Zuhörer feiern Sven Hanagarths erstes Orgelkonzert

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An der Orgel der Pauluskirche in Meckenbeuren spielt Sven Hanagarth sein erstes eigenes Konzert.
An der Orgel der Pauluskirche in Meckenbeuren spielt Sven Hanagarth sein erstes eigenes Konzert. (Foto: Fotos: Helmut Voith)

Zu einem ungewöhnlichen Orgelkonzert hat Pfarrer Peter Steinle am Sonntagabend die Zuhörer in der vollen Pauluskirche willkommen geheißen. Denn der junge Solist Sven Hanagarth war wohl allen seit Langem bekannt und vertraut und hat sich, so Steinle, in Meckenbeuren „schon viele Fans erspielt“.

In der Schlosskirche Friedrichshafen hat er bei Kantor Sönke Wittnebel das Orgelspiel erlernt und schon als Gymnasiast an der kleinen Orgel der Meckenbeurer Pauluskirche gespielt – jetzt ist Sven Hanagarth zu seinem ersten eigenen Orgelkonzert in der Region an eine seiner Lieblingsorgeln zurückgekommen. Im Herbst hat er sein Musikstudium in Mainz aufgenommen und nun die Früchte des vergangenen Semesters vorgestellt.

Die Musikauswahl war bestimmt durch die Umsetzbarkeit auf die Klanglichkeit der Kirche und die Möglichkeiten der Orgel. Große französische Werke von Charles-Marie Widor oder Louis Vierne wären da fehl am Platz, so dass er vorrangig Stücke aus dem Barock gewählt hat, dennoch trug das Konzert mit seiner ausgewogenen Mischung aus freien und choralgebundenen Kompositionen seinen ganz eigenen Stempel. Es sollte nicht nur ein Konzert zum Zuhören sein, sondern ein Konzert, das die Zuhörer aktiv mit hineinnahm in die sakralen Kompositionen. Geradezu programmatisch war das erste Lied, das er nach dem mächtigen Präludium C-Dur von Johann Sebastian Bach anstimmte, denn nach einer Improvisation über dem zugrunde liegenden Jazz-Waltz-Pattern lautete der Text: „Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben ... du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.“ Immer war deutlich, dass hier nicht technische Fertigkeiten vorgeführt werden sollten, sondern dass da ein junger Mensch voll und ganz hinter der Aussage stand. So auch in Sigfrid Karg-Elerts Bearbeitung des Chorals „Nun danket alle Gott“: Wieder wechselten Choralimprovisationen mit Gemeindegesang. Lebhaftes Pedalspiel begleitete das Choralvorspiel, das die Klangfarben der Orgel zum Leuchten brachte. Spannend war danach die Begegnung mit typisch spanischer Musik in Pablo Brunas „Tono de mano derecha“ von 1661. Über dunklem Grundton stach ein Thema für „spanische Trompeten“ hervor. Choralpartita und Gemeindegesang wechselten in Bachs Choral „O Lamm Gottes, unschuldig“.

Dankbar wies Hanagarth auf seine Mutter hin, die ihm als Registrantin zur Seite stand bei Vivaldis Violinkonzert h-Moll in Johann Gottfried Walthers Übertragung auf die Orgel, einem bezaubernden Wechselspiel zwischen Tutti und deutlich hervortretendem Solo.

Zu den Kleinodien Bachscher Kunst zählt die Choralpartita „Wenn wir in höchsten Nöten sein“, die Bach am Ende seines Lebens in „Vor deinen Thron tret ich hiermit“ verwandelte. Hell waren die ersten Variationen, nichts erinnerte an die angesprochenen Nöte, denn sie waren schon eingebettet in das Vertrauen auf Gnade. Dynamisch vorwärtsdrängend folgte Bachs „Dorische“ Toccata d-Moll und nach langanhaltendem Beifall für eine beglückende Stunde das Segenslied „Geh unter der Gnade“.

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