Zahnarzt auf Hausbesuch: Damit Schnitzelessen ein Genuss bleibt

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Zahnarzthelferin Tamara Schuler dokumentiert die Untersuchungsergebnisse von Dr. Danijel Bago.
Zahnarzthelferin Tamara Schuler dokumentiert die Untersuchungsergebnisse von Dr. Danijel Bago. (Foto: sl)
Schwäbische Zeitung

Zahngesundheit ist keine Frage des Alters, sondern in jeder Lebensphase wichtig. Doch gerade für ältere Menschen, die in einem Haus der Pflege leben, ist es nicht einfach, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen, teilt die Stiftung Liebenau im Pressetext mit. Vor allem Menschen mit Demenz oder starker Einschränkung der Mobilität haben hier Schwierigkeiten. Zahnarzt Dr. Danijel Bago hat einen Hausbesuchsdienst eingerichtet und kommt auch ins Haus St. Josef der Stiftung in Brochenzell. Er leitet seit 2011 die Zahnmedizinische Praxis in der St. Lukas-Klinik in Liebenau und ist auf die Behandlung von Menschen mit Behinderung und von Älteren spezialisiert.

Zwar könnten Zahnärzte seit fünf Jahren den Hausbesuch bei Pflegebedürftigen besser abrechnen, die Zahl der Behandlungen sei aber nicht nennenswert gestiegen, heißt es seitens der Stiftung. „Wir brauchen einen Zahnarzt, der ins Haus kommt, denn wir haben einige Bewohner, die nicht transportfähig oder dement sind“, so Pflegedienstleiter Georg Schlegel. 16 der 60 Bewohner im Haus St. Josef haben an diesem Tag einen Termin bei Bago. Während der Arzt bei jedem Patienten Zahnstatus, Mundhöhle und Sitz der Prothese prüft, trägt Zahnarzthelferin Tamara Schuler alle Daten in den Patientenbogen ein und notiert die voraussichtliche Dauer einer weiterführenden Behandlung. Denn bei einigen müssen Zähne gezogen werden. Das geht nur in Bagos Praxis in Liebenau. In Zusammenarbeit mit der St. Lukas-Klinik kann er Behandlungen unter Vollnarkose durchführen und garantiert die komplette stationäre Vor- und Nachsorge unter fachlicher Überwachung.

Für weitere Behandlung ist das Einverständnis vom jeweiligen Betreuer einzuholen, dann organisiert das Heim den Krankentransport nach Liebenau. „Wir decken den gesamten zahnmedizinischen Bereich bis hin zum eigenen Zahnlabor ab. Wir haben alles unter einem Dach“, erklärt der Zahnarzt. Zudem ist sein Personal im Umgang mit Menschen mit Behinderungen und Demenzkranken geschult.

Für die Patienten trägt die Untersuchung in vertrauter Umgebung und im Beisein von Altenpflegerin Stefanie Stumm wesentlich zur Entspannung bei. Durch jahrelange Erfahrung weiß Bago, wie er mit älteren Menschen umgehen muss – auch mit jenen, die nicht so gut kooperieren, heißt es weiter. Für jeden hat er ein nettes Wort. Regelmäßige Kontrolle sei wichtig. Denn: „Auch wenn ein beschädigter Zahn im Moment nicht wehtut, kann sich das schlagartig ändern. Manchmal können alte Menschen ihre Schmerzen nicht äußern. Darunter leidet nicht zuletzt auch das Pflegepersonal“, weiß er. Generell sei auch Mundhygiene ein großes Thema, berichtet er und zeigt Stefanie Stumm, wie sie bei der Zahnreinigung noch besser unterstützen kann. „Immer schön die Prothese sauber halten, sonst gibt es statt Wiener Schnitzel bald nur noch Brei“, gibt er den Patienten mit auf den Weg.

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