Wo die Bürgermeisterin als Anerkennungspraktikantin Erfahrungen sammelte

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 Das Team vom Kindergarten Lochbrücke freut sich mit den Kindern über das zum 50-Jahr-Jubiläum neu eröffnete Freigelände, von li
Das Team vom Kindergarten Lochbrücke freut sich mit den Kindern über das zum 50-Jahr-Jubiläum neu eröffnete Freigelände, von links Anett Tuchscherer, Herbert Jasper, Klara Abt, Stefanie Beier, Lisa Frey, Valerie Rosi, Kathrin Wieland und Sonja Hirscher. (Foto: Karin Schuetrumpf)
Karin Schütrumpf

Lachen und der Sound vieler fröhlicher Kinderstimmen – das kennen die Anwohner im Eichenweg. Bei schönem Wetter spielen die 44 Kinder, die zur Zeit die Kindertagesstatte Lochbrücke besuchen, jeden Mittag im Freien.

Am Samstag ist aber noch mehr zu hören. Vielstimmiger Gesang aus dem Turnraum und das Stimmengemurmel vieler Erwachsener aus dem Garten. Er riecht nach Dinnette und Pizza. Direkt hinter dem Zaun steht der Eiswagen. Denn an diesem Wochenende feiert die Kita Lochbrücke ihr 50-Jahr-Jubiläum – am Freitag mit dem feierlichen Festakt, am Samstag sind Jung und Alt zum Tag der offenen Tür samt Programm eingeladen.

Für die Kinder begann das Fest am Freitag. Feierlich wurde das Absperrband vor dem neu gestalteten Außenbereich durchtrennt. Erstmals durften die Kinder auf dem frischen Rasen und in den dick mit Hackschnitzeln eingestreuten Bereichen rund um Schaukel und Klettergerüst spielen. Den feierlichen Festakt zum Jubiläum überließen sie dann gern den Erwachsenen (siehe unten)

Am Samstag versammeln sich schon kurz vor 10 Uhr Rote, Gelbe Grüne und Blaue im Turnraum. Die Kinder laden ihre Eltern ins Vierfarbenland ein – eine Welt, in der jeder denkt, dass seine Lieblingsfarbe die schönste und beste ist und in der es tatsächlich erst richtig schön wird, wenn sich die Kindergruppen vermischen und alles richtig bunt wird. Die Kinder singen und tanzen, und die Eltern sind begeistert. Wochenlang haben die Kinder das von Anett Tuchscherer selbst geschriebene Musical geübt. Zum 50-Jährigen führen sie es stolz ihren Eltern vor.

Danach greift das Fest auf alle Räume über. Die Loskäufer drängen sich im Gruppenraum, in dem die Tombola aufgebaut ist. „Die Lose waren alle schon nach einer halben Stunde verkauft“ erzählt Leiterin Anett Tuchscherer. Valerie Rosi vom Team hat alle Hände voll zu tun, um kleinen und großen Gewinnern ihre Preise herauszusuchen.

Inzwischen lockt der Duft von Dinnete und Pizza viele Gäste in die Holzwerkstatt, wo der Pizzabäcker seinen Ofen aufgestellt hat. Auch am Eiswagen ist viel los. „Und was möchtest du haben?“, fragt der Eismann einen kleinen Jungen. „Eine Kugel in der Waffel und rotes Eis“, will der Kunde. Da Himbeere leider nicht verfügbar ist, einigt man sich auf Erdbeereis. Stolz zieht der Steppke mit dem ganz allein gekauften Eis von dannen.

Die Schattenplätze im Garten sind schnell belegt, die Schaukeln im neu gestalten Gartenbereich heiß begehrt. Aber drinnen im Gebäude ist auch volles Programm.

Ganz kreativ eine individuelle Tasche bemalen – auch die Bastelidee, die das Team für diesen Tag vorbereitet hat, kommt super an.

