 1968 wurde der Schnellkurs eingeführt, sodass durchschnittlich alle zehn Minuten ein Schiff den Hafen verlässt. Zwischen 1970 und 1990 stieg die Zahl der transportierten Autos von 1,28 auf 1,71 Millionen. 2004 nahm die Fähre „Tábor“, 2010 die „Lodi“ den Dienst auf: Die beiden Schiffe können je rund 400 Tonnen und damit fast doppelt so viel Gewicht aufnehmen wie die anderen Schiffe. Mit dem geplanten Neubauschiff, das mit verflüssigtem Erdgas betrieben wird, stellen die Stadtwerke Konstanz die Weichen in Richtung Zukunft.

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