Wie das Berufsbildungswerk mit Risikogruppen umgeht

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Prüfungsvorbereitung für Risikogruppen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW): Über ein Laptop hat Hauswirtschaftausbilderin Ilo
Prüfungsvorbereitung für Risikogruppen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW): Über ein Laptop hat Hauswirtschaftausbilderin Ilona Abler den Heimarbeitsplatz ihrer Schülerin im Blick und kann sie so anleiten. (Foto: BBW)
Schwäbische Zeitung

Die allermeisten jungen Frauen und Männer, die im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau eine Berufsvorbereitung oder -ausbildung machen, sind nun zumindest teilweise wieder zurück in der Sonderberufsschule und Werkstatt. Aber was ist mit jenen Jugendlichen, die mit Blick auf die Corona-Pandemie zur Risikogruppe zählen? Für sie findet das BBW ganz individuelle Lösungen, wie die Stiftung Liebenau in einer Pressemitteilung schreibt. Etwa für die 19-jährige Franzi.

Für Franzi ist nach wie vor größte Vorsicht geboten. Die 19-Jährige wäre aufgrund mehrerer Grunderkrankungen besonders schwer, möglicherweise lebensgefährdend, von einer Covid-19-Infektion betroffen. Deshalb bleibt sie zu Hause, vermeidet Kontakte, schützt sich. Das Problem dabei: Sie ist derzeit in ihrem dritten und letzten Ausbildungsjahr zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft und muss in wenigen Wochen ihre Abschlussprüfungen bewältigen. Um Franzi trotzdem bestmöglich darauf vorzubereiten, kümmert sich das Berufsbildungswerk Adolf Aich ntensiv um sie und andere besonders gefährdete Azubis, schreibt die Stiftung. Ob Backen, Kochen, Rühren, Schneiden, Knopf annähen, Oberflächen reinigen, Wäsche sortieren oder Tisch decken – das ganze große Einmaleins der Hauswirtschaft übt Franzi jetzt zwar daheim – aber trotz Entfernung unter den aufmerksamen Augen ihrer Ausbilderin Ilona Abler. Mit dieser ist die Schülerin an drei Tagen in der Woche in Bild und Ton über das Internet verbunden. Die Hauswirtschaftsausbilderin schaut über ihr Laptop zu und kann so Fehler korrigieren und Tipps geben.

„Wir sind dann immer zwischen zwei und drei Stunden zusammen bei der Arbeit“, erzählt Abler. „Während Franzi die Aufgaben erledigt, legt sie in der Regel ihr Smartphone auf die Dunstabzugshaube. Ich kann dadurch ihren Arbeitsplatz sehen und sie so begleiten.“ Und das funktioniere gut, versichern Ausbilderin und Lehrling unisono – auch wenn es grundsätzlich anstrengender sei, allein zu Hause zu üben und sich zu motivieren, wie die Auszubildende einräumt. Mit der Unterstützung klappe es aber besser.

Aus der Ferne betreut und unterrichtet zu werden – daran konnte sich Franzi bereits während der siebenwöchigen Schließung des Berufsbildungswerks gewöhnen. per Post hat sie das Unterrichtsmaterial als sogenanntes „Heimlernpaket“ zugeschickt bekommen, bestückt mit praxisnahen Aufgaben. Zum Beispiel: Servietten falten, ein Lieblingsgericht kochen, Backrezepte ausprobieren und dann mit einem Foto dokumentieren.

Doch während die Hälfte der insgesamt mehr als 30 Hauswirtschaft-Azubis aus dem Berufsbildungswerk inzwischen wieder unter strikten Hygiene- und Abstandsregeln die Berufsschulbank drückt und vor Ort im Praxiseinsatz ist, geht für Franzi das Lernen zuhause weiter. Ihr großes Ziel: sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken und gleichzeitig die Weichen für ihre berufliche Zukunft zu stellen.

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