Zimmerei baut Mehrfamilienhäuser aus Holz

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Christian Hartmann zeigt, wie dicht eingeblasene Holzflocken eine Dämmschicht aus nachwachsenden Rohstoffen bilden.
Christian Hartmann zeigt, wie dicht eingeblasene Holzflocken eine Dämmschicht aus nachwachsenden Rohstoffen bilden. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

In der Halle der Firma Holzbau Hartmann stehen schon die ersten fertigen Wände. Im Auftrag der Plümer GmbH arbeitet die Zimmerei Hartmann mit am Bau von drei Mehrfamilienhäusern aus Holz in Eriskirch. Die „Freien Wähler“ hatten zu einer Informationsveranstaltung über nachhaltigen Holzbau bei der Firma Hartmann eingeladen.

„Holz wächst nach, speichert CO, es strahlt Wärme zurück und lässt sich mit bescheidenen Maschinen bearbeiten“, lobt Christof Hartmann, Obermeister der Zimmerer-Innung Bodenseekreis, Holz als nachhaltiges Baumaterial. Der Preis für ein Holzhaus sei vergleichbar mit dem eines Massivbaues. Eine innerörtliche Verdichtung sei außerdem besonders gut durch Aufsetzen zusätzlicher Geschosse aus Holz zu erreichen.

Die „Freien Wähler“ und ihre Gäste hatten viele Fragen dazu. „Was passiert bei einem Wasserrohrbruch“, wollte Gisela Hölzle wissen. Der lässt sich nach Ansicht Hartmanns genauso reparieren wie in einem Haus aus Steinen. Gerlinde Renz-Haid erkundigte sich, was an Schädlingsschutz und Imprägnierung bei einem Holzhaus erforderlich sei. Durch die heutige Schnelltrocknung würden dem Holz nicht nur die Feuchtigkeit sondern auch die ebenfalls Schädlinge anlockenden Aromen entzogen, informierte Hartmann. Im Innenbereich müsse das Holz deshalb nicht mehr gestrichen werden. Zur Erhöhung der Wärmekapazität würden in Holzbauten andere Materialien ergänzt. Die Decken enthielten beispielsweise zusätzlich Kalksplitt, der auch die Trittschalldämmung verbessere.

Trotz des Brandes im hölzernen Dachstuhl von Notre Dame Mitte April ließ Hartmann in Sachen Brandschutz nichts auf seinen Lieblingsbaustoff kommen: „Ein Holzbalken hat einen Abbrand von zwei Zentimetern. Das wird in der Dicke einkalkuliert.“ Im Falle eines Brandes sei Holz auch berechenbarer als Stahl ergänzt Tobias Plümer, der eine Zimmerei in Eriskirch hat und außerdem ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist.

Christian Hartmann demonstrierte an einem Modell die Wärmedämmung mit Holzfasern als weitere Facette nachhaltigen Holzbaus. Die in Eberhardszell hergestellten Holzfasern werden mit einem Gebläse in die Wände eingebracht. „So können sie alle Ritzen füllen“, warb Hartmann. Für ein Haus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche würden rund drei Kubikmeter Holz als Dämmmaterial benötigt. „Damit werden in der Dämmschicht drei Tonnen CO gespeichert“, sagte Hartmann.

In Eriskirch-Schlatt entstehen auf der freien Fläche vor der evangelischen Kirche drei Mehrfamilienhäuser aus Holz im Anschluss an die dort bereits errichteten Geschäfte der neuen Mitte. Die Gebäude sollen dauerhaft von der Stiftung Liebenau angemietet und von Menschen mit Behinderungen bewohnt werden. Die Wände der Gebäude werden in den beiden beteiligten Zimmereien vorgefertigt und sollen noch Mitte Juli zu fertigen Häusern vor Ort zusammengesetzt werden. Bereits im Februar 2020 sollen die Gebäude dann bezugsfertig sein.

„Wir freien Wähler werben für den Holzbau“, fasste Manfred Deutelmoser, Vereinsvorsitzender der Freien Wähler, die Eindrücke der Gemeinderatskandidaten zusammen.

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