Voller Tradition und doch modern

Beim Kinderschminken bilden sich schnell lange Warteschlangen. Glitzernde Schmetterlinge, bunte Fische und gefährliche Monster zaubert die eigens engagierte Schminkexpertin blitzschnell auf kleine Gesichter. Wer will, kann sich nebenan auch noch verkleiden und sich von der „Fotobox“, die Erzieherin Stefanie Beier betreut, ablichten lassen. Auch viele Erwachsene nehmen lachend ein ungewöhnliches Erinnerungsfoto mit. Hier landet schließlich auch Frau Morrison mit ihren drei Töchtern Lilly, Leni und der kleinen Lucy. Die Mutter hat den Kindergarten in Lochbrücke selbst einige Jahre lang geleitet. „Wenn ich durch die Räume gehe, fallen mir viele schöne Erinnerungen wieder ein. Und heute, wo ich selbst drei Töchter habe, sehe ich die Welt nochmal aus einer ganz anderen Perspektive“, erzählt sie.

Um 12.30 Uhr ist der Turnraum wieder bis auf den letzten Platz besetzt. Das Wangener Puppentheater erzählt vom Wackelpudding-Wettessen. Schnell bringt der Puppenspieler seine großen und kleinen Zuschauer in Bewegung, denn bei der Zaubermaschine müssen einfach alle mitmachen. Die Kinder lachen über Kaspers Großmutter, die mit der Kaffeemühle telefoniert und helfen natürlich lautstark dem Kasper, die Oma aus den Klauen des bösen Räubers zu befreien. So wie es ihre Großeltern schon vor 50 Jahren im Kasperltheater taten. Sie erinnern sich beim „Wackelpudding-Wettessen gern daran.

Für junge Familien, die mit Krabbelkindern auf dem Arm kommen, hat das Team seine Arbeit in der Kita Lochbrücke auf großen Schautafeln dargestellt.

Zwei Buben, die hier selbst mal als Kindergartenkind ihre Brottasche aufhängten, wollen für ein Praktikum zurück nach Lochbrücke kommen. Und schauen sich jetzt ihren Praktikumsplatz an.

Ein älterer Herr schiebt, als es schon etwas ruhiger wird, seinen Rollator durch die Tür. Stolz führt Mitarbeiterin Valerie Rosi ihre Großeltern herum und zeigt ihnen, wo sie arbeitet. Der Tag der offenen Tür hat Jung und Alt in die traditionsreiche Kindertagesstätte gelockt.

BLICK:

Zum Festakt mit Sektempfang hat das Kindergartenteam ehemalige Leiterinnen, die Kolleginnen von den anderen Kindertagesstätten und Vertreter der Grundschule und der Gemeinde eingeladen. Anett Tuchscherer stellte Ehemalige und das Team von heute vor. Vieles habe sich im Laufe von 50 Jahren verändert, die pädagogischen Grundsätze seien aber über die Jahre geblieben, betonte die Leiterin der KiTa Lochbrücke: Jedes Kind „soll die prägenden ersten Jahre in einer entspannten, geschützten Atmosphäre und in seinem eigenen individuellen Tempo aufwachsen können“. Bürgermeisterin Elisabeth Kugel erinnerte sich in ihrer Festansprache gern an ihre eigene Zeit als Anerkennungspraktikantin im Kindergarten Lochbrücke. Seit damals hätten sich Kindertagesstatten von der Betreuungseinrichtung zur Bildungsstätte gewandelt. Man müsse den Übergang zur Schule noch weiter verbessern, fand die Bürgermeisterin. „Manche Kinder können schon Englisch, aber nicht mit der Schere umgehen“, warnte sie vor Fehlentwicklungen. Der Gemeinderat müsse bei Kosten und Räumen für die Zukunft planen.

Angesichts der anstehenden Renovierungen in Lochbrücke beklagte die Bürgermeisterin, dass nur ein Angebot für die Sanierung des Daches abgegeben worden sei.

Für die Leiterinnen der anderen Kindergärten gratulierte Elke Buchhorn aus Brochenzell zum Jubiläum. Ein Kindergarten, den es schon 50 Jahre gäbe, sei ein Klassiker. Zusammen mit Yvonne Fleig vom Kinderhaus und Erika Koenig vom Kindergarten St. Maria überreichte sie dem Team von Lochbrücke deshalb Kinderbuchklassiker. Elisabeth Kugel überbrachte als Geschenk der Gemeinde Sonnenblumen und einen Trettraktor für die Kinder. (scht)

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